Morbus Pompe (Glykogenose Typ II, Pompe’sche Krankheit)

DNA-Strang des Menschen
© PublicDomainPictures / pixabay.de

Ursachen: Was sind die Ursachen von Morbus Pompe?

Morbus Pompe ist eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung, bei der das Enzym Alpha-Glukosidase defekt oder in seiner Funktion stark eingeschränkt ist. Das Enzym Alpha-Glukosidase, auch als saure Maltase bekannt, baut in speziellen Bläschen, den sogenannten Lysosomen, Stärke (Glykogen) zu Zucker (Glukose) ab. Durch den Enzymdefekt reichert sich bei Menschen mit Morbus Pompe das Glykogen in den Lysosomen von Herz– und Skelettmuskelzellen, Leberzellen und den Lymphozyten – einer Unterform der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) – an. Mit fortschreitender Erkrankung wird immer mehr Glykogen gespeichert, was die Organe schädigt.

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Da bei Morbus Pompe ein Enzym betroffen ist, das normalerweise in den Lysosomen für den Abbau einer Zucker-Speicherform sorgt, zählen Ärzte diese Krankheit zu den lysosomalen Speicherkrankheiten. Andere lysosomale Speicherkrankheiten sind Morbus Fabry, Morbus Gaucher und Morbus Hunter. Morbus Pompe tritt in Mitteleuropa bei einem von 100.000 Neugeborenen auf, weltweit liegt die Anzahl der Neuerkrankungen bei 1:40.000 bis 1:200.000. Damit zählt Morbus Pompe zu den seltenen Erkrankungen. Das Gen, das den Bauplan für die Alpha-Glukosidase liefert, befindet sich auf Chromosom 17, einem sogenannten Autosom. Damit es zur Erkrankung kommt, müssen sowohl die von der Mutter als auch die vom Vater vererbte Kopie des Alpha-Glukosidase-Gens defekt sein. Man nennt den Erbgang von Morbus Pompe daher autosomal-rezessiv.

Beschwerden: Wie äußert sich Morbus Pompe?

Man unterscheidet bei Morbus Pompe drei Schweregrade. Die frühkindliche (infantile) Form von Morbus Pompe tritt bereits kurz nach der Geburt auf. Typische Symptome sind eine ausgeprägte Muskelschwäche (Myopathie) und eine geringe Muskelspannung (Muskelhypotonie), auffallende Bewegungsarmut, Atemstörungen, eine Vergrößerung des Herzens und Herzschwäche (Herzinsuffizienz), eine Vergrößerung der Zunge und der Leber, sowie ein schlechter Ernährungszustand aufgrund von Trinkschwäche oder Schluckstörungen.

Bei der spätkindlichen (juvenilen) Form von Morbus Pompe tritt in der frühen Kindheit eine fortschreitende Muskelschwäche mit Gangstörungen auf. Eine Schwäche der Atemmuskulatur kann zu Atemproblemen und Atemwegsinfekten führen. Selten ist auch bei dieser Morbus-Pompe-Form das Herz beteiligt.

Bei der erwachsenen (adulten) Form von Morbus Pompe kommt es erst im Erwachsenenalter zu Symptomen. Hierzu gehören eine Muskelschwäche des Beckengürtels, der Wirbelsäulen-Muskulatur und der Atemmuskulatur, insbesondere des Zwerchfells. Das Herz ist bei der erwachsenen Form von Morbus Pompe nicht geschädigt.

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Diagnose: Wie wird Morbus Pompe diagnostiziert?

Wie bei allen seltenen Erkrankungen, ist es auch bei Morbus Pompe wichtig, dass der behandelnde Arzt überhaupt diese Krankheit bei einer Diagnose in Erwägung zieht. Eine Blutprobe reicht aus, um die darin enthaltenen weißen Blutkörperchen auf den Alpha-Glukosidase-Enzymdefekt sowie einen ungewöhnlich hohen Glykogen-Gehalt zu untersuchen.

Außerdem kann der Arzt zur Morbus-Pompe-Diagnose eine Gewebeprobe aus dem Muskel entnehmen, die sich ebenfalls auf die Alpha-Glukosidase-Aktivität und den Glykogen-Gehalt prüfen lässt. Unter dem Mikroskop betrachtet, zeigt ein Schnitt durch eine solche Gewebeprobe typische Auffälligkeiten im Muskel, beispielsweise vergrößerte Lysosomen.

Der Arzt kann mittels einer Biopsie auch eine Hautprobe entnehmen – die daraus gezüchteten Bindegewebszellen (Fibroblasten) sind ebenfalls für die Diagnose von Morbus Pompe geeignet. Zusätzlich lässt sich ein Defekt im Alpha-Glukosidase-Gen mittels molekularbiologischer Tests nachweisen.

Behandlung: Wie kann Morbus Pompe behandelt werden?

