Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom)

Nieren
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Ursachen: Was sind die Ursachen von Nierenkrebs?

Als Nierenkrebs bezeichnen Mediziner bösartige Neubildungen der Niere. Diese können sich aus verschiedenen Gewebetypen der Niere entwickeln – etwa 95 Prozent aller Nierentumoren sind jedoch Nierenzellkarzinome. Nierenkrebs gehört zu den eher seltenen Krebsarten. In Deutschland erhalten jährlich etwa 15.000 Menschen die Diagnose – Männer sind fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Die meisten Menschen erkranken zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr an einem Nierenzellkarzinom beziehungsweise an Nierenkrebs. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt bei Männern 68 Jahre und bei Frauen bei 71 Jahre.

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Bei Kindern ist Nierenkrebs insgesamt selten; unter allen kindlichen Krebserkrankungen hingegen aber häufig. Ein typischer kindlicher Nierentumor ist das sogenannte Nephroblastom. Dabei handelt es sich um eine bösartige Geschwulst der Niere, die zumeist zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr entsteht. Frühzeitig entdeckt und behandelt, hat das Nephroblastom eine recht günstige Prognose.

Wie bei vielen anderen Krebserkrankungen auch, sind die genauen Ursachen für Nierenkrebs noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt jedoch einige Faktoren, die das Risiko erhöhen, an einem Nierentumor (etwa einem Nierenzellkarzinom) zu erkranken. Das sind zum Beispiel:

  • Rauchen (aktiv und passiv)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Erhöhter Alkoholkonsum
  • Berufsbedingter Kontakt mit Halogen-Kohlenwasserstoffen, Cadmium oder Röntgenstrahlen
  • Höheres Lebensalter
  • Chronisch eingeschränkte Nierenfunktion (chronische Niereninsuffizienz) und andere Nierenerkrankungen
  • Medikamentenmissbrauch, vor allem von Schmerzmitteln
  • Erbliche Veranlagung

Beschwerden: Wie äußert sich Nierenkrebs?

Nierenkrebs verursacht zunächst keine Symptome. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium treten Beschwerden auf, die zum Beispiel auf ein Nierenzellkarzinom hinweisen können. Daher ist es wichtig, bereits bei den ersten Anzeichen eines Nierentumors einen Arzt aufzusuchen, der die genauen Ursachen der Symptome herausfinden und eine entsprechende Therapie einleiten kann.

Zu den häufigsten Nierenkrebs-Symptomen zählen:

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  • Plötzlicher Gewichtsverlust aus unersichtlichen Gründen
  • Rötlich verfärbter Urin (Blut im Urin)
  • Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Blutarmut (Anämie)
  • Fieber
  • Schmerzen in den Flanken (seitlicher Rückenbereich über der Hüfte)
  • Geschwollene Lymphknoten

Bei Männern können auch plötzlich auftretende Krampfadern im linken Hodensack auf Nierenkrebs hinweisen. Hintergrund: Die linke Hodenvene mündet in die linke Nierenvene. Wenn ein Nierentumor nun die linke Nierenvene verlegt, staut sich das Blut bis in die linke Hodenvene zurück – die Folge sind Krampfadern im linken Hodensack.

Diagnose: Wie wird Nierenkrebs diagnostiziert?

Besteht der Verdacht auf Nierenkrebs, stellt der Arzt eingangs ein paar Fragen zur Krankengeschichte (Anamnese). Dabei ist vor allem interessant, wie lange die Beschwerden bereits bestehen, wie diese sich genau äußern, ob bestimmte Risikofaktoren vorliegen und welche Medikamente der Betroffene einnimmt.

An die Anamnese schließt sich eine gründliche, körperliche Untersuchung an. Mithilfe einer Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) kann der Arzt Veränderungen der Nieren sichtbar machen. Ist auf dem Ultraschallbild ein Nierentumor, beispielsweise ein Nierenzellkarzinom oder bei Kindern ein Nephroblastom, nachweisbar, sind zusätzliche Untersuchungen notwendig. Hierzu gehören etwa eine Computertomografie (CT) mit Kontrastmittel und eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT). Anhand dieser Befundbilder kann der Arzt erkennen, wie groß der Nierentumor ist, wo genau er sich befindet und ob er bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) in die umliegenden Lymphknoten oder in andere Organe gestreut hat. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs kann außerdem Metastasen in der Lunge anzeigen. Um eventuelle Knochenmetastasen ausfindig zu machen, kann der Arzt ergänzend eine Skelettszintigraphie durchführen. Zusätzlich untersucht er den Urin des Betroffenen auf Blutbeimengungen (Hämaturie).

