Blutvergiftung (Sepsis)

Rote Blutkörperchen
© Gerd Altmann / pixabay.de

Ursachen: Was sind die Ursachen einer Blutvergiftung?

Eine Blutvergiftung (Sepsis oder Septikämie) ist die Folge einer lokalen Infektion, die sich auf den gesamten Körper ausgebreitet hat. Ursache dieser Allgemeininfektion sind Mikroorganismen – zumeist Bakterien, seltener Pilze, Viren oder Parasiten. Bei der Sepsis verbleiben die Krankheitserreger oder deren Giftstoffe nicht wie üblicherweise an einer Stelle, sondern verteilen sich über die Blutbahn im gesamten Organismus.

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Über den Blutkreislauf können die Erreger zu entfernten Organen gelangen und dort entzündliche Krankheitsprozesse verursachen. Die körpereigene Immunabwehr versucht, die Erreger zu bekämpfen: Dabei werden weiße Blutkörperchen sowie weitere Abwehrzellen aktiviert und Botenstoffe (Zytokine) freigesetzt.

Normalerweise gelingt es dem Immunsystem, die Infektion an der entsprechenden Stelle (Entzündungs- oder Infektionsherd) räumlich zu begrenzen und dort zu bekämpfen. Wenn dieser Schutz allerdings versagt, kann es zu einer Blutvergiftung kommen. Bleibt eine Sepsis unbehandelt und verursachen die Erreger weitere Infektionen, können die Organe Schaden nehmen und letztlich versagen (Sepsis-Syndrom).

In knapp der Hälfte aller Fälle ist der Ursprung der Blutvergiftung eine Lungenentzündung (Pneumonie). Es kommen aber auch andere Infektionen für eine Sepsis infrage. Mögliche Ausgangsherde sind:

Eine Blutvergiftung ist insbesondere dann möglich, wenn der Erreger sich sehr stark vermehrt und/oder die Abwehrkräfte (Immunsystem) geschwächt sind. Das Risiko einer Sepsis ist besonders erhöht:

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  • Bei Frühgeborenen
  • Nach schweren Unfällen und Operationen
  • Bei älteren Menschen
  • Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Nach einer Chemotherapie bei Krebserkrankungen
  • Bei großen Wunden und Verletzungen (zum Beispiel nach Verbrennungen)
  • Nach Transplantationen
  • Nach bestimmten Zahnbehandlungen (etwa Zahnextraktion)
  • Bei Kathetern im Körper
  • Nach einer hochdosierten Kortisontherapie (beispielsweise bei Rheuma oder schwerem Asthma bronchiale)
  • Aufgrund genetischer Veranlagung
  • Bei einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit

Beschwerden: Wie äußert sich eine Blutvergiftung?

Typisches Anzeichen einer Blutvergiftung ist vor allem das schnell ansteigende hohe Fieber. Weitere Symptome einer Sepsis sind:

  • Ein deutlich beeinträchtigtes Allgemeinbefinden bis zur Verwirrtheit
  • Organfunktionsstörungen, wie eine verminderte Urinausscheidung
  • Gesteigerte Atmungsfrequenz (Tachypnoe)
  • Gesteigerte Herzfrequenz (Tachykardie)
  • Sehr niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Unterkühlung (Hypothermie)
  • Schüttelfrost

Eine schwere Sepsis entsteht, wenn die Funktion lebenswichtiger Organe, wie das Herz- und Kreislaufsystem, die Nieren, die Lunge oder die Leber einschränkt ist. Ein septischer Schock tritt auf, wenn im Rahmen einer schweren Sepsis der Blutdruck sehr stark abfällt und nicht mehr allein durch eine Standardtherapie (Flüssigkeitsersatz) behandelbar ist. In einem solchen Fall erhält der Körper nicht mehr genügend Sauerstoff, um die Organe ausreichend zu versorgen – diese stellen daraufhin ihre Funktion ein (Sepsis-Syndrom) und es kommt zum sogenannten Multiorganversagen.

Diagnose: Wie wird eine Blutvergiftung diagnostiziert?

