Schlafapnoe

Nacht, Sternenhimmel
© Gallus Tannheimer / pixelio.de

Als Schlafapnoe bezeichnet man das kurzzeitige Aussetzen der Atmung im Schlaf. Treten mehrere solcher Atemaussetzer in einer Nacht auf, spricht man vom Schlafapnoe-Syndrom.

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Ärzte unterscheiden zwei Arten des Schlafapnoe-Syndroms: das zentrale Schlafapnoe-Syndrom und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom.

  • Die Atemaussetzer beim zentralen Schlafapnoe-Syndrom (ZSA) sind darauf zurückzuführen, dass das Atemzentrum im Gehirn keine Signale zum Atmen an die Atemmuskulatur schickt. Ursache hierfür können beispielsweise eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Schlaganfall, Vergiftung, Medikamente, Drogen oder eine akute Höhenkrankheit durch den Aufenthalt in großer Höhe (über 4.000 m) sein.
  • Beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) dagegen werden die Atemaussetzer dadurch verursacht, dass die Muskulatur der oberen Atemwege sich zu sehr im Schlaf entspannt, sodass durch den Sog der Einatmung die oberen Atemwege zusammenfallen und die Atmung behindern.
  • Das zentrale und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom können aber auch gemeinsam auftreten. In diesem Fall spricht man von einem gemischten Apnoe-Syndrom. Im Folgenden wird nur das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom behandelt.

Neben Atemaussetzern (Apnoen) kann es im Schlaf auch nur zu einer Verminderung des Atemvolumens (Hypopnoen) kommen. Die Apnoen und Hypopnoen dauern zwischen zehn Sekunden und zwei Minuten an. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, und das Gehirn reagiert mit einer Alarmreaktion: Es schickt ein Aufwecksignal an den Körper. Dieses sorgt dafür, dass der Körper die Atmung wiederaufnimmt. Für gewöhnlich wacht der Betroffene dabei nicht ganz auf, sondern schläft weiter. Die ständigen Aufwecksignale stören jedoch den Schlaf-Rhythmus und führen dazu, dass Menschen mit Schlafapnoe sich tagsüber müde und unausgeschlafen fühlen.

Man geht davon aus, dass einer von 15 Erwachsenen an einer mittelschweren Form des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms leidet. Männer sind anscheinend häufiger betroffen als Frauen.

Ursachen: Was sind die Ursachen der Schlafapnoe?

Grund für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom ist, dass die Muskulatur im Mund- und Rachenbereich im Schlaf erschlafft, insbesondere die Muskulatur des Mundbodens, der Zunge und des Rachens. Der Rachen-Querschnitt verengt sich, sodass schließlich der beim Einatmen erzeugte Unterdruck dazu führt, dass die oberen Atemwege zusammenfallen und das weitere Einatmen verhindern.

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Folgende Faktoren begünstigen das Auftreten der Schlafapnoe:

  • Übergewicht (Adipositas)
  • Vergrößerte Rachen- und Gaumenmandeln
  • Kieferfehlstellung
  • Vergrößerung der Zunge
  • Verformung der Nasenscheidewand
  • Alkohol
  • Nikotin
  • Medikamente (Beruhigungsmittel, Schlafmittel)
  • Schlafentzug
  • Schichtarbeit
  • Schilddrüsen-Unterfunktion
  • Geschlecht: Schlafapnoen kommen häufiger bei Männern vor als bei Frauen
  • Veranlagung: Schlafapnoen treten familiär gehäuft auf
  • Schlafen in Rückenlage

Beschwerden: Wie äußert sich ein Schlafapnoe-Syndrom?

Typische Symptome eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen, Atempausen während des Schlafs, ungewöhnliche Tagesmüdigkeit und/oder eine Neigung dazu, tagsüber einzuschlafen. Weitere mögliche Schlafapnoe-Symptome sind ein unruhiger Schlaf, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Persönlichkeits-Veränderungen, Libidoverlust und Potenzstörungen sowie vermehrter nächtlicher Harndrang (Nykturie) und/oder Bettnässen (Enuresis).

Der infolge einer Apnoe und/oder Hypopnoe verminderte Sauerstoffgehalt im Blut schädigt auf Dauer das Herz-Kreislauf-System und verursacht beispielsweise Herzrhythmusstörungen, die im schwersten Fall in einem plötzlichen Herztod enden können. Zudem kann es durch eine Schlafapnoe zu Bluthochdruck (Hypertonie) und einer Erhöhung der Anzahl roter Blutkörperchen kommen.

