Zöliakie und Einheimische Sprue (Glutensensitive Enteropathie)

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© Anja Osenberg / pixabay.de

Ursachen: Was sind die Ursachen der Zöliakie?

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms. Ursache der Beschwerden ist eine lebenslange Unverträglichkeit von Gluten. Beim Erwachsenen nennt man sie Einheimische Sprue, bei Kindern Zöliakie. Der medizinische Begriff ist Glutensensitive Enteropathie. Gluten – oder seine Unterfraktion Gliadin – sind Getreideeiweiße und kommen in Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer vor.

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Die Zöliakie beziehungsweise Einheimischen Sprue ist entsteht durch eine Autoimmunreaktion. Das Immunsystem (Abwehrkräfte) bildet fälschlicherweise Antikörper gegen das Protein Gluten, die auch die Dünndarm-Schleimhaut angreifen. Bei Menschen mit Zöliakie beziehungsweise Einheimischer Sprue verursacht der Verzehr von glutenhaltigen Nahrungsmitteln deshalb eine Entzündung der Darmschleimhaut, welche die normale Funktion des Dünndarms erheblich einschränkt.

Normalerweise wird die Nahrung im Darm mit Hilfe von Enzymen gespalten und in den Körper aufgenommen. Je größer die Darmoberfläche ist, desto mehr Nährstoffe und Vitamine werden verwertet; daher ist der Darm in Falten gelegt. Bei der Zöliakie beziehungsweise Einheimischen Sprue ist die Darmoberfläche entzündungsbedingt verkleinert, was dazu führt, dass der Körper nur begrenzt Nährstoffe aufnehmen kann. Diese unfreiwillige Mangelernährung entzieht dem Körper wichtige Stoffe und löst dadurch eine Reihe von Beschwerden aus.

Die Zöliakie beziehungsweise Einheimische Sprue ist zum Teil erblich bedingt, aber auch Umweltfaktoren, Infektionen und Stress scheinen dazu beizutragen. Je nach Literatur, ist 1 von 70 bis 200 Personen von der Glutensensitiven Enteropathie betroffen, wobei die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Kinder und Personen zwischen 30 und 40 Jahren erkranken am häufigsten, Männer sind seltener von der Einheimischen Sprue betroffen als Frauen.

Beschwerden: Wie äußert sich die Zöliakie?

Die Zöliakie beziehungsweise Einheimische Sprue verläuft in etwa 80 Prozent der Fälle beschwerdefrei, sodass die Krankheit häufig unentdeckt bleibt. Nur etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen zeigen die für Zöliakie typischen Symptome. Hinzu zählen Durchfälle (Diarrhö) (zum Teil mit Fettauflagerungen), Gewichtsverlust, Blähungen und Müdigkeit. Oft weisen nur unspezifische Symptome wie Bauchschmerzen oder Kribbeln in den Fingern auf die Erkrankung hin. Frauen mit Einheimischer Sprue leiden häufig unter Menstruationsstörungen, Depressionen und Migräneanfällen.

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Im Kindesalter äußert sich die Zöliakie in der Regel durch Wachstumsstörungen. Die Kinder können bereits erlernte Fähigkeiten wieder verlernen. Sie leiden oft unter einem aufgeblähten Bauch, Erbrechen und Durchfällen. Die Beschwerden beginnen, nachdem Beikost (Griesbrei, Vollkornbrei usw.) verabreicht wurde.

Diagnose: Wie wird die Zöliakie diagnostiziert?

Treten Beschwerden wie Bauchschmerzen und Durchfälle (Diarrhö) auf, sollte Zöliakie beziehungsweise Einheimische Sprue als Ursache in Betracht gezogen und ärztlich abgeklärt werden. Die Symptome sind häufig so unspezifisch, dass eine Reihe von Erkrankungen dafür in Frage kommt. Äußert der Arzt den Verdacht auf Zöliakie beziehungsweise Einheimische Sprue, wird er eine Blut-Untersuchung veranlassen, bei der spezifische Antikörper bestimmt werden.

