Tipps für den Auslandsaufenthalt

gesundes Reisen ins Ausland
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Eine andere Sprache erlernen, unbekannte Länder bereisen, neue Menschen treffen, in fremde Kulturen eintauchen, den eigenen Horizont erweitern oder einfach vielfältige Erfahrungen sammeln. Es gibt zahlreiche Gründe für einen Auslandsaufenthalt. Hier erfahren Sie, welche Möglichkeiten es gibt, ins Ausland zu gehen, und was Sie bei einem Auslandsaufenthalt beachten sollten.

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Als Schüler, Azubi oder Student: Der richtige Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt

Prinzipiell kann man jederzeit ins Ausland gehen, es gibt jedoch einige Lebensabschnitte, die öfter als andere für einen Auslandsaufenthalt genutzt werden. Schüler und Studenten zieht es besonders oft ins Ausland: 2011 waren ca. 134.000 Studenten an einer ausländischen Hochschule eingeschrieben, und im Schuljahr 2013/2014 nahmen rund 18.550 Schüler an einem Schüleraustausch teil. Von den Erfahrungen, die man während eines Auslandsaufenthalts sammelt, profitiert man aber in jeder Lebensphase.

Früh übt sich: Mit dem Schüleraustauch ins Ausland

Als Schüler kann man im Rahmen eines Schüleraustauschs ins Ausland gehen; beliebte Ziele sind die USA, Kanada, Neuseeland, Australien, Großbritannien, Irland und Frankreich. Wer an einem Schüleraustausch teilnehmen will, bewirbt sich bei einer von zahlreichen Austauschorganisationen. Die Organisation vermittelt dann einen Platz bei einer geeigneten Gastfamilie und an einer Partnerschule. Daher ist die Auswahl der passenden Austauschorganisation besonders wichtig. Größe und Gründungsjahr geben einen ersten Hinweis auf die Seriosität der Austauschorganisation, ebenso wichtig sind Erfahrungsberichte ehemaliger Austauschschüler und unabhängige Vergleichsportale. Für die USA gibt es eine spezielle Liste, die das Council on Standards for International Education Travel (kurz CSIT) herausgibt. In der jährlich aktualisierten Liste sind alle Austauschorganisationen aufgeführt, die den CSIT-Qualitätskriterien entsprechen.

Bei der Planung eines Schüleraustauschs sollte man unbedingt daran denken, das Vorhaben frühzeitig mit der eigenen Schule abzusprechen – je nach Bundesland existieren nämlich unterschiedliche Regeln für einen Auslandsaufenthalt. In jedem Bundesland gibt es aber grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder man kehrt nach dem Schuljahr im Ausland in den eigenen Jahrgang zurück, oder man wiederholt das Schuljahr.

Wichtig ist, dass man bereits grundlegende Kenntnisse in der Sprache des Gastlands besitzt, um sich mit der Gastfamilie und in der Schule verständigen zu können; aus diesem Grund verlangen alle Austauschorganisationen eine Sprachevaluation. Es empfiehlt sich zu prüfen, welche weiteren Voraussetzungen eine Austauschorganisation fordert, und welche Leistungen im Preis inbegriffen sind. Viele Organisationen bieten Komplettpakete an, in denen so gut wie alle Kosten enthalten sind, zum Beispiel für Flüge, Visum, Schulgeld und Bücher. Die Leistungspakete anderer Austauschorganisationen umfassen dagegen nur bestimmte Punkte, daher ist es wichtig, beim Preisvergleich darauf zu achten, welche Leistungen im Preis inbegriffen sind. Außerdem hat die Auswahl des Gastlands einen großen Einfluss auf den Preis: Neuseeland ist beispielsweise eines der teuersten Austauschziele weltweit, da es einerseits sehr weit weg ist, was mit hohen Kosten für Flüge verbunden ist, und die Anzahl der angebotenen Plätze zudem gering ist.

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Wer sich keinen Schüleraustausch leisten kann, hat die Möglichkeit, sich für ein Stipendium zu bewerben. Es gibt sowohl staatlich geförderte Stipendien im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP) als auch Stipendien der Austauschorganisationen. Bei allen Stipendien sind hervorragende schulische Leistungen sowie ein hohes Maß an sozialem Engagement und Motivation besonders wichtig.

Nach dem Abitur: FSJ und FÖJ im Ausland

Abitur – und was nun? Viele junge Menschen entscheiden sich dafür, nach dem Abitur ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr zu absolvieren. Dieses kann man auch nutzen, um ins Ausland zu gehen.

Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich sozial zu engagieren und etwas für ihre Mitmenschen zu tun. Von Australien bis Vietnam sind zahlreiche Ziele weltweit möglich – welche Organisationen gerade soziale oder gemeinnützige Projekte im Ausland anbieten, kann man in speziellen Stellenbörsen erfahren.

Wer sich im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahrs (FÖJ) für den Erhalt der Umwelt im Ausland einsetzen möchte, kann dies beispielsweise während eines Deutsch-Französischen ÖkoJahrs (DFÖJ) in Frankreich tun. Man kann sein FÖJ aber auch in Estland, Litauen, Polen, Österreich und Dänemark verbringen.

