Hirntumoren

MRT des Gehirns
© Kai Stachowiak / pixabay.de

Ursachen: Was sind die Ursachen von Hirntumoren?

Hirntumoren sind Tumorerkrankungen des Gehirns. Die Geschwulste können gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Sie entstehen entweder im Gehirngewebe, den Gehirnhäuten oder sind Tochtergeschwülste (Metastasen) von Tumoren in anderen Körperregionen, die sich im Gehirn angesiedelt haben. Es werden viele verschiedene Arten von Hirntumoren unterschieden – je nachdem, welche Zellen sich zu einem Hirntumor entwickeln. Häufige Hirntumoren sind zum Beispiel:

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  • Gliome
  • Medulloblastome
  • Meningeome
  • Neurinome
  • Lymphome
  • Hypophysenadenome
  • Hirnmetastasen

Tumoren bei Krebserkrankungen bestehen aus Zellen, deren Erbgut verändert (mutiert) ist. Mutationen können verschiedenste Ursachen haben, doch sind die jeweiligen Auslöser eines Hirntumors im Einzelfall fast immer unbekannt. Krebszellen teilen sich ungehemmt und zerstören damit umliegendes Gewebe. Generelle Risikofaktoren für Krebserkrankungen sind eine ungesunde Lebensweise, Rauchen sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch. Bei Hirntumoren besteht jedoch kein eindeutig nachgewiesener Zusammenhang zwischen der Lebensweise und einer Erkrankung.

Immer wieder diskutieren Forscher auch die Frage, ob häufiges mobiles Telefonieren Hirntumoren verursachen kann. Zwar gibt es bislang keine eindeutigen Nachweise hierfür; Wissenschaftler schließen jedoch auch nicht aus, dass sich durch tägliche, stundenlange Handynutzung das Risiko für Hirntumoren erhöht.

Beschwerden: Wie äußern sich Hirntumoren?

Die Symptome von Hirntumoren sind vielfältig und treten in Kombination oder einzeln auf. Etwa die Hälfte der Tumoren äußert sich durch Kopfschmerzen. Kopfschmerzen sind jedoch ein recht unspezifisches Symptom, in vielen Fällen sind die Ursachen harmlos. Bei einem Hirntumor treten die Kopfschmerzen typischerweise nachts, beziehungsweise in den frühen Morgenstunden auf und nehmen dann häufig im Laufe des Tages wieder ab. Auch kommt es bei Hirntumoren oftmals zu Übelkeit, Schwindel und einem Druckgefühl im Kopf.

Epileptische Anfälle sind ein weiteres mögliches Anzeichen für Hirntumoren, insbesondere wenn sie vorher noch nie aufgetreten sind. Neurologische Probleme wie Lähmungen, Sprach- und Koordinationsstörungen können neben Wesensveränderungen, insbesondere Gedächtnisschwäche, Reizbarkeit und schneller Ermüdung, ebenfalls Symptome von Hirntumoren sein. Bei derartigen Beschwerden sollte umgehend ein Neurologe (Nervenarzt) aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären.

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Diagnose: Wie werden Hirntumoren diagnostiziert?

Nach einem Gespräch über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) folgt eine körperliche Untersuchung. Besteht weiterhin der Verdacht auf einen Hirntumor, lassen sich mit Hilfe von bildgebenden Verfahren Abbildungen des Gehirns erstellen: Bei der Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) werden dreidimensionale Aufnahmen des Gehirns angefertigt. Aufgrund ihrer hohen Sensibilität eignet sich die MRT vor allem für die Früherkennung von Hirntumoren. Die Computertomografie (CT) liefert ebenfalls ein dreidimensionales Bild des Gehirns. Die Strahlenbelastung ist bei der Computertomografie jedoch höher als beim herkömmlichen Röntgenbild. Weitere Verfahren zur Diagnose von Hirntumoren sind die Untersuchung auf Veränderungen im Blut und in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Hirnwasser-Untersuchung).

Hat der Arzt einen Hirntumor festgestellt, empfiehlt es sich in manchen Fällen, vor der Behandlung eine Gewebeprobe zu entnehmen (Biopsie). Damit lässt sich die Art des Tumors und der Grad der Gut- oder Bösartigkeit genauer bestimmen. Für einige Hirntumoren eignet sich diese Methode nicht, da bei einer Gewebeentnahme das Risiko einer Gehirnverletzung besteht. Dies ist der Fall, wenn der Tumor in einem unzugänglichen Gebiet des Gehirns liegt oder starke Verästelungen in gesunde Bereiche vorliegen.

In den vergangenen Jahren hat auch die sogenannte Positronen-Emissions-Tomografie (PET) für die Diagnostik von Gehirntumoren an Bedeutung gewonnen. Dieses bildgebende Verfahren liefert unter anderem Aussagen über die Stoffwechselaktivität von Zellen. Da Krebszellen einen besonders aktiven Stoffwechsel aufweisen, können Ärzte mithilfe der PET wichtige Informationen gewinnen, wenn der Verdacht einer Krebserkrankung besteht. Allerdings zählt die PET noch nicht zu den Standardverfahren zur Hirntumor-Diagnose und ist bislang in der Regel nur an spezialisierten Zentren verfügbar.

Behandlung: Wie können Gehirntumoren behandelt werden?

Die Behandlung von Hirntumoren hängt von Art, Lage und Größe ab. Grundsätzlich bestehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die häufig miteinander kombiniert werden.