Für die endgültige Diagnose der Zöliakie ist eine Magen-Zwölffingerdarm-Spiegelung (Gastroduodenoskopie) und gegebenenfalls eine Darmspiegelung (Koloskopie) notwendig. Hierbei entnimmt der Arzt kleine Gewebeproben aus dem Dünndarm (Biopsie) und beurteilt sie unter dem Mikroskop. Wenn die Blut-Untersuchung und der Biopsiebefund positiv ausfallen, ist die Diagnose Zöliakie beziehungsweise Einheimische Sprue gesichert. Ist nur eine der Untersuchungen auffällig, ist es ratsam, die Beschwerden weiter ärztlich zu beobachten und die Untersuchungen gegebenenfalls später zu wiederholen.

Behandlung: Wie kann die Zöliakie behandelt werden?

Bei Zöliakie beziehungsweise Einheimischer Sprue ist es notwendig, eine lebenslange glutenfreie Diät zu halten. Verboten sind Produkte aus Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel, Grünkern und Kalmut. Hafer vertragen manche Betroffene in kleinen Mengen. Erlaubt hingegen sind beispielsweise Amaranth, Buchweizen, Kartoffeln, Mais, Reis, Hirse und Sojabohnen. Zu Beginn der Behandlung besteht durch die Entzündung der Darmschleimhaut bei Zökliakie oft eine vorübergehende Laktose-Intoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit). In diesem Fall ist es ratsam, am Anfang auch auf Milchprodukte zu verzichten. Wenn sich die Beschwerden bessern, kann man Milchprodukte wieder zu sich nehmen. Sind Eisen, Vitamine und Mineralstoffe im Blut vermindert, ist es wichtig, die Mangelerscheinungen auszugleichen, gegebenenfalls auch durch Tabletten.

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Prognose: Wie ist die Prognose der Zöliakie?

Unter glutenfreier Diät ist die Prognose der Zöliakie beziehungsweise Einheimischen Sprue gut. Bereits einige Tage nach der Diät bessern sich die Symptome oft. Der Zeitraum bis zur völligen Beschwerdefreiheit ist jedoch sehr unterschiedlich. Wird die Diät nicht eingehalten, kommt es zu einem Rückfall. Unbehandelt bewirkt Zöliakie bei Kindern Kleinwüchsigkeit, Knochenprobleme und Vitaminmangel. Bei Erwachsenen mit Einheimischer Sprue ist das Risiko, an Krebs (T-Zell-Lymphom des Darms) und Osteoporose (Knochenschwund) zu erkranken, ohne Behandlung erhöht. Wird die glutenfreie Diät konsequent eingehalten, erholt sich der Darm und diese Komplikationen lassen sich vermeiden.

Vorbeugung: Wie kann man einer Zöliakie vorbeugen?

Da die Ursachen der Zöliakie beziehungsweise Einheimischen Sprue zurzeit nicht eindeutig geklärt sind, kann man die Entstehung der Krankheit nicht verhindern. Ein erneuter Krankheitsschub lässt sich allerdings durch eine strenge glutenfreie Diät vermeiden. Wenn man selbst oder das Kind an Glutensensitiver Enteropathie erkrankt ist, empfiehlt sich eine Beratung durch einen Ernährungsberater, der einen glutenfreien Diätplan erstellen und weitere Ernährungstipps geben kann.

Weitere Informationen

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Autor: Dr. med. Angelika Berenboim
medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Baenkler, H.W.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2014
Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V.: Zöliakie. www.dzg-online.de (Abruf: 11/2017)
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Leitlinien der Gesellschaft für Gastroenenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) gemeinsam mit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG e.V.): S2k-Leitlinie Zöliakie. AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 021/021 (Stand: 04/2014)