Tennisarm (Epicondylitis medialis humeri)

Ellenbogengelenk und Unterarmknochen mit Bändern und Muskelansätzen von hinten
© LifeART Wolters Kluwer Health, Inc.

Ursachen: Was sind die Ursachen eines Tennisarms?

Der Tennisarm oder Tennisellenbogen (Epicondylitis medialis humeri) ist eine sehr schmerzhafte Entzündung der Sehnen- und Muskelansätze im äußeren Bereich des Ellenbogens. Die Ursache des Tennisarms ist meist eine mechanische Überbeanspruchung der Unterarm-Muskulatur, die die Sehnenansätze der Hand- und Fingermuskulatur im Bereich von kleinen Knochenvorsprüngen (Epikondylen) des Oberarmknochens (Humerus) in einen dauerhaften Reizzustand versetzt. Dabei entstehen kleine Risse in der Muskulatur, die starke Schmerzen im Ellenbogen auslösen. Eine Überbeanspruchung kann durch langanhaltende und starke Belastungen des Unterarms entstehen. Oft ist auch eine einseitige Fehlbelastung durch eine falsche Schlag- bzw. Spieltechnik die Tennisarm-Ursache. In einigen Fällen begünstigen Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Muskel- und Knochenerkrankungen einen Tennisarm.

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Am häufigsten sind Frauen und Männer zwischen dem 35. Und 55. Lebensjahr von einem Tennisarm betroffen. Da der Tennisarm meistens die Folge von Überanstrengungen der Muskulatur ist, erkranken besonders häufig Golf- oder Tennisspieler. Freizeit- und Amateurspieler sind öfter betroffen als Berufsspieler. Bei jungen Spielern unter 30 Jahren tritt eine Überbeanspruchung der Unterarm-Muskulatur seltener auf als bei älteren Spielern. Auch bei Berufstätigen, die ihre Unterarme viel beanspruchen oder monotone Bewegungen ausführen, kommt ein Tennisarm häufiger vor als in anderen Berufsgruppen. Dazu gehören zum Beispiel Handwerker oder Bauarbeiter.

Beschwerden: Wie äußert sich ein Tennisarm?

Typische Beschwerden bei einem Tennisarm sind starke und stechende Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens. Die Schmerzen strahlen oft bis in den Ober- und Unterarm hinein und können stärker werden, wenn die Hand des betroffenen Arms zu einer Faust geballt oder das Handgelenk gebeugt wird. Dies hat zur Folge, dass das Handgelenk beim Tennisarm in seiner Funktion und Belastbarkeit stark eingeschränkt ist.

Diagnose: Wie wird ein Tennisarm diagnostiziert?

Anhand des typischen Druckschmerzes an der Außenseite des Ellenbogens kann der Arzt eine erste Tennisarm-Diagnose stellen. Bei der körperlichen Untersuchung tastet er den Unterarm und den Ellenbogen ab.

Zu weiteren Hinweisen, die für die Diagnose „Tennisarm“ hilfreich sind, zählen:

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  • Rötungen oder Schwellungen im Ellenbogen-Bereich
  • eine auffällige Schonhaltung
  • der Beruf des Betroffenen
  • die Ausübung von bestimmten Sportarten wie Tennis oder Golf
  • funktionale Tests, wie das Drehen des Unterarms oder Strecken des Handgelenks oder Mittelfingers gegen einen Widerstand

Weitere mögliche Untersuchungen zur Tennisarm-Diagnose sind eine Röntgen-Untersuchung des Ellenbogen-Gelenks in zwei Ebenen, eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) des Ellenbogengelenks und eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie). Diese Untersuchungen sind zur Diagnose des Tennisarms in der Regel aber nicht notwendig.

Behandlung: Wie kann ein Tennisarm behandelt werden?

Die Ziele der Behandlung des Tennisarms sind, Schmerzen zu vermeiden, die Handfunktion zurück zu gewinnen und die Beschwerden zu lindern oder zu beseitigen. Je nach Schwere der Entzündung gibt es beim Tennisarm verschiedene sogenannte konservative Behandlungsmöglichkeiten, um eine Operation zu vermeiden.

