Parkinson (Schüttellähmung)

Mikado
© Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Ursachen: Was sind die Ursachen von Parkinson?

Die Parkinson-Krankheit (kurz: Parkinson), auch Morbus Parkinson sowie im Volksmund Schüttellähmung genannt, ist eine Erkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS), die zu Störungen und Unkontrollierbarkeit der Bewegungsabläufe führt. Von Parkinson sind überwiegend ältere Menschen betroffen, doch wird die Erkrankung durch eine verbesserte Diagnostik häufiger auch früher diagnostiziert.

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Je nach Ursache werden verschiedene Formen von Parkinson unterschieden. Die häufigste Form ist das idiopathische Parkinson-Syndrom (Parkinson-Krankheit oder Morbus Parkinson). Idiopathisch bedeutet, dass die Ursache unklar ist. Beim familiären Parkinson-Syndrom liegen die Gründe im veränderten Erbgut, es ist also angeboren. Verschiedene andere Krankheiten oder Stoffe können ebenfalls Parkinson auslösen. Es handelt sich dann um ein symptomatisches Parkinson-Syndrom. Mögliche Gründe sind bestimmte Medikamente, andere Erkrankungen oder Entzündungen des Gehirns, Vergiftungen, Stoffwechselstörungen (Wilsonsche Krankheit), Gehirntumoren oder wiederholte Gewalteinwirkungen auf den Kopf („Boxer-Parkinson“).

Bei fast allen Formen von Parkinson beginnt die Krankheit mit einem langsamen Abbau der Substantia nigra, der „schwarzen Substanz“, die im Gehirn für die Produktion des Botenstoffs Dopamin zuständig ist. Dadurch werden Informationen schlechter an das Großhirn weitergeleitet, wodurch die Bewegungsabläufe nicht mehr richtig kontrolliert werden können. Wodurch genau dieser Abbau ausgelöst wird, ist nicht bekannt.

Beschwerden: Wie äußert sich Parkinson?

Der Verlauf von Parkinson ist langsam und zunächst schleichend. Hat sich die Substantia nigra etwa um die Hälfte reduziert, zeigen sich erste Beschwerden. Die vier Hauptsymptome von Parkinson sind:

Akinese (Bewegungsarmut)

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Die Akinese ist das „Grundsymptom“ von Parkinson und tritt immer in Erscheinung, während alle anderen Anzeichen variieren. Bei der Akinese sind die Muskelbewegungen eingeschränkt, was sich zum Beispiel in einer starren Mimik („Maskengesicht“) äußert. Der gesamte Bewegungsablauf wirkt steif und langsam, wie bei einer Holzpuppe. Die Geschicklichkeit lässt nach, beim Gehen werden die Schritte kleiner, die Füße ziehen nach. Die Handschrift wird undeutlich und wesentlich kleiner.

Rigor (Muskelsteife)

Die Muskeln sind angespannt und leisten bei passiven, langsamen Bewegungen Widerstand. Es kommt zum sogenannten „Zahnradphänomen“, bei dem sich Arme oder Beine nur abgehackt bewegen lassen. Der gesamte Oberkörper ist nach vorn gebeugt, im späteren Stadium von Parkinson schmerzen die Muskeln.

Ruhetremor (Zittern im Ruhezustand)

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Das bekannteste Symptom von Parkinson ist das Zittern, es tritt aber nicht zwingend auf. Die Frequenz des Zitterns ist langsam, die Intensität variiert jedoch. Vor allem Emotionen verstärken das Zittern, während es im Schlaf bei völliger Muskelentspannung nicht auftritt.

Postulare Instabilität (Instabilität der Haltung)

Ein unsicherer Gang und Probleme beim Stehen weisen ebenfalls auf Parkinson hin. Das Risiko von Stürzen ist erhöht.

Verschiedene Begleitsymptome kommen zu den Hauptanzeichen von Parkinson hinzu. Im Wesentlichen sind dies psychische Probleme wie Depressionen, die Blasen- und Darmmuskulatur lässt sich nicht mehr kontrollieren und es treten sensorische Störungen auf. Im fortgeschrittenen Stadium entwickelt sich häufig eine Demenz (Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit).

Diagnose: Wie wird Parkinson diagnostiziert?

