Geschlechtskrankheiten (Sexuell übertragbare Krankheiten)

Kondome, rot
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Ursachen: Was sind die Ursachen von Geschlechtskrankheiten?

Der Begriff Geschlechtskrankheiten bezeichnet alle Krankheiten durch Viren oder Bakterien, die hauptsächlich durch sexuellen Kontakt (genital, anal oder oral) übertragen werden. Sie zählen zu den sexuell übertragbaren Krankheiten (Sexual Transmitted Diseases, STD). Die HIV-Infektion ist die bekannteste sexuell übertragbare Krankheit. Eine Vielzahl von anderen Geschlechtskrankheiten ist zudem weit verbreitet.

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Beschwerden: Wie äußern sich Geschlechtskrankheiten?

Die Symptome von Geschlechtskrankheiten sind sehr unterschiedlich und abhängig von der jeweiligen Krankheit. Die am häufigsten vorkommenden sexuell übertragbaren Krankheiten sind:

HIV/AIDS

Obwohl ungeschützter Geschlechtsverkehr der Hauptübertragungsweg des HI-Virus (HIV) ist, kann man sich auch über Blut und Wundsekret anstecken. Nach der Ansteckung mit HIV treten einige Wochen später Symptome auf, die denen einer Grippe (Influenza) ähneln, begleitet von Lymphknotenschwellungen. Nach etwa zwei bis drei Wochen verschwinden die Anzeichen wieder, anschließend können jahrelang keine Beschwerden vorkommen. In einem zweiten Krankheitsschub treten Erkrankungen der Kategorie B auf: Hauterkrankungen wie Pilzinfektionen an der Genital- oder Mundschleimhaut, Gürtelrose (Herpes zoster), außerdem bakterielle Infektionen sowie Fieber, häufige Durchfälle (Diarrhö) und ein allgemeines Schwächegefühl. Den Ausbruch von AIDS kennzeichnen Erkrankungen der Kategorie C. Dazu gehört das Hauptsymptom der AIDS-Erkrankung, das HIV-Kachexie-Syndrom, das zu starkem Gewichtsverlust führt. Außerdem können schwere Herpes-Infektionen und Infektionen der inneren Organe sowie Krebs auftreten. Begleitet werden die Beschwerden von allgemeiner körperlicher Schwäche, häufigen bakteriellen Lungenentzündungen (Pneumonie) und Muskelabbau.

Chlamydien

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Chlamydien sind Bakterien, die über Vaginal-, Anal- oder Oralsex übertragen werden. Chlamydien-Infektionen sind die häufigsten Geschlechtskrankheiten, weil sie oftmals über einen langen Zeitraum unbemerkt bleiben. Die Ansteckung erfolgt über die Schleimhäute – neben dem Gebärmutterhals auch Harnröhre, Enddarm, After, aber auch Rachen und Augen. Die Symptome von Chlamydien-Infektionen sind sehr unterschiedlich; es können gar keine, geringe oder starke Beschwerden auftreten. Gängige Symptome bei der Frau sind Ausfluss, Zwischenblutungen, Schmerzen beim Wasserlassen, während des Geschlechtsverkehrs und im Unterbauch. Auch bei Männern äußert sich die Chlamydien-Infektion durch Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen, gelegentlich auch durch eine Hodenschwellung.

Gonorrhoe (Tripper)

Die Gonorrhoe ist ebenfalls eine bakterielle Erkrankung, die bei Frauen häufig ohne Symptome verläuft. Sie überträgt sich über Vaginal-, Anal- und Oralverkehr. Männer leiden unter schmerzhaftem Wasserlassen, Hodenschwellung und Fieber. Typisches Zeichen für Gonorrhoe ist das „Bonjour-Tröpfchen“: ein eitriger Ausfluss, der sich vor allem morgens an der Eichel bildet. Frauen haben gelegentlich gelb-grünen Ausfluss und Brennen beim Wasserlassen.

Hepatitis B

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Über Vaginal-, Anal- und Oralverkehr sowie über Blut, Wundsekret und Speichel überträgt sich die Virusinfektion Hepatitis B. Einige Wochen bis Monate nach der Infektion entwickelt sich eine Leberentzündung (Hepatitis), begleitet von Gelbsucht (Ikterus) und hohem Fieber. In dieser Zeit ist die Ansteckungsgefahr besonders groß. In den meisten Fällen heilt die Hepatitis B vollständig ab und hinterlässt eine Immunität gegen die Krankheit. Bei etwa einem Zehntel verläuft sie jedoch chronisch und führt zu einer chronischen Leberentzündung.

