Künstliche Befruchtung

Eizelle
© Bellezza87 / pixabay.de

Definition: Was ist eine künstliche Befruchtung?

Unter künstlicher Befruchtung versteht man alle Verfahren, bei denen die Schwangerschaft nicht durch Geschlechtsverkehr herbeigeführt wird. Voraussetzung für eine künstliche Befruchtung ist, dass die Versuche, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, über einen längeren Zeitraum fehlgeschlagen sind. Mögliche Gründe der Unfruchtbarkeit sind beispielsweise eine eingeschränkte Beweglichkeit der Spermien beim Mann oder verklebte Eileiter bei der Frau. Die Gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich bei verheirateten Paaren unter bestimmten Voraussetzungen an den Kosten für eine künstliche Befruchtung.

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Durchführung: Wie wird eine künstliche Befruchtung durchgeführt?

Es gibt verschiedene Methoden der künstlichen Befruchtung. Welches Verfahren im Einzelfall sinnvoll ist, richtet sich nach den Ursachen für den bislang unerfüllten Kinderwunsch. Häufig werden die verschiedenen Anwendungen durch die Gabe von Hormonen unterstützt, um die Fruchtbarkeit der Frau zu „stimulieren“.

Insemination

Bei der Insemination wird das Sperma zum Zeitpunkt des Eisprungs mit einem Katheter in die Gebärmutter eingebracht. Diese Methode ist empfehlenswert, wenn die Spermien zu unbeweglich und langsam sind, um die Eizelle auf natürlichem Weg zu erreichen. Zuvor wird das Sperma aufbereitet und unerwünschte Stoffe abgetrennt. Dies erhöht die Aussicht auf eine erfolgreiche künstliche Befruchtung. Die häufigste Form ist die homologe Insemination, bei der die Befruchtung mit dem Sperma des Partners durchgeführt wird. Bei der heterologen oder donogenen Insemination erfolgt die Befruchtung mit dem Sperma eines Samenspenders. Dieses Verfahren ist in Deutschland umstritten.

In-Vitro-Fertilisation (IVF)

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Findet die künstliche Befruchtung außerhalb des Körpers der Frau statt, handelt es sich um die In-Vitro-Fertilisation. Um die Chance auf eine erfolgreiche künstliche Befruchtung zu erhöhen, sind mehrere Eizellen hilfreich. Meist reift während des natürlichen Zyklus der Frau nur eine Eizelle heran. Deshalb wird die Produktion von Eizellen durch Hormone in Form von Tabletten oder Spritzen angeregt, sodass mehrere Eizellen heranreifen. Durch die Gabe von Hormonen lässt sich auch der Eisprung auslösen. Anschließend werden die Eizellen entnommen und in einer Petrischale mit dem aufbereiteten Sperma zusammengebracht. Nach 40 bis 72 Stunden lassen sich bis zu drei befruchtete Eizellen über einen Katheter in die Gebärmutter setzen.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Während die Spermien bei der In-Vitro-Fertilisation ihren Weg in die Eizellen sozusagen „alleine“ finden müssen, werden sie bei der ICSI-Methode mithilfe einer feinen Kanüle direkt in die Eizelle injiziert. Dieses Verfahren empfiehlt sich, wenn die Spermienqualität deutlich eingeschränkt ist und mindestens zwei Versuche der künstlichen Befruchtung bereits fehlgeschlagen sind. Die weitere Behandlung verläuft wie bei der In-Vitro-Fertilisation.

Testikuläre Spermienextraktion (TESE)

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Befinden sich im Ejakulat keine befruchtungsfähigen Spermien – zum Beispiel weil die Samenleiter blockiert sind –  lassen sich durch eine Hodenbiopsie trotzdem Spermien gewinnen. Dabei werden die Spermien direkt aus den Hoden entnommen und meist bei der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) in die Eizellen injiziert.

Kultivierung von Spermatogonialen Stammzellen

Sind in der Samenflüssigkeit keine reifen Samen vorhanden, ist es möglich, Stammzellen aus dem Hoden zu entnehmen und im Labor zu kultivieren. Auf diesem Weg können aus den Stammzellen Spermien gewonnen und mittels einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) in Eizellen injiziert werden.

Anwendungsgebiete: Was sind die Anwendungsgebiete der künstlichen Befruchtung?

Die künstliche Befruchtung wird angewendet, wenn sich eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg, also durch Geschlechtsverkehr, nicht einstellt. Die Ursachen dafür sind vielfältig, deshalb gibt es unterschiedliche Methoden der künstlichen Befruchtung. Während die Insemination vor allem bei unbeweglichen Spermien empfehlenswert ist, eignet sich die In-Vitro-Fertilisation vor allem bei verschlossenen oder nicht ausreichend durchlässigen Eileitern der Frau. Ist die Qualität der Spermien stark eingeschränkt, ist die direkte Injizierung in die Eizellen (Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion) ratsam.

Risiken und Komplikationen: Welche Risiken birgt eine künstliche Befruchtung?

Durch die Gabe von Hormonen in hohen Dosen kann es bei der künstlichen Befruchtung zu erheblichen Nebenwirkungen kommen. Insbesondere Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Wassereinlagerungen kommen häufig vor. In seltenen, schwereren Fällen führt eine gestörte Blutgerinnung zu einer schlechteren Durchblutung und Blutgerinnseln (Thrombose). Weiterhin ist die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft gegeben, vor allem wenn bei einer In-Vitro-Fertilisation mehrere befruchtete Eizellen eingesetzt wurden. Durch künstliche Befruchtung herbeigeführte Schwangerschaften bergen generell ein höheres Risiko für Fehlgeburten und andere Komplikationen. Die Gründe dafür sind bisher nicht abschließend geklärt. Es wird aber vermutet, dass oft die Ursachen, die auch zur Unfruchtbarkeit geführt haben, dafür verantwortlich sind.

Weitere Informationen

Die Kinder-Wunsch-Seite: www.wunschkinder.net

Autor: Karin Wunder, Dr. med. M. Waitz

medproduction GmbH, www.medproduction.de
Datum: Juni 2008
Letzte Aktualisierung: Februar 2015
Aktualisiert durch: Dipl.-Biol. Ulrike Pickert
Quellen:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.schwanger-info.de (Abruf: 02/2015)
Haag, P. et al.: Gynäkologie und Urologie für Studium und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014/15
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2014
Schaps, K.-P. et al.: Gynäkologie und Pädiatrie. Springer, Heidelberg 2007