Eine Blutvergiftung wird anhand ihres klinischen Verlaufs sowie einer Blut-Untersuchung und einer Urin-Untersuchung diagnostiziert. Im Falle einer Blutvergiftung ist die Anzahl der weißen Blutkörperchen verändert (Leukopenie oder Leukozytose). Die Diagnose wird durch weitere spezielle Blut-Tests unterstützt. Unter anderem kann hierbei als Indikator einer schweren Infektion ein bestimmtes Schilddrüsenhormon (Procalcitonin) im Blut nachgewiesen werden.

Für eine gezielte Behandlung der Sepsis ist die Bestimmung der Erreger wichtig (Bakterienkultur). Auch ist es notwendig, die ursprüngliche Stelle der Infektion (Infektionsherd) zu ermitteln und diese, wenn möglich, zu „sanieren“ (zum Beispiel eine entzündete Gallenblase als Ausgangsherd der Sepsis operativ zu entfernen).

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Behandlung: Wie kann eine Blutvergiftung behandelt werden?

Die einfache Blutvergiftung lässt sich mit einer sofortigen medikamentösen Therapie behandeln – hierbei sind keine intensivmedizinischen Maßnahmen notwendig. Bei einer Sepsis besteht die wichtigste Aufgabe der Ärzte darin, schnellstmöglich eine Antibiotika-Therapie einzuleiten. Wenn der Erreger noch nicht nachgewiesen ist, erfolgt die Behandlung zunächst mit einem Breitbandantibiotikum. Sobald der Erreger bekannt ist, kommt ein spezifisches Antibiotikum zum Einsatz. Darauf kann eine chirurgische Entfernung des Infektionsherds folgen.

Im Falle einer schweren Blutvergiftung oder eines septischen Schocks wird zunächst der Kreislauf stabilisiert, sowie die Flüssigkeitszufuhr und die Beatmung gesichert. Zusätzlich verabreicht der Arzt Substanzen, welche die Blutgefäße verengen und somit den Blutdruck wieder erhöhen. Eine schwere Sepsis erfordert in der Regel eine Behandlung auf der Intensiv-Therapie-Station (ITS). Um den Kreislauf zu stabilisieren und die Organfunktionen bei einer schweren Sepsis zu erhalten, kommen je nach individuellem Krankheitszustand verschiedene Verfahren in Betracht, zum Beispiel:

  • Künstliche Beatmung
  • Nierenersatzverfahren
  • Differenzierte Schockbehandlung
  • Künstliche Ernährung
  • Insulintherapie
  • Ersatz von körpereigenen Blutzellen und -stoffen

Prognose: Wie ist die Prognose einer Blutvergiftung?

Der Heilungsprozess einer Blutvergiftung variiert je nach Grunderkrankung und körperlicher Konstitution. Rechtzeitig behandelt, ist eine Sepsis vollständig heilbar. Bei spätem Therapiebeginn oder nicht lokalisiertem Infektionsherd jedoch ist die Prognose eher schlecht. Bei nahezu der Hälfte aller Menschen mit einem septischen Schock endet eine Blutvergiftung tödlich.

Vorbeugung: Wie kann man einer Blutvergiftung vorbeugen?

Grundsätzlich ist es wichtig, Infektionen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, damit sich daraus keine Blutvergiftung entwickeln kann. Besonders bei Menschen mit geschwächter Körperabwehr ist hierauf zu achten. Ist es bereits zu einer Sepsis gekommen, lässt sich das Ausmaß durch eine frühzeitige adäquate Antibiotika-Therapie begrenzen. Um eine weitere Ausbreitung der Erreger zu vermeiden, wird in der Regel versucht, den infektiösen Ausgangsherd der Sepsis operativ zu beseitigen.

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Weitere Informationen

Autor: Sabine Fischer, Dr. med. M. Waitz
medproduction GmbH, www.medproduction.de
Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Deutsche Sepsis Gesellschaft et al.: Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis. AWMF-Leitlinien-Register Nr.079/001 (Stand: 02/2010)
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017