Herpes genitalis

Herpes genitalis wird durch das weit verbreitete Herpes-Simplex-Virus Typ 2 (HSV 2) verursacht. Das über Vaginal- oder Analverkehr übertragbare Virus verbleibt nach der Infektion lebenslang im Körper. Dabei verharren die Viren in Nervenknoten (Ganglien) in einer Art Ruhezustand, können jedoch immer wieder erneut aktiviert werden und dann Beschwerden wie kleine, schmerzhafte, mit klar-gelblicher Flüssigkeit gefüllten Bläschen an Penis, Scheide und After hervorrufen. Nach etwa ein bis zwei Wochen heilen die Bläschen von alleine wieder ab. Nur in seltenen Fällen bestehen sie länger oder breiten sich noch weiter aus.

Humanes Papilloma Virus (HPV)

Über 100 verschiedene Arten von Papilloma-Viren sind bekannt. Etwa 30 von ihnen können Genitalinfektionen verursachen. Etwa 30 Virenarten bewirken Erkrankungen der Geschlechtsorgane. Die am weitesten verbreitete Erkrankung, die durch Papilloma-Viren ausgelöst wird, sind Feigwarzen, auch Genitalwarzen genannt. Sie verursachen keine oder nur wenig Beschwerden an den Geschlechtsteilen oder am After. Einige Virus-Typen, die High-Risk-Typen (vor allem HPV 16 und 18), können zu Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) führen.

Syphilis (Lues)

Die Ansteckung mit dem Syphilis-Erreger erfolgt hauptsächlich über Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr; eine Infektion über Blutkontakt ist aber auch möglich. Syphilis verläuft häufig, aber nicht zwingend in den drei typischen Stadien: Nach einer Inkubationszeit von etwa drei Wochen tritt ein Geschwür an der Eintrittsstelle des Erregers auf, die Lymphknoten in der Umgebung sind geschwollen. Beides verursacht keine Schmerzen und heilt nach einigen Wochen von allein wieder ab. Das zweite Stadium ist ebenfalls von geschwollenen Lymphknoten gekennzeichnet. Fieber und Hautprobleme wie Ausschlag oder Warzen kommen hinzu. Auch diese Symptome verschwinden nach einigen Wochen wieder. Bis zu 20 Jahre nach der Ansteckung kann es dauern, bis das dritte Stadium der Syphilis ausbricht. Es äußert sich durch schwere Organschäden; auch das Gehirn und Nervensystem sind davon betroffen. Lähmungen, Taubheit, Wahrnehmungsstörungen, Wahnvorstellungen und Demenz sind die Folge. Im fortgeschrittenen Stadium dieser Geschlechtskrankheit sind viele Schäden nicht mehr zu beheben.

Genitale Trichomoniasis

Die genitale Trichomoniasis wird durch den Parasiten Trichomoniasis vaginalis ausgelöst. Sie betrifft Männer und Frauen gleichermaßen und wird über die Schleimhäute beim Oral-, Vaginal- oder Analverkehr übertragen. Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sind häufige Beschwerden, Frauen leiden zudem oft unter einer schmerzhaften Scheidenentzündung mit riechendem, gelblichem Ausfluss. In einigen Fällen treten keine Symptome auf.

Diagnose: Wie werden Geschlechtskrankheiten diagnostiziert?

Der Nachweis von Viren, Bakterien oder Parasiten, die Geschlechtskrankheiten verursachen, erfolgt in der Regel über Körpersekrete. Dafür eignen sich vor allem:

Behandlung: Wie können Geschlechtskrankheiten behandelt werden?

Wird mit der Therapie von Geschlechtskrankheiten in einem frühen Stadium begonnen, ist die Aussicht auf einen Behandlungserfolg besonders groß. Die Behandlung richtet sich nach dem Erreger: Gegen manche Viruserkrankungen helfen sogenannte Virustatika, bei bakteriellen Geschlechtskrankheiten werden häufig Antibiotika verordnet. Nicht alle Erkrankungen sind jedoch heilbar.

