Hirnwasser-Untersuchung (Liquorpunktion)

Wasser
© Rony Michaud / pixabay.de

Definition: Was ist eine Hirnwasser-Untersuchung?

Eine Hirnwasser-Untersuchung, auch Liquor- oder Lumbalpunktion genannt, ist die Analyse von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, dem Hirn- oder Nervenwasser, aus dem Rückenmarkskanal. Die Entnahme des Hirnwassers erfolgt meist aus dem Spalt zwischen  zwei Lendenwirbeln, oft als ambulanter Eingriff. Je nach Krankheitsbild und Therapiebedarf wird die Hirnwasser-Untersuchung auch bei einem stationären Klinikaufenthalt durchgeführt. Nach der Hirnwasser-Entnahme ist, je nach Verlauf, eine Ruhezeit von vier bis 24 Stunden nötig.

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Durchführung: Wie wird eine Hirnwasser-Untersuchung durchgeführt?

Die Entnahme des Nervenwassers für die Hirnwasser-Untersuchung erfolgt im Sitzen oder Liegen. Der Oberkörper ist dabei nach vorn gebeugt, die Rückenmuskulatur entspannt. Diese Haltung wird auch als „Embryonalhaltung“ bezeichnet. Dabei ist es wichtig, dass die Schultern auf gleicher Höhe stehen. Der Bereich des unteren Rückens wird großflächig desinfiziert. Auf Wunsch ist eine örtliche Betäubung möglich. Mit einer etwa acht bis zehn Zentimeter langen Nadel erfolgt die Punktion zwischen zwei Lendenwirbelkörpern der Lendenwirbelsäule. Anschließend kann der Liquor, die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, in einen Katheter abfließen. Danach erfolgt die Analyse des Liquors im Labor.

Vor einer Hirnwasser-Untersuchung dürfen keine gerinnungshemmenden Mittel eingenommen werden (zum Beispiel Marcumar, Azetylsalizylsäure). Nach einer Liquorpunktion ist es wichtig, ausreichend zu trinken.

Anwendungsgebiete: Was sind die Anwendungsgebiete einer Hirnwasser-Untersuchung?

Mithilfe einer Hirnwasser-Untersuchung lassen sich entzündliche Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) erkennen oder ausschließen. Dies sind vor allem eine Hirnhautentzündung (Meningitis) und eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). Auch die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung, zu deren Diagnose die Lumbalpunktion gehört. Außerdem streuen bestimmte Formen von Hirntumoren Krebszellen aus dem Gehirn ins Hirnwasser. Diese sind bei einer Hirnwasser-Untersuchung identifizierbar. Bei der sogenannten Subarachnoidalblutung (SAB) gelangt Blut in den Subarachnoidalraum, den Raum um Gehirn und Rückenmark. Dieses Blut ist mittels einer Lumbalpunktion ebenfalls nachweisbar.

Risiken und Komplikationen: Welche Risiken birgt eine Hirnwasser-Untersuchung?

Die Hirnwasser-Untersuchung selbst birgt insgesamt wenige Risiken. In seltenen Fällen kommt es nach einer Entnahme des Hirnwassers (Punktion) zu Komplikationen. Deshalb ist eine ausführliche Nutzen-Risiko-Abwägung vor der Hirnwasser-Untersuchung sinnvoll. Außerdem ist sie trotz lokaler Betäubung nicht schmerzfrei. Ein seltenes, aber gefährliches Risiko besteht bei erhöhtem Hirndruck. Dann besteht die Gefahr, dass das Gehirn beim Abfließen des Liquors eingeklemmt wird.

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Während der Entnahme des Hirnwassers kann es zu einem spontanen Schmerz im Bein kommen, der von der punktierten Stelle ausgeht. Das bedeutet, dass die Nadel eine Nervenwurzel berührt beziehungsweise gereizt hat und ist in der Regel harmlos. Nach der Punktion können außerdem Kopfschmerzen auftreten, die von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden, sowie kurzzeitige Lähmungserscheinungen. Oft bessern sich die Kopfschmerzen im Liegen. Infektionen wie eine bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) können ebenfalls durch eine Hirnwasser-Untersuchung ausgelöst werden, sind jedoch bei sachgemäßer Durchführung sehr selten. Darüber hinaus besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko.

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Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostische Liquorpunktion. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/107 (Stand: 09/2012)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017

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