Tuberkulose

Atemwege
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Ursachen: Was sind die Ursachen von Tuberkulose?

Die Tuberkulose, auch Schwindsucht oder abgekürzt TBC genannt, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Mykobakterien (meist: Mycobacterium tuberculosis) ausgelöst wird. Sie ist weltweit verbreitet und gehört neben AIDS und Malaria zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist Schätzungen zufolge mit dem Erreger infiziert. Gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem entwickeln aber nur selten eine behandlungsbedürftige, aktive Tuberkulose. In Deutschland erkranken etwa 5 von 100.000 Einwohnern jährlich an Tuberkulose.

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Tuberkulose befällt am häufigsten die Lungen, aber auch andere Organe wie Kehlkopf, Nieren oder Genitalien können mit Mykobakterien infiziert werden. Die Ansteckung erfolgt fast immer über feinste, erregerhaltige Tröpfchen, die infizierte Menschen beim Husten oder Niesen mit der Atemluft freisetzen (Tröpfcheninfektion).

Beschwerden: Wie äußert sich Tuberkulose?

Tuberkulose verläuft langsam und chronisch. Im ersten Stadium der Primärinfektion, die etwa sechs bis acht Wochen nach der Ansteckung einsetzt, treten kaum bemerkbare oder nicht eindeutig einzuordnende Krankheitssymptome auf. Dazu gehören leicht erhöhte Temperatur, Appetitlosigkeit und Husten. In der Lunge bilden sich kleine Entzündungsherde, die auf die Lymphknoten übergehen. In den meisten Fällen gelingt es den körpereigenen Immunabwehrzellen (Abwehrkräfte) die Tuberkulose-Bakterien erfolgreich zubekämpfen, abzukapseln und die Infektion auf diese Weise dauerhaft einzudämmen. In dieser Phase sprechen Mediziner von einer „geschlossenen Tuberkulose“, – die Tuberkulose ist in dieser Zeit nicht ansteckend, sie „ruht“.

Schaffen es die Tuberkulose-Bakterien aber, aus den Infektionsherden auszubrechen und sich in der Lunge auszubreiten, kommt es zu einer primären Tuberkulose. Die Tuberkulose ist nun „offen“ und aktiv, das heißt es besteht Ansteckungsgefahr. Insbesondere vermehrtes Husten mit gelb-grünlichem oder blutigem Schleimauswurf weist auf eine offene Tuberkulose hin. Hinzu kommen Schmerzen und ein Engegefühl in der Brust. Über die Blutgefäße können sich die Tuberkulose-Bakterien auch im Körper verteilen und andere Organe befallen. Eine primäre Tuberkulose ist bei Erwachsenen selten. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder und Menschen mit einer schweren Immunschwäche.

Auch, wenn es dem Körper nach der Primärinfektion gelingt, die Tuberkulose-Bakterien abzukapseln und die Erkrankung einzudämmen, kann es noch viele Jahre später, beispielsweise infolge einer Immunschwäche, zu einem Ausbruch der Tuberkulose kommen. Die bis dahin ruhenden Tuberkulose-Bakterien beginnen sich wieder zu vermehren und neue Infektionsherde in der Lunge oder anderen Organen zu bilden. Mediziner sprechen dann von einer postprimären Tuberkulose.

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Obwohl Tuberkulose hauptsächlich die Lunge betrifft, kann sie sich auch in anderen Organen manifestieren. Von Organtuberkulose sind insbesondere Kehlkopf, Nieren, Skelett, Genitalien, Augen, Haut und das Gehirn betroffen. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, etwa HIV-Infizierte, haben ein besonders hohes Risiko, dass sich die Tuberkulose-Bakterien ungehindert im Körper ausbreiten.

Diagnose: Wie wird Tuberkulose diagnostiziert?

Aufgrund der unspezifischen Symptome wird die Tuberkulose im Primärstadium häufig gar nicht als solche erkannt. Daher befragt der Arzt den Betroffenen bei Verdacht auf Tuberkulose nicht nur zum Krankheitsverlauf (Anamnese), sondern auch zum jeweiligen Umfeld: Befinden sich etwa Personen im näheren Umfeld, die schon an Tuberkulose erkrankt sind oder ist die betroffene Person in Länder gereist, in denen Tuberkulose gehäuft vorkommt, kann dies den Verdacht auf eine Tuberkulose-Infektion untermauern. Auch Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, wie zum Beispiel AIDS, können eine Tuberkulose begünstigen.