Bei einem Tennisarm ist es ratsam, zu Beginn der Entzündung den betroffenen Arm mehrere Tage bis Wochen zu schonen. Die Stabilisierung des Ellenbogen-Gelenks durch Verbände, Ellenbogen- oder Mahnbandagen kann die Reizung und Schmerzen lindern. Bei starken Schmerzen ist es möglich, den Oberarm durch eine Gipsschiene ruhig zu stellen.

Die Behandlung des Tennisarms mit Medikamenten ist in vielen Fällen schnell erfolgreich. Die Spannbreite der medikamentösen Behandlung reicht von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Tabletten über Salben bis hin zur Verabreichung von Spritzen (Injektionen). Diese betäuben die örtlichen Schmerzen (Lokalanästhetika) oder wirken entzündungshemmend (Kortikosteroide).

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Weitere nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten bei einem Tennisarm sind physikalische Therapien, wie beispielsweise:

  • Behandlung mit Strom (Elektrotherapie)
  • Behandlung mit Ultraschall (Sonografie)
  • Behandlung mit elektromagnetischen Wellen
  • Wärmebestrahlung im chronischen Stadium des Tennisarms
  • Kältetherapie bei akuten Beschwerden (Kryotherapie)
  • Quermassagen der Muskulatur
  • Dehnübungen
  • Stimulierung/Anregung der Nerven durch die Haut

Lassen sich die Beschwerden über diese Behandlungsmaßnahmen nicht lindern oder heilen, kann eine Operation zur Tennisarm-Behandlung sinnvoll sein. Durch verschiedene Operationstechniken wird die betroffene Strecksehne oder das Sehnengewebe entfernt oder es werden einige Nervenbahnen durchtrennt.

Prognose: Wie ist die Prognose bei einem Tennisarm?

Ein Tennisarm hat insgesamt eine gute Prognose, da die Behandlung auch ohne Operation in den meisten Fällen erfolgreich ist. Allerdings kann die Therapie langwierig sein, und der Arm ist viele Wochen bis Monate schmerzhaft und nicht voll belastbar.

Je früher die Behandlung bei einem Tennisarm beginnt, umso erfolgreicher verläuft die Heilung: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Entzündung wiederkehrt oder dass die Schmerzen dauerhaft bleiben (chronisch werden), erhöht sich durch eine frühzeitige Behandlung. Folgeschäden entstehen durch einen Tennisarm nicht.

Selten muss ein Tennisarm operiert werden. Die Operation verläuft in den meisten Fällen ohne Komplikationen. Grundsätzlich können infolge einer Operation allgemeine Risiken und Komplikationen auftreten, zum Beispiel:

  • Störung der Wundheilung
  • Infektionen der Wunde
  • Blutergüsse
  • Verletzung von Blutgefäßen oder Nerven
  • Instabilität des Ellenbogen-Gelenks

Vorbeugung: Wie kann man einem Tennisarm vorbeugen?

Die wirksamste Tennisarm-Vorbeugung ist, generell eine Überbeanspruchung des Unterarms durch starke Belastung oder monotone Bewegungen zu vermeiden. Daher ist es wichtig zu wissen, wie sich Überanstrengungen und Fehlbelastungen im Alltag, Beruf und Sport vermindern und vermeiden lassen.

Gesundheitsschulungen sowie eine gelenkschonende Gestaltung des Arbeitsplatzes sind hierbei oft hilfreich. Berufs- und Freizeitsportler können durch professionelle Trainingsstunden eine richtige Schlagtechnik erlernen, um Fehl- und Überbelastungen zu vermeiden und so einem Tennisarm vorzubeugen.

Weiterführende Informationen

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Autor: Dr. Anneke Rübel
Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Breusch, S., et al.: Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2016
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie: Epicondylopathia radialis humeri. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/019 (Stand: 09/2011)
Niethard, F.U.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2017
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017