Zytomegalie (CMV-Infektion)

Schwangere Frau: Eine CMV-Infektion ist vor allem während der Schwangerschaft kritisch
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Ursachen: Was sind die Ursachen einer Zytomegalie (CMV-Infektion)?

Die Zytomegalie ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die vor allem für Neugeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine Rolle spielt. Rund 40 bis 60 Prozent der Bevölkerung sind mit dem Zytomegalie-Virus (CMV) infiziert. Nur selten wird eine CMV-Infektion bewusst bemerkt, das Virus bleibt jedoch ein Leben lang im Körper.

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Steckt eine Frau sich während der Schwangerschaft mit dem Zytomegalie-Virus an, überträgt es sich mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent auf das ungeborene Kind. Auch nach der Geburt kann das Kind sich durch Speichel, Muttermilch und andere Körperflüssigkeiten mit dem CMV anstecken. Bei Erwachsenen erfolgt die CMV-Infektion meist über Geschlechtsverkehr, Bluttransfusionen oder Organtransplantationen.

Gesunde Menschen merken in der Regel nichts von einer CMV-Infektion. Nur selten treten vier bis acht Wochen später Symptome wie Fieber und geschwollene Lymphknoten auf. Infiziert ein Kind sich im Mutterleib mit dem Zytomegalie-Virus, kommt es bei etwa zehn Prozent der Kinder zu verschiedenen Symptomen wie Entwicklungsstörungen des Gehirns (Mikrozephalie), Schwerhörigkeit, Wachstumsstörungen, einer vergrößerten Leber und Milz, Gelbsucht (Ikterus) oder vermehrten Hautblutungen durch einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie).

Gefährlich für das ungeborene Kind ist vor allem eine Erstinfektion der Mutter mit dem Zytomegalie-Virus. Bei einer reaktiven Infektion kann das Virus ebenso übertragen werden, es kommt durch die bestehende Immunabwehr der Mutter jedoch seltener zu schweren Schädigungen.

Beschwerden: Wie äußert sich die Zytomegalie (CMV-Infektion)?

Bei gesunden Kindern und Erwachsenen verläuft eine Ansteckung mit dem Zytomegalie-Virus fast immer ohne Beschwerden. Gelegentlich treten nach einer Inkubationszeit von vier bis sechs Wochen Fieber, Müdigkeit und geschwollenen Lymphknoten auf.

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Auch während einer Schwangerschaft äußert sich eine CMV-Infektion bei den meisten Frauen ohne Symptome – Gefahr besteht vor allem für das ungeborene Kind. Man spricht von einer konnatalen (angeborenen) Zytomegalie. Das Virus kann zu jedem Zeitpunkt von der schwangeren Frau auf das Kind übertragen werden, am schwerwiegendsten sind allerdings die Verläufe bei einer Infektion im ersten Schwangerschaftsdrittel.

Viele der mit dem Zytomegalie-Virus infizierten Kinder zeigen nach der Geburt zunächst keine Beschwerden. Bei einigen von ihnen bleiben jedoch Spätschäden zurück, vor allem eine einseitige oder beidseitige Schwerhörigkeit. Etwa jedes zehnte CMV-infizierte Kind ist direkt nach der Geburt auffällig, dann vor allem mit folgenden Symptomen:

  • Niedriges Geburtsgewicht
  • Vergrößerte Leber und Milz (Hepatosplenomegalie)
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Entwicklungsstörungen des Gehirns (Mikrozephalie)
  • Hautblutungen durch Thrombozytenmangel (Thrombozytopenie)
  • Verkalkungen im Gehirn
  • Krämpfe
  • Lungenentzündung

Kinder, die sich nach der Geburt mit Zytomegalie anstecken – zum Beispiel über die Muttermilch – haben in der Regel keine Beschwerden. Milz und Leber können jedoch vergrößert sein und es treten gelegentlich Atemwegserkrankungen auf.

Auch bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann eine CMV-Infektion zu ernsten Beschwerden führen. Dies gilt zum Beispiel für Krebspatienten, HIV-Infizierte oder nach einer Transplantation. Hier sind typische Zytomegalie-Symptome vor allem entzündliche Prozesse verschiedener Organe:

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Diagnose: Wie wird die Zytomegalie (CMV-Infektion) diagnostiziert?

Die Zytomegalie kann oft nicht auf Anhieb eindeutig diagnostiziert werden, da die Beschwerden auch auf verschiedene andere Erkrankungen zutreffen. Finden sich Antikörper bei einer Blut-Untersuchung oder Urin-Untersuchung, bedeutet dies, dass eine CMV-Infektion stattgefunden hat – nicht aber, dass sie akut ist und die Beschwerden ausgelöst hat.

