Geburt und Entbindung

Storch
© Grace Winter / pixelio.de

Natürliche Geburt und Entbindung: Wie verläuft die natürliche Geburt?

Den Beginn der Geburt signalisieren regelmäßige Wehen, die etwa alle drei bis sechs Minuten auftreten sowie das Platzen der Fruchtblase (Blasensprung). Durch die Wehen drückt der Kopf des Kindes auf den Muttermund, wodurch dieser sich langsam öffnet. Diese Phase der Geburt wird als Eröffnungsphase bezeichnet. Die Dauer der Eröffnungsphase variiert ebenso wie die Schmerzen während der Wehen stark. Grundsätzlich besteht – je nach persönlichem Schmerzempfinden – die Möglichkeit, die Schmerzen durch verschiedene Maßnahmen zu lindern.

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In der anschließenden Übergangsphase verstärken sich die Wehen und der Kopf des Kindes nimmt die Geburtsposition ein. Die Endphase bezeichnet den Beginn der eigentlichen Geburt: Das Kind wird durch die Wehen durch den Muttermund und die Scheide herausgepresst. Wenn das Kind geboren ist, nabelt der Arzt oder Geburtshelfer ab, indem er die Nabelschnur durchtrennt. Die Geburt endet mit der Nachgeburtsphase: Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, wird durch kleinere Wehen ausgestoßen.

Einleitung der Geburt: Wann sind Wehen einleitende Medikamente nötig?

Kommt die Geburt nicht von alleine in Gang, gibt es die Möglichkeit, sie durch die Gabe von Medikamenten einzuleiten.

Die Gründe für eine Geburtseinleitung sind vielfältig:

  • Zehn bis zwölf Tage nach dem errechneten Geburtstermin noch keine Wehen
  • Vorzeitiges Platzen der Fruchtblase ohne Wehen
  • Plazentaschwäche (Plazentainsuffizienz)
  • Erkrankungen der Mutter, zum Beispiel Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Nierenerkrankungen.

Die Möglichkeiten zur künstlichen Einleitung der Geburt variieren und sind auch abhängig von der Ursache. Die Medikamente können gespritzt oder als Salbe oder Creme an den Muttermund gebracht werden.

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Schmerzmittel bei der Entbindung: Welche Schmerzmittel sind bei der Entbindung möglich?

Schmerzlindernde Medikamente erleichtern vielen Frauen die Geburt. Vor allem bei langwierigen Geburten reichen die im Geburtsvorbereitungskurs erlernten Techniken wie Atemtraining manchmal nicht aus. Die wirksamste und bekannteste Methode ist die Periduralanästhesie (PDA). Sie lässt sich auch bei einem Kaiserschnitt einsetzen. Weil sie lokal wirkt und nur Bauch und Becken betäubt sind, kann die Frau die Geburt bei vollem Bewusstsein erleben. Das Schmerzmittel wird über einen sehr dünnen Schlauch (Katheter) in den Rückenmarkskanal gespritzt. Besteht im Lauf der Geburt noch Bedarf nach einer höheren oder weiteren Dosis, so kann diese über den Katheter nachgespritzt werden.

Bleibt keine Zeit mehr, einen Katheter für die PDA zu legen, empfiehlt sich als Alternative der Pudendusblock. Dabei wird der Nerv, der sich durch den Beckenboden zieht, mit einer Spritze betäubt. Der Pudendusblock wirkt allerdings schwächer als die PDA und garantiert keine völlige Schmerzfreiheit während der Geburt.

Geburtshilfen und Alternativen: Welche Geburtshilfen und Alternativen zur natürlichen Geburt gibt es?

In einigen Fällen verläuft die Geburt nicht reibungslos, sondern der Geburtshelfer muss unterstützend eingreifen.

Saugglocken- und Zangenentbindung

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Die Saugglocke oder Zange wird häufig eingesetzt, wenn das Kind im Geburtskanal feststeckt und nicht weiterkommt oder die Geburt aus anderen Gründen möglichst schnell beendet werden muss. Eine örtliche Betäubung des Damms der Frau oder ein Dammschnitt erleichtern das Einführen der Saugglocke oder Zange. Bei der Zangengeburt wird der Kopf des Kindes mit den beiden Zangenhälften umschlossen und das Kind langsam während einer Wehe herausgezogen. Die Saugglocke saugt sich durch Unterdruck am Kopf des Neugeborenen fest. Das Kind kann dann vorsichtig während einer Wehe herausgezogen werden. Manchmal entstehen durch die Zange beziehungsweise Saugglocke Blutergüsse am Kopf des Kindes. In der Regel verschwinden diese harmlosen Beulen schon nach kurzer Zeit.

Dammschnitt

Ein Dammschnitt (Episiotomie) empfiehlt sich, wenn der Damm der Frau, die muskuläre Region zwischen Scheide und After, zu reißen droht oder die Geburt beschleunigt werden muss. Der Geburtshelfer schneidet dabei den Damm mit dem Skalpell ein, um zu verhindern, dass der Schließmuskel durch das „natürliche“ Reißen des Damms verletzt wird. Nach der Geburt näht er die Wunde wieder zu. Die Heilung des Damms dauert einige Zeit und ist mit Schmerzen verbunden.

Kaiserschnitt

Kann das Kind nicht auf natürlichem Weg durch die Scheide geboren werden, wird ein Kaiserschnitt durchgeführt. Dabei wird das Kind in einer Operation geboren. Der Kaiserschnitt ist unter Vollnarkose oder unter örtlicher Betäubung möglich. Die Bauchdecke wird über dem Schambereich geöffnet, das Kind herausgeholt und anschließend der Bauch schichtweise wieder vernäht. Der Kaiserschnitt gehört mittlerweile zu den Routine-Eingriffen und verläuft in den meisten Fällen komplikationslos. Häufige Gründe für einen Kaiserschnitt sind Mehrlingsgeburten, wenn das Kind nicht durch das Becken der Mutter passt oder wenn es in einer Geburtslage liegt, die eine normale Geburt unmöglich macht.

Weitere Informationen

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Autor: Karin Wunder, Dr. med. M. Waitz
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Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Rundum. Schwangerschaft und Geburt.  www.bzga.de (Abruf: 10/2017)
Berufsverband der Frauenärzte: www.frauenaerzte-im-netz.de (Abruf: 10/2017)