Hodenentzündung (Orchitis)

Statue, David, nackter Mann
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Ursachen: Was sind die Ursachen einer Hodenentzündung?

Bei einer Hodenentzündung (Orchitis) liegt eine Infektion eines oder beider Hoden vor. Die Entzündung wird in den meisten Fällen durch Viren, seltener durch Bakterien, ausgelöst und kann akut oder chronisch verlaufen. Eine Hodenentzündung tritt häufig als Komplikation anderer Krankheiten auf, wenn Keime über die Blutbahn oder von den benachbarten Strukturen auf den Hoden übergreifen. Auslöser einer akuten Hodenentzündung sind fast immer Viren, am häufigsten Mumps-Viren. Jeder dritte Erwachsene, der an Mumps erkrankt, erleidet als Komplikation eine Hodenentzündung. Auch Herpes-Viren, Grippe-Viren (Influenza-Viren) oder Windpocken-Viren (Varicella-Zoster-Virus) können eine Hodenentzündung verursachen.

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In seltenen Fällen sind Bakterien Ursache einer Hodenentzündung. Sie werden meist von den Nebenhoden oder von der Harnröhre in den Hoden verschleppt, häufig handelt es sich dabei um sexuell übertragbare Keime. Typisch sind Gonokokken, die Erreger der Geschlechtskrankheit Gonorrhoe (Tripper). Bei Kindern kommen außerdem Pneumokokken und Salmonellen als bakterielle Ursache einer Hodenentzündung in Betracht. Auch eine Gewalteinwirkung auf den Hoden (zum Beispiel ein Tritt) kann eine Orchitis verursachen. Chronische Hodenentzündungen sind in Mitteleuropa selten und werden meist durch Erkrankungen wie Lepra, Syphilis und Tuberkulose (Schwindsucht) ausgelöst.

Beschwerden: Wie äußert sich eine Hodenentzündung?

Da die Hodenentzündung häufig im Rahmen einer anderen Grunderkrankung auftritt, beginnen die Beschwerden meist einige Tage nach deren Ausbruch. Typisch sind plötzlich einsetzende Schmerzen, die bis in die Leisten- und Rückenregion ausstrahlen sowie geschwollene Hoden. Der betroffene Hoden ist stark gerötet und überwärmt. Der Hodensack kann vergrößert und stark berührungsempfindlich sein. Oftmals geht eine Hodenentzündung mit hohem Fieber und einer erschwerten Blasenentleerung (Dysurie) einher. Gelegentlich sind die benachbarten Nebenhoden mit betroffen (Nebenhodenentzündung). Wenn keine Komplikationen auftreten, klingen die Beschwerden der Hodenentzündung nach etwa einer Woche ab.

Diagnose: Wie wird eine Hodenentzündung diagnostiziert?

Typische Symptome wie ein harter, schmerzhafter, geschwollener Hoden lenken den Verdacht auf eine Hodenentzündung. Dies ist insbesondere der Fall, wenn gleichzeitig eine andere Infektion (wie Mumps) vorliegt. Um Komplikationen zu vermeiden, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dieser wird den Hoden gründlich untersuchen und eine Blut-Untersuchung sowie eine Urin-Untersuchung veranlassen. Eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) kann sinnvoll sein, um andere Hodenerkrankungen wie eine Hodentorsion oder Hodentumoren (Hodenkrebs) als Ursache der Beschwerden auszuschließen. Bei wiederkehrenden oder chronischen Hodenentzündungen wird außerdem das Ejakulat untersucht.

Behandlung: Wie kann eine Hodenentzündung behandelt werden?

Die Therapie der Hodenentzündung hängt von ihrer Ursache ab. Bei virusbedingten Hodenentzündungen reichen Schonung, Hochlagerung und Kühlung des Hodens sowie gegebenenfalls Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente aus. Sind Bakterien die Ursache der Hodenentzündung, so werden Antibiotika verabreicht. Bei Komplikationen, wie Abszessen („Eiterknoten“), sind unter Umständen chirurgische Eingriffe notwendig.

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Prognose: Wie ist die Prognose einer Hodenentzündung?

Kinder mit einer Hodenentzündung haben eine bessere Prognose als Erwachsene. Die Symptome verschwinden in der Regel nach etwa einer Woche. Die Hoden können in ihrer Funktion aber noch länger beeinträchtigt sein. Bis die Spermienzahl des betroffenen Hodens wieder den Normalwert erreicht, können mehrere Monate vergehen. Auch die Qualität der Spermien kann sich infolge einer Hodenentzündung vermindern.

Bei etwa der Hälfte aller Hodenentzündungen geht Hodengewebe zugrunde und ein Teil des Hodens verliert seine Funktion. Bei einer beidseitigen Hodenentzündung kann es dadurch zu Einschränkungen der Fruchtbarkeit kommen. Eine seltene, aber gefürchtete Komplikation der Hodenentzündung ist die komplette Unfruchtbarkeit (Sterilität).

Vorbeugung: Wie kann man einer Hodenentzündung vorbeugen?

Eine Orchitis als Folge einer Mumpsinfektion lässt sich durch eine entsprechende Impfung gegen Mumps im Kindesalter verhindern. Da bakterielle Hodenentzündungen häufig durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, empfiehlt sich die Benutzung von Kondomen. Grundsätzlich ist es wichtig, bei ersten Beschwerden wie Hodenschmerzen, Hodenschwellung oder Hodenüberwärmung den Arzt aufzusuchen und durch eine frühzeitige Behandlung Komplikationen zu verhindern.

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Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Haag, P. et al.: Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis. 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
Hautmann, H.: Urologie. Springer Verlag, Heidelberg 2014
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie: Akutes Skrotum. (Stand: 08/2015)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017