  • Der Verlauf der nicht heilbaren HIV-Infektion lässt sich mit verschiedenen sogenannten antiretroviralen Medikamenten günstig beeinflussen und hinauszögern.
  • Hepatitis B wird ebenfalls mit einer Reihe von Medikamenten (Virustatika und Interferone), die die Beschwerden lindern und zu einem milderen Verlauf führen, behandelt.
  • Mit virushemmenden Salben lassen sich die Beschwerden bei Herpes genitalis lindern und die schmerzhaften Bläschen heilen schneller ab.
  • Die durch Humane Papilloma-Viren verursachten Genitalwarzen lassen sich auf verschiedene Weise chirurgisch abtragen (Kryotherapie, Elektrochirurgie, Lasertherapie) sowie mit verschiedenen Medikamenten und lokalen Salben (Trichloressigsäure, Imiquimod, Podophyllotoxin, Interferon) behandeln. Vor Gewebsveränderungen des Gebärmutterhalses durch bestimmte Virustypen (HPV 16, 18 sowie 6 und 11) schützt eine vorbeugende Impfung.
  • Die Erreger der genitalen Trichomoniasis, Trichomoniasis vaginalis, können mit Antibiotika (Nitroimidazolen) bis zur vollständigen Ausheilung behandelt werden.
  • Antibiotika kommen auch bei der Therapie von Chlamydien-Infektionen und Gonorrhoe (Tripper) zum Einsatz.
  • Die Infektion mit dem Syphilis-Erreger lässt sich im ersten und zweiten Stadium der Krankheit meist vollständig mit dem Antibiotikum Penizillin heilen. Später verhindert Penizillin das weitere Fortschreiten der Krankheit.

Prognose: Wie ist die Prognose von Geschlechtskrankheiten?

Eine unbemerkte Chlamydien-Infektion oder eine Gonorrhoe kann auf Dauer zu Unfruchtbarkeit führen. Kommt es während der Schwangerschaft zu einem Ausbruch, besteht die Gefahr von Früh- oder Fehlgeburten. Der chronische Verlauf der Hepatitis B kann zu einer Leberzirrhose führen und das Risiko, an Leberkrebs zu erkranken, erhöhen. Medikamentös lässt sich der Verlauf der HIV-Infektion zwar günstig beeinflussen; eine Heilung ist bislang allerdings nicht möglich.

Wird eine Syphilis-Infektion nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, sind schwere Schäden an Organen, Gehirn und Nervensystem die Folge. Noch im ersten und zweiten Stadium ist Syphilis normalerweise vollständig heilbar; später kommt es zu irreparablen Schäden. Die Erkrankung kann sich bereits im Mutterleib auf den Embryo übertragen und zu schweren Schäden beim Kind bis hin zu Fehlgeburten führen.

Vorbeugung: Wie kann man Geschlechtskrankheiten vorbeugen?

Die sicherste Vorbeugung gegen Geschlechtskrankheiten ist Safer Sex: die Verhütung mit einem Kondom. Jedoch ist es auch möglich, sich trotz Benutzung eines Kondoms (selten) oder bei anderen Sexualpraktiken anzustecken (hohes Risiko). Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es demnach nicht. Je häufiger die Sexualpartner gewechselt werden, desto größer ist das generelle Risiko, an Geschlechtskrankheiten zu erkranken.

Gegen Hepatitis B gibt es eine Schutzimpfung, die auch in Kombination mit einer Impfung gegen Hepatitis A verabreicht werden kann. Um dem Ausbruch von Herpes genitalis vorzubeugen, empfiehlt es sich, Stress, Infektionen, direkte Sonneneinstrahlung und Kälte zu meiden. Generell fördert alles, was das Immunsystem schwächt, einen erneuten Ausbruch der Bläschen.

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Autor: Karin Wunder, Dr. med. M. Waitz
medproduction GmbH, www.medproduction.de
Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Deutsches Krebsforschungszentrum: HPV-Impfung: Schutz vor Gebärmutterhalskrebs? www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 10/2017)
Frauenärzte im Netz: www.frauenaerzte-im-netz.de (Abruf: 10/2017)
Leitlinien der Deutschen STD-Gesellschaft: Diagnostik und Therapie der Syphilis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 059/002
(Stand: 07/2014)
Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Heidelberg 2012
Pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. Bundesverband: www.profamilia.de (Abruf: 10/2017)
Robert Koch-Institut: www.rki.de (Abruf: 10/2017)