Mithilfe einer Röntgen-Untersuchung lässt sich die Lungentuberkulose bereits in einem frühen Stadium feststellen. Außerdem dienen Röntgen-Aufnahmen auch der Verlaufskontrolle der Erkrankung. Wenn die Röntgen-Untersuchung kein eindeutiges Ergebnis liefert und der Verdacht auf eine Tuberkulose besteht, kann der Arzt zur weiteren Diagnose eine Computertomografie des Brustkorbs durchführen.

Eine Infektion mit dem Tuberkulose-Erreger lässt sich außerdem durch einen Tuberkulintest (Tuberkulin-Hauttest, THT) nachweisen, auch wenn die Erkrankung noch nicht ausgebrochen ist. Dabei wird Tuberkulin, ein Bestandteil des Tuberkulose-Erregers, in die Haut gespritzt. Das Ergebnis fällt positiv aus, wenn sich nach bis zu 72 Stunden eine Reaktion der Hautstelle zeigt – jedoch ist der Tuberkulin-Hauttest nicht 100%ig sicher. Darüber hinaus kann der Arzt eine Tuberkulose auch mit dem sogenannten Interferon-Gamma-Freisetzungstest (IGRA) nachweisen. Zur Sicherung der Tuberkulose-Diagnose empfiehlt sich die bakteriologische Diagnostik, bei welcher der Erreger selbst in Auswurf-Sekret, Magensaft, Urin oder Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) nachgewiesen wird.

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Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist jeder Arzt verpflichtet, Tuberkulose-Erkrankungen an das Gesundheitsamt zu melden.

Behandlung: Wie kann Tuberkulose behandelt werden?

Die Erstbehandlung einer aktiven Tuberkulose erfolgt aufgrund der Ansteckungsgefahr ausschließlich im Krankenhaus. Dabei kommt eine Kombination mehrerer Antibiotika zum Einsatz, da immer einzelne Erreger vorhanden sind, die gegen ein bestimmtes Antibiotikum resistent sind.

Die Standard-Kurztherapie der TBC erfolgt über sechs Monate. In den ersten zwei Monaten, der Initialphase, wird eine Kombination der Wirkstoffe Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol, Pyrazinamid und Streptomycin angewendet. Verläuft die Erstbehandlung erfolgreich, sind die Tuberkulose-Bakterien nach etwa drei bis vier Wochen nicht mehr ansteckend und die weitere Behandlung kann zuhause erfolgen.

Die sich anschließenden Erhaltungstherapie erfolgt für mindestens vier Monate. In der Regel kommen dabei die Antibiotika Isoniazid und Rifampicin zum Einsatz. Bei Kindern, die an Tuberkulose erkrankt sind, wird in der Initialphase eine entsprechend geringere Dosierung mit nur drei Medikamenten vorgenommen.

Prognose: Wie ist die Prognose von Tuberkulose?

Sofern keine Antibiotika-Resistenzen vorliegen, ist die Tuberkulose-Behandlung erfolgversprechend. Je früher die Therapie einsetzt, desto besser sind die Heilungschancen. Das Risiko von Organschädigungen oder einem tödlichen Verlauf der Tuberkulose besteht nur in einigen schweren Fällen, beziehungsweise wenn mit der Behandlung zu spät begonnen oder nicht konsequent bis zum Ende durchgeführt wird.

Vorbeugung: Wie kann man Tuberkulose vorbeugen?

Da sich die bisherige Schutzimpfung gegen Tuberkulose, die BCG-Impfung, als nur begrenzt wirksam herausgestellt hat, wird sie mittlerweile nicht mehr empfohlen. Stattdessen ist es sinnvoll, Kontakt zu infizierten Personen zu vermeiden. Besonders in Regionen, in denen Tuberkulose weit verbreitet ist (afrikanische Staaten, Südostasien, westliche Pazifikregion, ehemalige Sowjetrepubliken), ist Vorsicht geboten.

Stellt sich heraus, dass eine Person, mit der man Kontakt hatte, an Tuberkulose erkrankt ist, empfiehlt es sich, umgehend einen Arzt aufzusuchen. Dies ist besonders wichtig, wenn Symptome wie Husten oder eine erhöhte Körpertemperatur auftreten.

Weitere Informationen

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Autor: Karin Wunder, Dr. med. M. Waitz
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Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Duale Reihe Innere Medizin, Thieme, Stuttgart 2013
Herold, G.: Herold Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Robert Koch-Institut: Tuberkulose. www.rki.de (Abruf: 11/2017)
Weltgesundheitsorganisation (WHO): www.who.int (Abruf: 11/2017)