Cholera

Wasser, Müll, Plastikflaschen
© Emilian Robert Vicol / pixabay.de

Ursachen: Was sind die Ursachen von Cholera?

Die Cholera ist eine infektiöse Darmerkrankung, die zu massiven Durchfällen (Diarrhö) und starkem Flüssigkeitsverlust führt. Sie tritt vor allem in Afrika, Südamerika sowie Südostasien und nur sehr selten in Deutschland auf. Die Durchfallerkrankung wird durch eine spezielle Bakterienart, die Vibrionen (Vibrio cholerae), hervorgerufen. Die Cholera-Vibrionen vermehren sich im Magen und im oberen Dünndarm. Dort produzieren sie verschiedene Gifte – unter anderem das sogenannte Choleratoxin. Dieses Gift lässt die Schleimhaut des Dünndarms anschwellen und führt zu heftigen Salz- und Wasserverlusten über die Darmschleimhaut.

Anzeige

Die Vibrionen der Cholera infizieren nur den Menschen und werden durch ihn verbreitet. Die Infektion erfolgt durch fäkal verunreinigtes (kontaminiertes) Wasser und den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel – insbesondere von unvollständig erhitzten Schalentieren und Fischen. Die Cholera verbreitet sich vor allem unter schlechten hygienischen Zuständen, bei denen Abwässer auch als Trinkwasser verwendet werden. Vorwiegend erkranken unterernährte und durch andere Infektionen geschwächte Menschen.

Beschwerden: Wie äußert sich die Cholera?

Viele Cholera-Infizierte tragen die Keime zwar in sich und scheiden sie auch aus, erkranken aber selber nicht. Geringe Mengen an Bakterien können durch die Salzsäure des Magens abgetötet werden. Die schwere Cholera-Erkrankung wird durch die Aufnahme größerer Vibrionenmengen hervorgerufen. Die Zeit bis zum Ausbruch der Cholera (Inkubationszeit) beträgt zwischen einigen Stunden und fünf Tagen. Typischerweise treten sehr plötzlich Durchfälle (Diarrhö) auf – jedoch ohne Bauchschmerzen oder Fieber.

Anfangs sind die Stühle meist noch breiig, dann dünnflüssig. Im weiteren Verlauf der Cholera wird der Durchfall immer stärker, der Stuhlgang wässrig, leicht trüb und vermischt sich schließlich mit kleinen Schleimflocken („Reiswasserstuhl“). Durch das zusätzliche Erbrechen verlieren Betroffene innerhalb weniger Stunden große Mengen an Elektrolyten und Wasser. Neben Natrium geht bei der Cholera vor allem Kalium verloren, was zu schweren Herzrhythmusstörungen führen kann. Der enorme Flüssigkeitsverlust kann innerhalb weniger Stunden mehrere Liter, insgesamt über zehn Liter pro Tag betragen, sodass der Organismus schnell austrocknet.

Die Symptome einer Cholera-Infektion sind:

  •  Erbrechen ohne Übelkeit
  • Zahlreiche dünnflüssige Durchfälle ohne Blut („Reiswasserstuhl“)
  • Austrocknung mit Heiserkeit und Wadenkrämpfen
  • Eingefallene Augen
  • Faltige Haut
  • Herzrhythmusstörungen
  • Blutdruckabfall mit rasendem Puls
  • Verminderung der Harnmenge
  • Absinken der Körpertemperatur
  • Bewusstlosigkeit

Diagnose: Wie wird die Cholera diagnostiziert?

Die Vibrionen der Cholera können in Stuhlproben, Rektalabstrichen und Erbrochenem nachgewiesen werden. Im Rahmen der Blut-Untersuchung kann der Arzt mit Hilfe eines Blutausstrichs unter dem Mikroskop die Cholera-Bakterien in Form eines „tanzenden Mückenschwarms“ erkennen. In Deutschland gehört die Cholera zu den meldepflichtigen Krankheiten; neben Erkrankungen und Todesfällen muss bereits bei Verdacht auf Cholera die betroffene Person isoliert werden (Quarantäne) und der Fall bei der zuständigen Gesundheitsbehörde gemeldet werden.

Anzeige

Behandlung: Wie kann die Cholera behandelt werden?

Bei der Behandlung von Cholera müssen zunächst die Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Zuckerverluste ausgeglichen werden – direkt zugeführte Flüssigkeit und Elektrolyte sind lebensrettend. Ist der Blutdruck bereits deutlich gefallen, werden die Elektrolytlösungen intravenös verabreicht. Des Weiteren kann eine Antibiotika-Therapie zur Heilung beitragen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zur weiteren Therapie den sogenannten „Cholera-Trunk“ – eine wässrige Lösung, die aus 13,5 Gramm Zucker, 2,9 Gramm Natriumbikarbonat, 2,6 Gramm Kochsalz und 1,5 Gramm Kaliumchlorid auf einen Liter Wasser besteht. Sie ist auch für Kinder, die an Cholera erkrankt sind, geeignet. Nach dem medizinisch notwendigen Flüssigkeitsersatz (Rehydratation) ist es ratsam, sobald wie möglich wieder normal zu trinken.

Prognose: Wie ist die Prognose der Cholera?

In leichten Fällen von Cholera klingt die Erkrankung unter ausreichender Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr nach drei bis sechs Tagen von alleine ab. Bei unzureichender, zu spät einsetzender oder fehlender Therapie, können bis zu 70 Prozent der Cholera-Kranken sterben. Ohne Behandlung wird das Gehirn bei einer schweren Cholera aufgrund des Flüssigkeitsverlusts nicht mehr ausreichend durchblutet, die Körpertemperatur sinkt auf unter 30 Grad und schließlich versagen die Organfunktionen. Eine frühzeitige und adäquate Behandlung kann daher lebensrettend sein.

Vorbeugung: Wie kann man der Cholera vorbeugen?

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Cholera für Reisende in Cholera-Risikogebiete. Die Impfempfehlung gilt insbesondere für Aufenthalte in aktuellen Infektionsgebieten, etwa nach einer Naturkatastrophe. Der Impfschutz gegen Cholera beträgt für Kinder bis sechs Jahre sechs Monate, für Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene zwei Jahre. Wer in Länder mit mangelnder Wasserhygiene (wie Afrika, Südamerika und Südostasien) reist, sollte zusätzlich unbedingt die empfohlenen Hygienemaßnahmen einhalten (zum Beispiel nur abgekochtes Wasser benutzen). Langfristig kann der Verbreitung von Cholera nur über bessere Hygiene-Standards wie dem Aufbau getrennter Trinkwasser- und Abwassersysteme wirksam entgegengewirkt werden.

Leser dieses Artikels interessierten sich auch für:

Weitere Informationen

Buch-Tipps:
Diese Bücher können Sie direkt bei Amazon bestellen (Anzeige):

Autor: Sabine Fischer, Dr. med. M. Waitz
medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes. Merkblatt für Beschäftigte und Reisende: Cholera (Abruf: 10/2017)
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017
Robert Koch-Institut: www.rki.de (Abruf: 10/2017)
World Health Organization. www.who.int (Abruf: 10/2017)