Wichtig für die Diagnose der Zytomegalie ist es demnach, verschiedene andere Auslöser für die Beschwerden auszuschließen, zum Beispiel Röteln, Neugeborenen-Herpes oder Toxoplasmose. Erst dann kann der Arzt anhand von Symptomen und Antikörpern die Zytomegalie feststellen.

Eine sichere Diagnose der Zytomegalie ist auch durch einen direkten Virusnachweis möglich. Bei der angeborenen Zytomegalie kann in den ersten Tagen nach der Geburt das Virus selbst im Urin des Neugeborenen festgestellt werden.

Behandlung: Wie kann die Zytomegalie (CMV-Infektion) behandelt werden?

Die Behandlung der Zytomegalie richtet sich nach dem jeweiligen Krankheitsverlauf. Wenn eine CMV-Infektion keine oder nur leichte Symptome verursacht, etwa bei Kindern und Erwachsenen mit intaktem Immunsystem, erfolgt in der Regel keine Behandlung.

Menschen mit geschwächter Abwehr werden nach einer CMV-Infektion zumeist mit Medikamenten behandelt, die die Vermehrung von Viren hemmen (Virostatika). Meist kommen die Wirkstoffe Ganciclovir oder Foscarnet zum Einsatz. Auch bei Neugeborenen, die Symptome der Zytomegalie ausbilden, hat sich eine medikamentöse Therapie als sinnvoll erwiesen.

Prognose: Wie ist die Prognose der Zytomegalie (CMV-Infektion)?

Bei Kindern und Erwachsenen ohne schwerwiegende Grunderkrankungen ist die Prognose der Zytomegalie sehr gut. Die CMV-Infektion verläuft zumeist unbemerkt und ohne Beschwerden. Jedoch verbleiben die Viren im Körper und können in Phasen mit schwachem Immunsystem Zytomegalie-Symptome auslösen.

Die Prognose bei Kindern, die bereits im Mutterleib mit Zytomegalie infiziert wurden, ist sehr unterschiedlich. Neugeborene, die keine Beschwerden zeigen, überstehen die CMV-Infektion meist ohne Auffälligkeiten. 10 bis 15 Prozent der Kinder entwickeln bis zum zweiten Lebensjahr jedoch Folgeschäden – meist eine Schwerhörigkeit, seltener eine Netzhautentzündung, die zu Sehstörungen führen kann.

Bei Säuglingen, die bereits nach der Geburt Zytomegalie-typische Beschwerden aufweisen, ist die Prognose weniger gut. Über die Hälfte dieser Kinder zeigt später Entwicklungsstörungen und eine verminderte Intelligenz, was sich zum Beispiel beim Sprechen lernen bemerkbar macht. Die meisten entwickeln Hörstörungen, einige leiden unter Krampfanfällen.

Ähnlich schwer kann der Verlauf bei abwehrgeschwächten Menschen sein, zum Beispiel nach einer Organtransplantation oder bei einer AIDS-Erkrankung. Die CMV-Infektion ruft Entzündungen verschiedener Organe hervor und kann, genau wie bei der angeborenen Zytomegalie, in schweren Fällen zum Tod führen.

Vorbeugung: Wie kann man der Zytomegalie (CMV-Infektion) vorbeugen?

Zur Vorbeugung von Zytomegalie-Infektionen bei ungeborenen Kindern ist es sinnvoll, wenn werdende Mütter vor oder während der Schwangerschaft einen Test auf CMV-Antikörper machen. Für CMV-negative Frauen – also solche ohne Antikörper im Blut – ist es ratsam, besonders auf Hygiene zu achten. Das bedeutet zum Beispiel, häufig die Hände zu waschen und Speichelkontakt mit anderen Menschen zu vermeiden (nicht aus demselben Glas zu trinken). Während der Schwangerschaft sollten sie auch nicht als Erzieherinnen arbeiten oder CMV-infizierte Personen pflegen.

Um einer Zytomegalie nach Bluttransfusionen und Organtransplantationen vorzubeugen, sollten CMV-negative Menschen nur Spenden von ebenfalls nicht Infizierten erhalten. Oft bekommen die Patienten in dem Fall spezielle Antikörper (CMV-Immunglobulin), die das Virus unschädlich machen können. Dieses Vorgehen ist auch bei CMV-positiven Frauen in der Schwangerschaft sinnvoll, um zu verhindern, dass das ungeborene Kind sich mit Zytomegalie infiziert.

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Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Berufsverband der Frauenärzte e.V.: www.frauenaerzte-im-netz.de (Abruf: 11/2017)
Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DPGI): www.dgpi.de (Abruf: 11/2017)
Gortner, L. et al.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017