Menière-Krankheit

Schwindel, Bäume
© kai Stachowiak /pixabay.de

Ursachen: Was sind die Ursachen der Menière-Krankheit?

Die Menière-Krankheit (Morbus Menière) ist eine Erkrankung des Innenohrs, die durch drei typische Symptome gekennzeichnet ist:

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  • Schwindelattacken in Form von Drehschwindel, der mehrere Stunden anhalten kann
  • Tinnitus (Ohrgeräusche, Ohrensausen), meist einseitig
  • Schwerhörigkeit, die nach einer Attacke zurückgeht, aber auch bestehen bleiben kann

Ursache der Menière-Krankheit ist eine gesteigerte Menge an Endolymphe, einer Flüssigkeit in der Hörschnecke im Innenohr. Entweder wird zu viel Endolymphe gebildet oder es gibt Probleme beim Abfließen. Der Ductus cochlearis (Hörschneckengang), in dem sich die Endolymphe befindet, schwillt an und es kommt zu einer Verschiebung verschiedener Membranen, die für das Hörempfinden wichtig sind. Man vermutet, dass so Schwerhörigkeit und Tinnitus ausgelöst werden.

Ist der Innendruck im Hörschneckengang zu hoch, kann es zu einem Riss kommen, sodass sich die Endolymphe mit ihrer „Nachbarflüssigkeit“, der Perilymphe, vermischt. Eine gängige These lautet, dass dies die Ursache für die heftigen Schwindelattacken bei der Menière-Krankheit ist.

Wie es bei der Menière-Krankheit zu der Überproduktion bzw. dem mangelnden Abfluss der Endolymphe kommt, ist nicht eindeutig geklärt. Weil gelegentlich mehrere Fälle von Morbus Menière in einer Familie auftreten, wird angenommen, dass es eine erbliche Disposition gibt. Selten kommt auch eine vorangegangene Schädigung des Innenohrs als Auslöser infrage.

Beschwerden: Wie äußert sich die Menière-Krankheit?

Typisch für die Menière-Krankheit ist die Symptom-Trias Drehschwindel, Ohrgeräusche und Hörstörungen („Menièr‘sche Trias“). Erst wenn alle drei Symptome zugleich auftreten, kann sicher von einem Morbus Menière gesprochen werden.

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Bei den Schwindelanfällen handelt es sich um einen akuten und heftigen Drehschwindel, der 20 Minuten bis mehrere Stunden andauern kann. Die Schwindelattacken können zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten. Häufig gehen sie mit Übelkeit und Erbrechen einher, begleitet von Blässe und kaltem Schweiß.

Ein weiteres wichtiges Symptom der Menière-Krankheit ist die meist einseitige Schwerhörigkeit, die sich während eines Anfalls einstellt. Sie bezieht sich vor allem auf tiefe Tonfrequenzen und wird begleitet von einem Tinnitus, der im tieffrequenten Bereich angesiedelt ist. Meist wird er als Rauschen oder Sausen wahrgenommen. Im weiteren Verlauf der Menière-Krankheit kann sich auch ein höheres Pfeifen einstellen. Auch Druckgefühle auf dem Ohr sind möglich.

Nach einem Menière-Anfall erholt sich der Betroffene von den Schwindelgefühlen und die Beschwerden bessern sich über mehrere Minuten oder Stunden wieder. Geräusche können wieder normal wahrgenommen werden und der Tinnitus kann abklingen. In vielen Fällen jedoch – vor allem, wenn die Menière-Attacken schon mehrfach aufgetreten sind – bleibt ein Ohrensausen zurück und das Gehör erholt sich nur teilweise. Es kommt zu einer schwankenden (fluktuierenden) Schwerhörigkeit.

Bei chronischen Verläufen der Menière-Krankheit wird von etwa einem Drittel der Betroffenen eine sogenannte Aura beschrieben – das heißt, eine Schwindelattacke kündigt sich bereits durch ein Druckempfinden auf dem Ohr oder einen verstärkten Tinnitus an. Meist sind Menière-Attacken allerdings nicht vorhersehbar.

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Diagnose: Wie wird die Menière-Krankheit diagnostiziert?