Die sogenannte Ausscheidungsurografie gibt Aufschluss über den gesamten Harntrakt, also über die Nieren, die Harnleiter und die Harnblase. Hierzu dient ein jodhaltiges Kontrastmittel, das der Untersuchte nach wenigen Minuten zusammen mit dem normalen Urin wieder ausscheidet. Auf einem Röntgenbild kann der Arzt den Fluss des Kontrastmittels durch den Harntrakt nachverfolgen und so mögliche Störungen feststellen.

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In manchen Fällen ist es möglich, den Nierenkrebs operativ zu entfernen, ohne die gesamte Niere entnehmen zu müssen. Für die Operationsplanung ist dann ein weiteres Diagnoseverfahren erforderlich – die Angiografie. Mit dieser Methode lassen sich die Blutgefäße der Niere mit einem Kontrastmittel bildlich darstellen. Auf diese Weise kann der Arzt die Gefäßversorgung der Niere beurteilen und herausfinden, welche Gefäße den Nierentumor mit Blut versorgen.

Behandlung: Wie kann Nierenkrebs behandelt werden?

Die Therapie von Nierenkrebs orientiert sich am jeweiligen Stadium der Erkrankung, an der Tumorart (z.B. Nierenzellkarzinom oder Nephroblastom bei Kindern) sowie am Allgemeinzustand des Betroffenen. Bei einem Nierentumor im frühen Stadium ist die Operation die wichtigste Behandlungsoption. Dabei versucht der Arzt, den Tumor vollständig zu entfernen. Ist das Nierenzellkarzinom noch relativ klein, kann die Operation organerhaltend erfolgen. Das bedeutet, der Arzt entfernt lediglich den Nierentumor sowie umliegendes Gewebe – die Niere selbst bleibt erhalten. Größere Tumoren oder Geschwulste, die ungünstig liegen, erfordern eine vollständige Entfernung der betroffenen Niere (radikale Nephrektomie). In diesem Fall übernimmt die andere, gesunde Niere die Ausscheidungsfunktion der entfernten Niere. Auch die umliegenden Lymphknoten operiert der Arzt bei diesem Eingriff heraus. Die Operation ist die einzige Therapie, die Nierenkrebs im Frühstadium (d.h. ohne Metastasen) heilen kann.

Wenn der Arzt den Nierentumor bei der Operation nicht vollständig entfernen kann, ist auch eine anschließende Bestrahlung des verbliebenen Tumorrestes möglich. Die Strahlentherapie kommt zudem zur Therapie von Metastasen zum Einsatz. Anders als die Operation kann die Bestrahlung Nierenkrebs nicht heilen, sondern lediglich die Beschwerden lindern.

Die bei einer Chemotherapie eingesetzten Zytostatika (Zellgifte) hemmen die Zellteilung – die Zelle kann sich nicht mehr vermehren und stirbt ab. Da sich Tumorzellen besonders schnell teilen, sind sie besonders anfällig für diese Medikamente. Jedoch greifen die Zellgifte auch gesunde Zellen an, sodass es oftmals zu starken Nebenwirkungen kommt, etwa Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall (Alopezie). Nierenzellkarzinome sprechen nur unzureichend auf Zytostatika an. Daher ist die Chemotherapie nur in Einzelfällen sinnvoll, zum Beispiel, um den Nierentumor vor der Operation zu verkleinern (neoadjuvante Chemotherapie). Dieses Verfahren kommt zum Beispiel beim kindlichen Nephroblastom oftmals zum Einsatz.