Beim Gespräch über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) liegt das Augenmerk auf den Vorerkrankungen und eventuellen Risikofaktoren wie gehäuftes Auftreten in der Familie, Einnahme von Medikamenten oder Erkrankungen. Liegt eine Akinese (Bewegungsarmut) und mindestens ein weiteres Hauptsymptom vor, gilt die Diagnose Parkinson als sicher.

Sind die Anzeichen im Frühstadium der Erkrankung noch nicht ausgeprägt, bringt der L-Dopa-Test Aufschluss. L-Dopa-Präparate enthalten den Wirkstoff Levodopa, der im Körper zu Dopamin umgebaut wird. Zeigt sich während der Gabe eine Verbesserung der Symptome, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit Parkinson vor. Vermindern sich die Symptome nicht, kann Parkinson ausgeschlossen werden. Um Parkinson nachzuweisen, haben sich bildgebende Verfahren, vor allem die Computer-Tomografie (CT), Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) und die sogenannte Single-Photon-Emissionstomografie (SPECT), bewährt.

Behandlung: Wie kann Parkinson behandelt werden?

Da Parkinson nicht heilbar ist, konzentriert sich die Behandlung auf die Verminderung der Symptome. Sie ist dabei individuell zugeschnitten, um der Lebenssituation gerecht zu werden. Grundsätzlich ist das Ziel der Therapie, möglichst lang die Bewegungsfähigkeit und damit die Selbstständigkeit zu erhalten.

L-Dopa-Präparate (Levodopa) gehören zum Standard der medikamentösen Therapie von Parkinson. Künstliches Dopamin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden, deshalb setzt man die Vorstufe von Dopamin, Levodopa, ein. Levodopa überwindet diese Schranke und wird dann im Körper zu Dopamin umgebaut. Die Dosierung richtet sich nach Stadium der Krankheit und nach dem jeweiligen Lebensalter. Mögliche Nebenwirkungen von L-Dopa-Präparaten sind eine erhöhte Müdigkeit am Tag und das Risiko von Fibrosen (Gewebsverhärtungen, zum Beispiel an den Herzklappen).

Weitere Medikamente, die bei Parkinson eingesetzt werden, sind:

  • MAO B- und COMT-Hemmer, die den Abbau von L-Dopa beziehungsweise Dopamin hemmen
  • Dopamin-Agonisten, welche die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn direkt stimulieren
  • Anticholinergika, welche unter anderem Zittern (Tremor) oder Erstarrung (Rigor) entgegenwirken
  • Amantadine, Budipin, Tiaprid

Von Parkinson Betroffene erhalten Krankengymnastik (Physiotherapie), um die Beweglichkeit verbessern und die Fähigkeit zum Laufen zu erhalten. Mit Logopädie wird Schlucken und Sprechen trainiert.

Im fortgeschrittenen Stadium einer Parkinson-Erkrankung kann eine Operation (Tiefe Hirnstimulation, tHS) sinnvoll sein. Hierbei werden bestimmte Elektroden im Gehirn eingebracht, die mit einem elektrischen Impulsgenerator unter dem Schlüsselbein verbunden werden.

Prognose: Wie ist die Prognose von Parkinson?

Die Behandlung von Parkinson verlangsamt das Fortschreiten der Krankheit, aufhalten kann sie sie bislang nicht. Parkinson ist nicht heilbar, jedoch kann die Zeitspanne bis zur Pflegebedürftigkeit, vor allem bei frühzeitiger Aufnahme der Behandlung, verlängert werden.

Vorbeugung: Wie kann man Parkinson vorbeugen?

Da die Ursachen von Parkinson häufig nicht bekannt sind (idiopathischer Parkinson) ist, lässt sich der Erkrankung auch nicht effektiv vorbeugen. Einzig Ursachen wie wiederholte schwere Kopfverletzungen, wie dies zum Beispiel bei Boxern der Fall ist, kann man vermeiden.

Weitere Informationen

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Autor: Karin Wunder, Dr. med. M. Waitz
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Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Deutsche Parkinson Vereinigung e.V. (DPV): www.parkinson-selbsthilfe.de (Abruf: 11/2017)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Parkinson-Syndrome. Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/010 (Stand: 09/2012)
Kompetenznetz Parkinson: www.kompetenznetz-parkinson.de (Abruf: 11/2017)
Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017