Der Diagnose der Menière-Krankheit geht ein Gespräch mit dem Arzt voraus, im dem die Symptome und ihr Auftreten genau beschrieben werden. Erster Ansprechpartner ist meist der Hausarzt. Besteht der Verdacht auf die Menière-Krankheit oder eine andere Erkrankung im Ohrenbereich, ist es ratsam, sich zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt überweisen zu lassen.

Nach dem ausführlichen Gespräch (Anamnese) untersucht der Arzt zunächst mit einem Otoskop die Ohren auf Auffälligkeiten. Wenn eine Entzündung oder ein Trauma Auslöser eines Menière-Anfalls war, kann er so Anzeichen dafür entdecken; in den meisten Fällen aber sieht der äußere Gehörgang normal aus.

Um zu überprüfen, ob und in welcher Ausprägung eine Schwerhörigkeit vorliegt, führt der Arzt eine Hörprüfung (Audiogramm) durch. Dabei hört der Patient verschiedene Töne über Kopfhörer oder Lautsprecher und gibt an, welche Töne er wahrnehmen kann und welche nicht. Bei der Menière-Krankheit zeigt sich beim betroffenen Ohr meist ein Hörverlust in den tieferen Frequenzen. Ist die Erkrankung schon fortgeschritten, können in allen Tonlagen Hörstörungen bestehen.

Ratsam bei Verdacht auf die Menière-Krankheit ist eine Prüfung des Gleichgewichtsorgans durch eine Elektrookulografie (EOG) oder Videookulografie (VOG). Mithilfe von Elektroden, die im Bereich der Augen aufgeklebt werden, bzw. einer Videoaufzeichnung misst der Arzt ganz genau die Augenbewegungen unter verschiedenen Bedingungen. So kann er mit einem EOG oder VOG Rückschlüsse auf die Funktion des Gleichgewichtsorgans ziehen, welches bei der Menière-Krankheit verschiedene Auffälligkeiten zeigen kann.

Beim Verdacht auf die Menière-Krankheit ist zudem eine Elektrocochleografie (ECochG) empfehlenswert. Bei dieser Untersuchung wird eine sehr kleine Nadel mit einer Elektrode durch das Trommelfell ans Innenohr geführt, um bestimmte elektrische Signale der Nervenzellen aufzufangen. Der Arzt kann anhand der gemessenen elektrischen Potenziale erkennen, ob typische Werte für Morbus Menière vorliegen.

Im Einzelfall können auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) eingesetzt werden, um andere Ursachen als die Menière-Krankheit, wie zum Beispiel eine Perilymphfistel, auszuschließen.

Behandlung: Wie kann die Menière-Krankheit behandelt werden?

Die Behandlung der Menière-Krankheit erfolgt in erster Linie symptomatisch. Das bedeutet, es ist nicht möglich, die Krankheit ursächlich zu behandeln oder zu heilen, aber das Schwindelgefühl und der Tinnitus können gemindert werden. Zudem gibt es Medikamente und Eingriffe, mit denen weiteren Menière-Anfällen vorgebeugt werden kann.

Während eines Menière-Anfalls lindern folgende Maßnahmen die Symptome:

  • Bettruhe
  • Antivertiginosa (Medikamente gegen Schwindel)
  • Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen)
  • Nach starkem Erbrechen eventuell Infusionen gegen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust

Für den Betroffenen ist es empfehlenswert, Medikamente gegen Schwindel und Erbrechen für den Fall einer Menière-Attacke bei sich zu tragen.

Zudem gibt es bei häufigen Menière-Anfällen verschiedene Möglichkeiten, den Attacken vorzubeugen. Als erste Maßnahme empfiehlt sich eine Intervallbehandlung mit Medikamenten. Dazu werden über einen festgelegten Zeitraum Wirkstoffe wie Betahistin oder Cinnarizin eingesetzt, die gesunde Abläufe im Innenohr unterstützen sollen. Gesicherte Beweise für eine vorbeugende Wirkung bei der Menière-Krankheit liegen allerdings nicht vor.

