Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)

© Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Ursachen: Was sind die Ursachen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Aus bisher ungeklärter Ursache kommt es bei beiden Erkrankungen wiederholt zu entzündlichen Schüben der Darmschleimhaut. Es handelt sich wahrscheinlich um sogenannte Autoimmunkrankheiten, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen kommen familiär gehäuft vor und es finden sich Veränderungen an den Genen, was für eine erbliche Komponente spricht. Möglicherweise können auch Infektionen chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auslösen.

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Beschwerden: Wie äußern sich chronisch entzündliche Darmerkrankungen?

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen treten in der Regel erstmals zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr auf. Es können aber bereits Kinder an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erkranken. Zwischen fünf und sechs Personen pro 100.000 Einwohner erkranken in Deutschland jährlich.

Morbus Crohn (Enteritis regionalis Crohn, Ileitis terminalis) beginnt meist im letzten Abschnitt des Krummdarms (terminales Ileum) und kann den gesamten Verdauungstrakt (vom Mund bis zum Enddarm) befallen. Meist finden sich die Entzündungen im Krummdarm und Dickdarm. Die Colitis ulcerosa hingegen betrifft nur den Dickdarm (Kolon). Auch hier kommt es zu schubartigen Entzündungen, die mehrere Wochen anhalten können. Zwischen den Schüben sind die Betroffenen meist beschwerdefrei.

Beschwerden bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind schubweise auftretende:

Diagnose: Wie werden chronisch entzündliche Darmerkrankungen diagnostiziert?

Nach einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden und die Vorgeschichte (andere Erkrankungen wie Blinddarmentzündung (Appendizitis), Operationen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen in der Familie etc.) folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Hierbei tastet der Arzt auch den Enddarm mit dem Finger aus (rektale Untersuchung). Blut-Untersuchungen, Stuhl-Untersuchungen sowie eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) des Bauchs können weitere Hinweise auf einen Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa liefern. Auch ist es wichtig, chronisch entzündliche Darmerkrankungen von den zahlreichen anderen möglichen Ursachen für die Bauchbeschwerden abzugrenzen, wie zum Beispiel eine Blinddarmentzündung, Darminfektionen, ein Reizdarm-Syndrom oder Darmtumoren wie Darmkrebs.

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Sicherheit geben endoskopische Untersuchungen (Spiegeluntersuchungen) wie eine Darmspiegelung (Koloskopie) und gegebenenfalls eine Magenspiegelung (Gastroskopie). Die entzündete Darmschleimhaut bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa lässt sich auf diese Weise erkennen. Hierbei kann der Arzt außerdem Gewebeproben entnehmen (Biopsie) und diese unter dem Mikroskop untersuchen.

Behandlung: Wie können chronisch entzündliche Darmerkrankungen behandelt werden?

Die Ursachen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa lassen sich nicht mit Medikamenten behandeln. Ziel der medikamentösen Therapie ist es, die Schübe zu verhindern (Remissionserhaltung) sowie die Schwere der Darmentzündung (Behandlung eines akuten Schubs) abzuschwächen.

Medikamente

Folgende Wirkstoffe kommen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zum Einsatz:

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5-Aminosalizylsäure (5-ASA, Mesalazin) lindert die Entzündung der Darmschleimhaut. 5-ASA-Präparate können in Tablettenform sowie als Klistier oder Zäpfchen verabreicht werden. Die Dosierung und Dauer der Anwendung hängen von der Schwere der Erkrankung ab. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme und Hautausschläge.

Kortikosteroide (Kortikoide, Kortison) sind stark entzündungshemmende Medikamente. Sie helfen vor allem bei einem akuten Schub von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Kortikoide können als Tabletten und Infusion sowie als Klysma (Einlauf) oder Schaumpräparat im Enddarm angewandt werden. Bei längerfristiger Anwendung von Kortison, vor allem in höherer Dosierung, können zum Teil schwere Nebenwirkungen (wie Hautprobleme, Muskel- und Knochenschwund (Osteoporose), Bluthochdruck (Hypertonie), Stammfettsucht, Wundheilungsstörungen) auftreten. Deshalb versucht man, Kortison möglichst kurzfristig und nicht überdosiert anzuwenden.