Diagnose: Wie wird ein Schlafapnoe-Syndrom diagnostiziert?

Zur Diagnose einer Schlafapnoe erkundigt sich der Arzt zunächst nach dem Ausmaß der Beschwerden, nach den Lebensgewohnheiten (Medikamente, Alkohol, Schlafverhalten etc.) sowie nach eventuellen Vorerkrankungen. Er untersucht den Patienten körperlich und hört Herz und Lungen mit dem Stethoskop ab. Durch eine Blutdruckmessung lässt sich bestimmen, ob ein Bluthochdruck vorliegt. Bei einer Untersuchung des Mund-Rachen-Raums lassen sich Veränderungen, wie vergrößerte Mandeln oder eine vergrößerte Zunge, erkennen.

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Um ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom sicher zu diagnostizieren, ist eine umfangreiche Schlafdiagnostik sinnvoll. Hierzu empfiehlt sich eine sogenannte Polysomnografie in einem speziellen Schlaflabor. Dies beinhaltet normalerweise folgende Untersuchungen:

  • Elektroenzephalogramm (EEG): Messung der Gehirnströme
  • Elektrokardiogramm (EKG): Messung der Herzaktivität
  • Elektrookulogramm (EOG): Messung der Augenbewegungen
  • Elektromyogramm (EMG): Messung der Muskelspannung (am Kinn)
  • Pulsoxymetrie: Bestimmung des Sauerstoffgehalts im Blut
  • Bestimmung des CO2-Gehalts im Gewebe (mittels Hautelektroden)
  • Messung der Körpertemperatur
  • Messung des Atemflusses an Mund und Nase
  • Messung des oberen Atemwegswiderstands (mittels sog. respiratorischer Induktions-Plethysmografie, RIP)
  • Bestimmung der Atmungsbewegung von Brust und Bauch
  • Aufzeichnung der Beinbewegungen
  • Aufzeichnung von Schnarch-Geräuschen (mittels Kehlkopf-Mikrofon)

Bei der Polysomnografie wird der Schlafende per Video aufgezeichnet. Schlafmedizinisch geschultes Personal führt diese Messungen durch und wertet die Daten aus. Die Polysomnografie wird in der Regel an zwei aufeinander folgenden Nächten durchgeführt, da der Schlaf von Nacht zu Nacht variieren kann.

Der sogenannte AHI (Apnoe-Hypopnoe-Index) beschreibt die durchschnittliche Anzahl der Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf. Typisch für ein mittelschweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom ist ein AHI größer als 15 pro Stunde Schlafzeit.

Behandlung: Wie kann ein Schlafapnoe-Syndrom behandelt werden?

Es gibt verschieden Therapie-Methoden, um ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom zu behandeln. Zu den sogenannten konservativen Therapie-Methoden der Schlafapnoe zählen die Normalisierung des Körpergewichts und die Verbesserung der Schlafhygiene. Unter Schlafhygiene fasst man alle Maßnahmen zusammen, die einen erholsamen Schlaf fördern, beispielsweise die Gestaltung der Schlafumgebung, einen regelmäßigen Tagesablauf und Schlafrhythmus, sowie Verhaltensempfehlungen wie den Verzicht auf Alkohol, Beruhigungsmittel und Nikotin. Handelt es sich um ein Schlafapnoe-Syndrom, das abhängig von der Schlaflage auftritt, empfiehlt es sich, nachts eine Rückenlage zu vermeiden, da die Zunge nach hinten fallen kann und so die oberen Atemwege verschließt.

Zu den apparativen Therapie-Optionen bei Schlafapnoe zählen die sogenannte nasale Beatmungstherapie mit Überdruck (engl. continuous positive airway pressure, CPAP) sowie die Unterkiefer-Protrusions-Schiene (Esmarch-Schiene).

  • Bei der CPAP wird mittels einer Nasenmaske ein kontinuierlicher Überdruck in den oberen Atemwegen erzeugt. Man bezeichnet diese Methode auch als „pneumatische Schienung“, da die eingeblasene Luft verhindert, dass der Rachenraum im Schlaf zusammenfällt. Diese Therapie der Schlafapnoe erfordert eine gewisse Eingewöhnungszeit und muss in der Regel ein Leben lang angewendet werden. Aus diesem Grund lehnen viele Betroffene die CPAP ab, obwohl die Therapie sehr wirksam ist.
  • Eine Unterkiefer-Protrusions-Schiene verschiebt den Unterkiefer nach vorne, was die oberen Atemwege mechanisch offenhält. Allerdings führt diese Therapie nicht bei allen Menschen mit Schlafapnoe zum Erfolg. Außerdem können Nebenwirkungen wie übermäßiger Speichelfluss, Mundtrockenheit, Schmerzen im Kiefergelenk und Zahnschmerzen auftreten.