Wenn die medikamentöse Therapie nicht anschlägt, können Ärzte zur Behandlung von Morbus Menière eine sogenannte Sakkotomie durchführen. Bei diesem chirurgischen Eingriff soll durch eine kleine Bohrung der Endolymph-Überdruck beseitigt und das Innenohr entlastet werden. Die Operation wird jedoch nur noch selten angewandt, da keine überzeugenden Zahlen zum Therapieerfolg vorliegen.

Leidet der Betroffene trotz vorangegangener Therapieversuche unter starken Menière-Anfällen, gibt es noch eine Möglichkeit, den Schwindel zu stoppen: Die Zerstörung des Gleichgewichtsorgans im betroffenen Ohr (Labyrinthausschaltung). Dies geschieht meist durch ein Antibiotikum (Gentamycin), welches über ein Paukenröhrchen durch das Trommelfell ins Ohr geleitet wird. Diese Behandlung zerstört allerdings nicht nur das Gleichgewichtsorgan, sondern auch die Haarzellen, die für das Hören zuständig sind. In der Regel verliert der Patient sein Gehör. Die Labyrinthausschaltung ist also nur dann ratsam, wenn durch die Menière-Krankheit die Hörfähigkeit bereits stark geschädigt ist.

Selbiges gilt für eine operative Durchtrennung des Gleichgewichtsnervs. Dieser Eingriff kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden, ist jedoch nur dann eine Option, wenn alle anderen Therapiemaßnahmen bereits fehlgeschlagen sind.

Prognose: Wie ist die Prognose der Menière-Krankheit?

Die Prognose der Menière-Krankheit ist nicht genau vorhersagbar. In einigen Fällen treten nur einzelne Anfälle auf und die Krankheit bildet sich wieder zurück. Meist nimmt die Menière-Krankheit allerdings einen chronischen Verlauf. Bei einigen Patienten liegen Monate oder Jahre zwischen den einzelnen Attacken, andere haben mehrmals in der Woche mit Drehschwindel und Tinnitus zu kämpfen. Typisch sind auch Verläufe, bei denen sich symptomfreie Phasen mit mehreren Menière-Anfällen in kurzer Zeit abwechseln.

Tendenziell gehen bei den meisten Menschen mit Morbus Menière die Schwindelattacken langfristig zurück. Dabei hinterlassen sie eine stärker werdende Schwerhörigkeit, die manchmal zur Taubheit des betroffenen Ohrs führen kann. Auch das Gleichgewichtsorgan bleibt geschädigt und der Tinnitus kann dauerhaft bestehen bleiben.

Viele Betroffene empfinden die Menière-Krankheit als sehr belastend, da die Anfälle nicht vorhersehbar sind und der Verlauf unsicher. Für einige ist es hilfreich, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Das kann dabei helfen, mit der Erkrankung und der Angst vor plötzlichen Schwindelanfällen umzugehen. Auch Krankengymnastik mit einem Schwerpunkt auf Schwindeltraining ist für manche Betroffene sinnvoll, um im Alltag physische und psychische Sicherheit zu erlangen.

Vorbeugung: Wie kann man der Menière-Krankheit vorbeugen?

Da die genaue Ursache der Menière-Krankheit nicht bekannt ist, lässt sich ihr nur schwer vorbeugen. Lediglich bei bereits bestehender Krankheit gibt es verschiedene Methoden, weiteren Anfällen vorzubeugen oder die Abstände zu vergrößern. So werden bei Morbus Menière der Verzicht auf Nikotin und Alkohol, eine Ernährung mit wenig Salz und eventuell die Einnahme von Entwässerungsmitteln (Diuretika) empfohlen. Der Erfolg dieser Methoden ist bei der Menière-Krankheit allerdings individuell sehr unterschiedlich.

Weitere Informationen

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Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
IN-TI Institut für Tinnitus Diagnostik und Therapie GmbH: Stationäre Operationen beim Morbus Menière. www.tinnitus-kur.de (Abruf: 10/2017)
Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Neurologie: Schwindel – Diagnostik. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/017 (Stand: 01/2015)
Lenarz, T.; Boenninghaus, H.-G.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
Schaaf, H.: Morbus Menière. Ein psychosomatisch orientierter Leitfaden. Springer, Berlin/Heidelberg 2012