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Operative Verfahren

Die operative Entfernung von Hirntumoren gehört mittlerweile zur Standard-Therapie. Neurochirurgen nutzen dazu verschiedene moderne Verfahren, die von der Mikroneurochirurgie bis hin zur offenen Operation am Gehirn reichen. Insgesamt sind Eingriffe am Gehirn dank moderner Operationsverfahren heute deutlich risikoärmer als noch vor 20 Jahren. Lassen Größe und Lage des Hirntumors es zu, entfernt der Chirurg die Geschwulst vollständig, ohne das umliegende Gewebe zu schädigen. Allerdings ist dies nicht immer möglich, zum Beispiel, weil der Tumor für eine Operation ungünstig liegt oder verästelt in das gesunde Hirngewebe eingewachsen ist. Daher kombinieren Neurochirurgen häufig verschiedene Therapieverfahren miteinander, etwa Operation und Strahlenbehandlung. Nicht in jedem Fall ist eine Operation bei einem Hirntumor sinnvoll, zum Beispiel, wenn die Geschwulst an einer sehr kritischen Stelle des Gehirns wächst.

Strahlenbehandlung

Für die Bestrahlung von Hirntumoren mit Röntgenstrahlung ist kein operativer Eingriff nötig. Sie erfolgt von außen häufig mittels Linearbeschleunigern, welche die Strahlung in einer vorher festgelegten Dosis an die Stelle des Tumors transportieren. Außerdem stehen für bestimmte Fälle spezielle Strahlentechniken zu Verfügung, dazu zählen zum Beispiel:

  • Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT): Die Strahlendosis lässt sich sehr genau anpassen. Das kann z.B. erforderlich sein, wenn der Hirntumor sehr nah an einer empfindlichen Struktur, wie dem Sehnerv, liegt.
  • Intensitätsmodulierte Pendelbestrahlung (IMAT): Durch diese Technik lässt sich die Bestrahlungszeit verkürzen.
  • Tomotherapie: Dabei handelt es sich um eine Sonderform der IMRT. Die Bestrahlung erfolgt hierbei schichtweise.
  • Gamma-Knife: Das Verfahren ist sehr präzise und bringt hohe Strahlendosen direkt ins Tumorgebiet.
  • Cyber-Knife: Hierbei ist ein Linearbeschleuniger an einem beweglichen Roboterarm angebracht. Dadurch lässt sich die Bestrahlung aus allen erforderlichen Richtungen vornehmen.

Während die Bestrahlung der genannten Verfahren alle von außen erfolgen, ermöglicht die interstitielle Radiochirurgie eine Bestrahlung von innen. Ärzte bringen dazu die Strahlenquelle, winzige radioaktive Metallteilchen, in die Nähe des Hirntumors.

Die Strahlen selbst sind nicht spürbar und verursachen daher auch keine Schmerzen. Das Ziel der Strahlenbehandlung ist es, die schnell wachsenden Tumorzellen gezielt zu zerstören und gleichzeitig das gesunde Gehirngewebe zu schonen. Dennoch können während und nach der Behandlung mit Strahlen Nebenwirkungen auftreten. Diese äußern sich sehr unterschiedlich und reichen von Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und allgemeinem Schwächegefühl bis hin zum Haarausfall (Alopezie) in der bestrahlten Region. Nach Ende der Behandlung wachsen die Haare jedoch wieder nach.

Chemotherapie

Zur Behandlung einiger bösartiger Hirntumoren ist eine Chemotherapie sinnvoll. Hierbei werden Medikamente verabreicht, die die Krebszellen zerstören. Die Chemotherapie ist zeitlich begrenzt und wird bei Hirntumoren meist vorbeugend gegen ein Wiederauftreten des Tumors eingesetzt.

Prognose: Wie ist die Prognose von Hirntumoren?

Die Heilungschancen von Hirntumoren sind sehr unterschiedlich und abhängig von Art, Größe und Lage. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt Hirntumoren in vier Schweregrade ein:

  • WHO-Grad I: gutartig
  • WHO-Grad II: noch gutartig
  • WHO-Grad III: bereits bösartig
  • WHO-Grad IV: bösartig

Es empfiehlt sich eine gründliche Nachsorge mit viertel- bis halbjährlichen Untersuchungen. Je früher neuerliche Anzeichen für einen Hirntumor entdeckt werden, desto besser ist die Prognose.

Vorbeugung: Wie kann man Hirntumoren vorbeugen?

Da die Ursachen von Hirntumoren nicht eindeutig geklärt sind, gibt es keine generelle Vorbeugungsempfehlung. Es empfiehlt sich aber generell eine gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichender Bewegung an der frischen Luft und der Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkoholgenuss.

Weitere Informationen

Web-Tipps:
Deutsche Hirntumorhilfe e.V.: www.hirntumorhilfe.de
Buch-Tipps:
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Autor: Karin Wunder, Pascale Huber
medproduction GmbH, www.medproduction.de
Datum der letzten Aktualisierung: Dezember 2017
Quellen:
American Cancer Society: www.cancer.org (Abruf: 12/2017)
Böcker, W. et al.: Repetitorium Pathologie. Urban & Fischer, München 2012
Deutsche Krebshilfe: Gehirntumoren. www.krebshilfe.de (Abruf: 12/2017)
Frank, U.G.: Neurologie und Psychiatrie. Urban & Fischer, München 2012
Hinkelthein, E., Zalpour, Ch.: Diagnose- und Therapiekonzepte in der Osteopathie. Springer, Heidelberg 2011
Leitlinien der Gesellschaft für Neuropädiatrie et al.: Leitsymptome und Diagnostik bei Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 025/022 (Stand: 09/2016)
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Gliome. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/099 (Stand: 03/2014)