Bei den operativen Therapie-Maßnahmen der Schlafapnoe entfernt der Chirurg beispielsweise ganz oder teilweise die Gaumenmandeln. Oft wird gleichzeitig überschüssige Schleimhaut im Bereich des weichen Gaumens und des Gaumenzäpfchens mitentfernt. Auch die Entfernung der Mandeln am Zungengrund kann bei einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom hilfreich sein. Kieferchirurgische Eingriffe wie die Maxillo-Mandibuläre Umstellungs-Osteotomie (MMO) dienen dazu, den Nasen-, Mund- und Rachenraum zu erweitern. Allerdings handelt es sich bei dieser Schlafapnoe-Therapie um eine anspruchsvolle Technik mit allen Risiken und Nebenwirkungen einer Operation unter Vollnarkose, und sie erfordert ein speziell ausgebildetes Chirurgenteam sowie eine stationäre Nachbehandlung.

Übergewicht ist der Haupt-Risikofaktor für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom. Zur Behandlung der Schlafapnoe kann es deshalb außerdem sinnvoll sein, krankhaftes Übergewicht mit chirurgischen Methoden zu behandeln, wenn alle anderen Maßnahmen (wie Ernährung, Bewegung, Medikamente) nicht wirken. Zu diesen operativen Methoden gehören beispielsweise der Magenballon, das Magenband, die Magenverkleinerung und der Magen-Bypass.

Prognose: Wie ist die Prognose eines Schlafapnoe-Syndroms?

Unbehandelt kann ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom zu verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen – von Arteriosklerose über Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt bis zum Herztod. Außerdem kann es durch Müdigkeit und Konzentrationsstörungen zu lebensgefährlichen Unfällen kommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom rechtzeitig behandelt wird.

Die Erfolgsraten der verschiedenen Therapieformen sind sehr unterschiedlich: Während die CPA-Beatmungstherapie eine Erfolgsrate von 98 Prozent aufweist, liegt die Erfolgsrate der Unterkiefer-Protrusions-Schiene lediglich bei 50 bis 70 Prozent.

Vorbeugung: Wie kann man einem Schlafapnoe-Syndrom vorbeugen?

Nicht allen Ursachen des Schlafapnoe-Syndroms lässt sich vorbeugen. Der wichtigste Risikofaktor für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom ist allerdings krankhaftes Übergewicht, daher empfiehlt es sich, auf sein Gewicht zu achten. Außerdem ist es sinnvoll, folgende Regeln für einen gesunden Schlaf zu befolgen:

  • Trinken Sie nach dem Mittagessen keine koffeinhaltigen Getränke (wie Kaffee, schwarzer Tee, Cola).
  • Vermeiden Sie Nikotin und Alkohol – setzen Sie insbesondere Alkohol nicht als Beruhigungs- und Schlafmittel ein.
  • Verzichten Sie auf Appetitzügler und Schlafmittel.
  • Nehmen Sie am Abend keine schweren Mahlzeiten zu seich.
  • Seien Sie regelmäßig körperlich aktiv und treiben Sie Sport.
  • Üben Sie vor dem Zubettgehen keine geistig oder körperlich anstrengenden Tätigkeiten mehr aus.
  • Führen Sie ein persönliches Einschlafritual ein.
  • Sorgen Sie in Ihrem Schlafzimmer für eine angenehme Atmosphäre.
  • Schauen Sie in der Nacht nicht auf die Uhr oder auf Ihr Handy.

Weitere Informationen

Web-Tipps:
Bundesverband Schlafapnoe und Schlafstörungen Deutschlands e.V. (BSD): www.bsd-selbsthilfe.de

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): www.charite.de
Buch-Tipps:
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Autor: Dr. Annukka Aho-Ritter
medproduction, www.medproduction.de
Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Gesundheitsinformation.de: www.gesundheitsinformation.de/obstruktive-schlafapnoe.2120.de.html (Abruf: 11/2017)
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.: Obstruktive Schlafapnoe bei Erwachsenen: Therapie (Stand: 12/2015)