In den letzten Jahren haben zunehmend zielgerichtete Krebstherapien („targeted therapies“) an Bedeutung gewonnen. Die Wirkstoffe dieser Therapieansätze richten sich zielgenau gegen verschiedene Stoffwechselprozesse von Tumorzellen. Jedoch wirken viele dieser zielgerichteten Substanzen nur bei Tumoren, die bestimmte Merkmale aufweisen, beispielsweise eine veränderte Oberflächenstruktur. Daher muss der Arzt im Vorfeld der Therapie zunächst untersuchen, ob der Betroffene für die Therapie überhaupt infrage kommt. Zur Behandlung von Nierenkrebs eigenen sich vor allem die Wirkstoffe Sunitinib, Sorafenib, Pazopanib, Axitinib, Everolimus, Temsirolimus und Bevacizumab.

Weitere Verfahren, die in der heutigen Nierenkrebs-Therapie nur noch vereinzelt angewendet werden, sind zum Beispiel:

  • Kältetherapie: Der Arzt vereist den Nierentumor mittels einer Gefriersonde.
  • Laser-, Mikrowellen- oder Ultraschall-Therapie: Der Tumor in der Niere wird mit Laser, Mikrowellen oder hochenergetischem Ultraschall „verdampft“.
  • Immuntherapie: Der Betroffene erhält bestimmte körpereigene Botenstoffe (Interleukin-2 und Interferon alpha) per Spritze. Diese Botenstoffe regen das Immunsystem an, sodass sich die Abwehrzellen gegen den Nierentumor richten.
  • Embolisation: Hierbei verschließt der Arzt Blutgefäße, welche den Tumor mit Blut versorgen. Dadurch ist das Wachstum des Nierentumors gehemmt.

Prognose: Wie ist die Prognose von Nierenkrebs?

Die Prognose von Nierenkrebs hängt maßgeblich vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Grundsätzlich gilt: Je früher ein Nierentumor entdeckt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose. In Deutschland befinden sich etwa drei von vier diagnostizierten Nierentumoren in einem frühen Stadium und lassen sich daher noch gut operativ entfernen. Dagegen hat Nierenkrebs im fortgeschrittenen Stadium eine eher ungünstige Prognose.

Auch bei Kindern mit Nierenkrebs richtet sich die Prognose danach, in welchem Stadium der Nierentumor diagnostiziert wird. So beträgt die Heilungschance bei einem frühzeitig entdeckten und entsprechend behandelten Nephroblastom rund 90 Prozent.

Vorbeugung: Wie kann man Nierenkrebs vorbeugen?

Da die genauen Ursachen für Nierenkrebs bislang unbekannt sind, lässt sich einem Nierentumor nur bedingt vorbeugen. Wichtig hierbei ist es deshalb, die bekannten Risikofaktoren zu umgehen, die in Verdacht stehen, Nierenkrebs zu begünstigen. Wer auf Tabak und regelmäßigen Alkoholkonsum verzichtet, sich gesund und abwechslungsreich ernährt, Übergewicht vermeidet und mehrmals die Woche Sport treibt, lebt gesund und senkt damit das Risiko für viele Erkrankungen – zum Beispiel auch für Krebserkrankungen wie Nierenkrebs.

Personen mit einem familiär bedingt höheren Nierenkrebs-Risiko sollten ihren Arzt darauf ansprechen und gegebenenfalls jährliche Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Auch für Menschen mit einer chronischen Nierenfunktionsstörung (Niereninsuffizienz) ist es ratsam, die Nieren in regelmäßigen Abständen vom Arzt untersuchen zu lassen. Für Arbeitnehmer, die an ihrem Arbeitsplatz mit Cadmium in Berührung kommen, gelten bestimmte arbeitsschutzrechtliche Maßnahmen, die das Risiko für gesundheitliche Folgeschäden verringern sollen.

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Autor: Miriam Lossau, Diplom-Fachjournalistin
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Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Bundesministerium der Justiz: Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). www.gesetze-im-internet.de (Abruf: 11/2017)
Deutsche Krebsgesellschaft: Nierenkrebs. www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 11/2017)
Deutsche Krebshilfe: Nierenkrebs. www.krebshilfe.de (Abruf: 11/2017)
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017
Robert Koch-Institut: www.rki.de (Abruf: 11/2017)