Andere Medikamente: Wenn die genannten Medikamente nicht wirken oder bei schweren Schüben nicht ausreichen, kommen weitere Mittel zum Einsatz. Dazu zählen Immunsuppressiva wie Azathioprin (Aza), 6-Mercaptopurin und als Reservemittel sogenannte TNF-Antikörper. Immunsuppressiva können langfristig eingenommen werden, um die Anzahl von Schüben zu verringern. Die Medikamente haben zum Teil starke Nebenwirkungen auf das Immunsystem, Herz, Leber und Knochenmark.

Antibiotika bekämpfen die Bakterien, die bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu Darminfektionen führen können. Wirkstoffe wie Metronidazol und Ciprofloxacin werden dann über einen bestimmten Zeitraum verordnet. Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Hautreaktionen sind als Nebenwirkungen möglich.

Operation

Wenn die medikamentöse Therapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nicht hilft, sind unter Umständen operative Eingriffe notwendig. Hierbei entfernt der Arzt die befallenen Darmabschnitte. Beim Morbus Crohn ist man zurückhaltender mit der OP, da es häufig zu Rezidiven kommt, das heißt die Entzündung tritt erneut auf. Eine Colitis ulcerosa lässt sich durch die chirurgische Entfernung des Dick- und Mastdarms (Proktokolektomie) heilen. Im Anschluss an die Operation ist zunächst ein künstlicher Darmausgang erforderlich, der nach Abheilen der Operationswunden jedoch häufig wieder entfernt werden kann.

Prognose: Wie ist die Prognose von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen verlaufen in Schüben, die je nach Schwere der Erkrankung in unterschiedlichen Abständen und unterschiedlich starkem Ausmaß auftreten können. Morbus Crohn ist nicht heilbar, wohl aber lassen sich die Schübe mit Medikamenten in der Regel gut in den Griff bekommen und weitere Schübe hinauszögern. Die Colitis ulcerosa kann als letzte therapeutische Möglichkeit durch die chirurgische Entfernung des Dick- und Mastdarms (Proktokolektomie) geheilt werden.

Komplikationen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind:

  • Entzündung des Bauchfells (Peritonitis)
  • Darmdurchbruch (Perforation)
  • Darmverschluss (Ileus)
  • Fisteln (Verbindungen zum Beispiel zwischen Darm und Blase)
  • Abszesse (eitrige, entzündliche Abkapselungen)
  • Erhöhtes Darmkrebs-Risiko

Vorbeugung: Wie kann man chronisch entzündlichen Darmerkrankungen vorbeugen?

Da die Ursache von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nicht vollständig geklärt ist, gibt es keine speziellen vorbeugenden Maßnahmen. Allgemein gilt: Man darf alles essen, was man verträgt. Lebensmittel, die Beschwerden auslösen, wie zum Beispiel Milchprodukte, sind ebenso zu vermeiden wie Faktoren, die Schübe auslösen können, beispielsweise Stress, falsche Ernährung, Alkohol, Rauchen oder Ähnliches. Im akuten Schub empfiehlt sich eine ballaststofffreie Kost (kein Obst, Gemüse oder Vollkornprodukte). Unter Umständen ist ein vollständiger Nahrungsverzicht für einen bestimmten Zeitraum notwendig. Raucher erkranken häufiger an Morbus Crohn, jedoch seltener an Colitis ulcerosa.

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Weitere Informationen

Autor: Dr. med. M. Waitz
medproduction GmbH, www.medproduction.de
Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen: Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa, AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/009 (Stand: 09/2011)
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen: Leitlinie: Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn, AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/004 (Stand: 01/2014)