Da es sich bei Morbus Pompe um eine erblich bedingte Krankheit handelt, lässt sich diese Erkrankung gegenwärtig nicht heilen. Dem Körper kann jedoch mittels Enzym-Ersatz-Therapie eine gentechnisch hergestellte (rekombinante) Form des Alpha-Glukosidase-Enzyms namens Alglukosidase Alpha zugeführt werden. Hierzu erhält der Patient alle zwei Wochen eine mehrstündige Infusion. Es ist wichtig, so früh wie möglich mit der Behandlung zu beginnen, da sich gezeigt hat, dass die Enzym-Ersatz-Therapie bei Säuglingen und Kindern wirkungsvoller ist als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Man geht davon aus, dass sich eine Schädigung, beispielsweise der Skelettmuskulatur, nicht durch die Enzym-Ersatz-Therapie rückgängig machen lässt. Außerdem hat die Enzym-Ersatz-Therapie nur einen vergleichsweise geringen Effekt auf die Muskelschwäche, jedoch einen sehr deutlichen Effekt auf die Herzschwäche.

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Um die Symptome vom Morbus Pompe zu lindern, ist eine eiweißreiche und kohlenhydratarme Ernährung empfehlenswert. Zudem kann eine nächtliche Atemunterstützung notwendig sein. Physiotherapeutische Maßnahmen wie Krankengymnastik und Atemtherapie sind sinnvoll, um der Muskelschwäche entgegenzuwirken.

Zukünftig lässt sich Morbus Pompe vielleicht durch eine Gentherapie heilen, bisher hat es jedoch neben Tierversuchen erst eine einzige klinische Studie zur Sicherheit und Verträglichkeit gegeben. Die Ergebnisse der Studie waren zwar vielversprechend, eine klinische Studie zum Nachweis der Wirksamkeit steht jedoch noch aus. Ob und wann diese Therapieform bei Morbus Pompe zugelassen wird, ist daher gegenwärtig unklar.

Prognose: Wie ist die Prognose von Morbus Pompe?

Die infantile Form von Morbus Pompe führt unbehandelt innerhalb von zwei Jahren zum Tod. Ursache ist meist die Herzschwäche oder eine Lungenentzündung. Wird die juvenile Form nicht behandelt, kann sie durch Versagen der Atemmuskulatur zum Tod vor dem Ende der Pubertät führen. Die Prognose der adulten Form ist dagegen recht gut.

Ob und wie sich die Enzym-Ersatz-Therapie langfristig auf die Prognose der verschiedenen Morbus-Pompe-Formen auswirkt, müssen Forscher noch untersuchen. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Enzym-Ersatz-Therapie in ihrer jetzigen Form das Fortschreiten des Muskelschwunds nicht dauerhaft verhindert. Die Herzschwäche lässt sich dagegen gut mit der Enzym-Ersatz-Therapie behandeln.

Vorbeugung: Wie kann man Morbus Pompe vorbeugen?

Bei Morbus Pompe handelt es sich um eine Erbkrankheit, daher lässt sich dieser Erkrankung nicht vorbeugen. Um an Morbus Pompe zu erkranken, muss der Betroffene zwei defekte Kopien des genetischen Bauplans für die Alpha-Glukosidase erben – eine vom Vater und eine von der Mutter. Menschen, bei denen nur eine Kopie des Bauplans schadhaft ist, erkranken zwar nicht an Morbus Pompe, sie können aber die defekte Kopie weitervererben. Sind Vater und Mutter gesund, aber genetische Überträger der Krankheit, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 25 Prozent, dass das Kind an Morbus Pompe erkrankt.

Bei Paaren mit Kinderwunsch, in deren Familie Morbus Pompe aufgetreten ist, empfiehlt sich deshalb eine genetische Beratung. Besteht bereits eine Schwangerschaft, kann der Arzt eine vorgeburtliche Untersuchung (Pränatal-Diagnostik) durchführen. Hierzu entnimmt er entweder eine Fruchtwasser-Probe und untersucht das Erbgut der darin vorhandenen Zellen (Amniozentese), oder er entnimmt durch eine Biopsie sogenannte Chorionzotten-Zellen, welche Teil des Mutterkuchens (Plazenta) sind. Auch in diesen Zellen lässt ein Defekt im Alpha-Glukosidase-Gen nachweisen.

Weitere Informationen

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Web-Tipps:
Selbsthilfegruppe Pompe Deutschland e.V. www.mpompe.de
Selbsthilfegruppe Glykogenose Deutschland e.V. www.glykogenose.de
Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. www.dgm.org/muskelerkrankungen/morbus-pompe
International Pompe Association www.worldpompe.org
 
Autor: Dr. Annukka Aho-Ritter
medproduction, www.medproduction.de
Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Barranger, J.A. & Cabrera-Salazar, M.A.: Lysosomal Storage Disorders. Springer, New York 2007
Gortner, L. et al.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
Lim, J.A. et al.: Pompe disease: from pathophysiology to therapy and back again. Frontiers in Aging Neuroscience (Abruf: 11/2017)
Piper, W.: Innere Medizin. Springer Medizin, Berlin Heidelberg 2013