Beruhigungsmittel (Sedativum, Sedativa)

Tabletten
© Oliver Symens / pixelio.de

Was sind Beruhigungsmittel?

Als Beruhigungsmittel, oder medizinisch Sedativa, bezeichnet man Medikamente, die eine dämpfende Wirkung auf das Gehirn haben. Beruhigungsmittel werden vor allem bei Unruhezuständen sowie bei psychischen Erkrankungen eingesetzt. Außerdem dienen Sedativa der Ruhigstellung von Patienten (Sedierung) im Rahmen von diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen (z.B. einer Magenspiegelung).

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Als Nebenwirkung können die meisten Beruhigungsmittel bei länger dauerndem Gebrauch abhängig machen. In hoher Dosierung unterdrücken Beruhigungsmittel die Atmung (Atemdepression, Atemstillstand), weshalb der Patient bei medizinischen Eingriffen während der Sedierung künstlich beatmet wird.

Welche Beruhigungsmittel gibt es?

Der Begriff Beruhigungsmittel umfasst eine Reihe von Wirkstoffen und Wirkstoffgruppen, die alle eine sedierende (dämpfende) Wirkung auf das Gehirn haben. Zu den Beruhigungsmitteln (Sedativa) zählen unter anderem:

  • Benzodiazepine: Benzodiazepine sind Psychopharmaka, die beruhigend, angstlösend, schlaffördernd, krampflösend und muskelentspannend wirken. Sie gehören zur Gruppe der Tranquilizer und werden vor allem als Beruhigungsmittel bei Ängsten, Unruhe, Schlafstörungen sowie bei psychischen Erkrankungen und Krampfanfällen eingesetzt. Es gibt verschiedene Benzodiazepine, die sich hinsichtlich ihres Wirkungseintritts und ihrer Wirkdauer unterscheiden. Zu den Benzodiazepinen zählen unter anderem die Wirkstoffe Diazepam, Flunitrazepam, Lorazepam, Nitrazepam und Oxazepam. Benzodiazepine können abhängig machen und zur Gewöhnung (Toleranz) führen. Sie dürfen deshalb nur kurzfristig und nach Anweisung des Arztes eingenommen werden.
  • Barbiturate: Barbiturate sind Medikamente, die zur Beruhigung, zum Ein- und Durchschlafen sowie zur Behandlung von Krampfanfällen verordnet werden („Schlafmittel“). Sie wirken schlaffördernd, muskelentspannend, krampflösend, dämpfend und angstlösend. Man unterscheidet kurz wirkende Barbiturate (z.B. Thiopental), mittellang wirkende Barbiturate (z.B. Cyclobarbital) und lang wirkende Barbiturate (z.B. Phenobarbital). Barbiturate können abhängig machen; sie beinhalten ein hohes Sucht- und Missbrauchspotenzial und sollten deshalb nur kurzfristig und nach Anweisung des Arztes eingenommen werden.
  • Neuroleptika: Neuroleptika, auch Antipsychotika genannt, sind Medikamente zur Behandlung von Psychosen. Sie zählen zu den Psychopharmaka und haben eine antipsychotische, dämpfende und beruhigende Wirkung. Neuroleptika bessern psychotische Symptome wie Wahn, Halluzination oder Verfolgungsangst. Neben Psychosen kommen Neuroleptika auch bei anderen psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und Zwangsstörungen zur Anwendung. Es gibt verschiedene Wirkstoffgruppen von Neuroleptika, die jeweils unterschiedlich starke antipsychotische Wirkung haben. Das erste Neuroleptikum war Chlorpromazin. Ein Neuroleptikum mit starker antipsychotischer Wirkung ist Haloperidol.
  • Antidepressiva: Antidepressiva zählen ebenfalls zu den Beruhigungsmitteln. Die Wirkstoffe werden in erster Linie zur Behandlung von Depressionen verordnet. Sie finden aber auch bei anderen psychiatrischen Erkrankungen und Zuständen wie Zwangsstörungen, Angststörungen, Panikattacken oder Essstörungen sowie chronischen Schmerzen Anwendung. Meist werden Antidepressiva unterstützend zu einer Psychotherapie eingesetzt. Es gibt verschiedene Gruppen und Untergruppen von Antidepressiva, zum Beispiel die trizyklischen Antidepressiva (nicht selektive Monoamin-Wiederaufnahme-Hemmer = NSMRI, wie Amitryptilin und Doxepin), die tetrazyklischen Antidepressiva (Alpha-2-Rezeptor-Antagonisten, wie Maprotilin), die MAO-Hemmer (wie Moclobemid), die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI, wie Citalopram und Fluoxetin) sowie die selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI, wie Duloxetin).

Des Weiteren zählen Narkosemittel (Narkotika), zum Beispiel die Wirkstoffe Propofol, Etomidat und Ketamin, zu den Beruhigungsmitteln. Sie werden unter ärztlicher Aufsicht während diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen verabreicht.

Starke Schmerzmittel, die direkt auf das Gehirn einwirken – sogenannte Opioide – gehören ebenfalls im weitesten Sinne zu den Beruhigungsmitteln. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Morphin, Fentanyl oder Sufentanil.

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Pflanzliche Beruhigungsmittel

Einige pflanzliche Wirkstoffe haben eine beruhigende Wirkung. Nicht immer ist diese wissenschaftlich nachgewiesen. Bekannte pflanzliche Beruhigungsmittel sind:

  • Baldrian: Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine Heilpflanze, die gegen Unruhezustände (z.B. bei Prüfungsstress) und leichte Schlafstörungen eingesetzt wird. Medizinisch wirksam ist der Extrakt der Baldrianwurzel. Baldrian kann als Tee, Tinktur, in Form von Kapseln und anderen Darreichungsformen angewendet werden. Baldrian macht nicht abhängig, kann aber zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Bauchschmerzen führen.
  • Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist ein pflanzliches Arzneimittel, das – als Johanniskraut-Extrakt – bei Unruhezuständen und leichten depressiven Verstimmungen eingenommen werden kann. Dem pflanzlichen Antidepressivum wird eine stimmungsaufhellende und angstlösende Wirkung zugesprochen. Die Wirksamkeit von Johanniskraut ist teilweise wissenschaftlich belegt. Johanniskraut ist im Allgemeinen gut verträglich, es kann aber die Wirkung anderer Arzneimittel abschwächen (z.B. Blutgerinnungshemmer, evtl. auch Anti-Baby-Pille). Die Wirkung von Johanniskraut tritt in der Regel nach etwa zwei bis drei Wochen ein.

Weitere Informationen

Autor: Dr. med. Martin Waitz
medproduction GmbH, www.medproduction.de  
Datum: März 2014
Letzte Aktualisierung: Januar 2015
Aktualisiert durch: Simon Korn, Biologe
Quellen:
Peters, U.H.: Lexikon Psychiatrie, Psychotherapie, Medizinische Psychologie. Urban & Fischer, 6. Auflage 2011
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Psychologie. www.psychologie.uni-bonn.de (Abruf: Januar 2015)