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Wichtig zu wissen ist, dass die Projektträger häufig nur einen Teil der anfallenden Kosten (zum Beispiel für Taschengeld, Versicherungen, Verpflegung und Unterkunft) übernehmen. Daher es ist sinnvoll, dass sich der Freiwillige einen Spenderkreis aufbaut, um den Rest der Kosten zu bestreiten. Solch ein Spenderkreis besteht aus Personen und Firmen, die das eigene Vorhaben finanziell unterstützen.

Azubi und Ausland: Eine gute Kombination

Wer andere Arbeitsweisen und Mentalitäten kennenlernen möchte, kann auch im Rahmen der Berufsausbildung ins Ausland gehen. Das Berufsbildungsgesetz sieht vor, dass bis zu einem Viertel der Lehrzeit in einem anderen Land verbracht und angerechnet werden kann. Das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ ermöglicht beispielweise Auszubildenden und Berufsschülern/-innen, Lernaufenthalte in der Form von beruflichen Praktika, Ausbildungsabschnitten und Weiterbildungsmaßnahmen im europäischen Ausland zu verbringen. Die Dauer dieser Aufenthalte kann zwischen zwei Wochen und zwölf Monate betragen. Organisiert werden solche Projekte von den Einrichtungen der beruflichen Aus- und Weiterbildung, d.h. von Unternehmen, Kammern oder berufsbildenden Schulen.

Der Klassiker: Studieren im Ausland

Die beliebtesten Länder für ein Auslandsstudium sind die Niederlande, Österreich, Großbritannien, die Schweiz, die USA und Frankreich. Wer im Ausland studieren möchte, sollte sich zuerst darüber klar werden, wie lange der Auslandsaufenthalt dauern soll. Wer später tatsächlich im Zielland arbeiten will, für den ist es sinnvoll, das komplette Studium im Ausland zu absolvieren. Es empfiehlt sich, wichtige Fragen bezüglich Einschreibefrist, Zulassungsbeschränkung, Notwendigkeit einer Sprachprüfung, Höhe der Studien- und Lebenshaltungskosten, Visumpflicht und nötigen Versicherungen rechtzeitig zu klären. Die Frage der Finanzierung ist dagegen schnell beantwortet: Es gibt bis auf sehr wenige Ausnahmen keine Stipendien – die Kosten für das Auslandsstudium muss der Studierende also selbst tragen. Für Länder der EU und für die Schweiz gibt es allerdings die Möglichkeit, Auslands-BAföG zu beantragen.

Wer dagegen seine Zukunft eher in Deutschland sieht, sollte sich an einer deutschen Hochschule einschreiben und lediglich ein oder zwei Semester im Ausland verbringen. Die meisten deutschen Hochschulen unterhalten Partnerprogramme mit ausländischen Hochschulen, beispielsweise im Rahmen des Erasmus+ Programms. Das Akademische Auslandsamt der jeweiligen Hochschule hilft bei der Planung und Durchführung des Auslandssemesters. Außerdem bietet der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vielfältige Informationen zum Thema Studieren im Ausland.

Arbeiten oder Reisen? Mit Work-and-Travel einfach beides kombinieren!

Wer kostengünstig Zeit im Ausland verbringen will, für den ist Work-and-Travel genau das Richtige. Oftmals wird diese Art des Auslandsaufenthalts auch als „Working Holiday“ bezeichnet. Für Work-and-Travel muss man mindestens 18 Jahre alt sein, das Höchst-Alter liegt je nach Zielland bei 30 bis 35 Jahren. Australien, Neuseeland, Kanada, Japan und einige andere asiatische Ziele wie Singapur, Hongkong und Südkorea bieten spezielle Work-and-Travel Visa an, mit denen man ein Jahr lang durch das Land reisen und dort arbeiten kann. Wer nicht ganz so weit in die Ferne schweifen möchte, der kann seinen Work-and-Travel-Aufenthalt auch in Europa verbringen. Beliebte Ziele in Europa sind zum Beispiel Spanien, Frankreich, England und Italien. Man kann einen Work-and-Travel-Aufenthalt entweder komplett selbst organisieren oder einen Reiseveranstalter damit beauftragen.

Mehr als nur Kindermädchen: Als Au-pair oder Demi-pair ins Ausland

Junge Menschen, die im Ausland in einer Gastfamilie tätig sind, bezeichnet man als Au-pair. Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet „auf Gegenleistung“. Eine sehr treffende Bezeichnung, denn als Gegenleistung für die Arbeit in der Gastfamilie erhält ein Au-pair ein Taschengeld sowie Verpflegung und Unterkunft. Das Mindestalter für einen Au-pair Aufenthalt hängt vom jeweiligen Gastland ab, liegt aber für gewöhnlich bei 18 Jahren. Die Aufenthaltsdauer liegt in der Regel zwischen sechs Monaten und zwei Jahren.

Die Hauptaufgabe eines Au-pairs ist normalerweise die Kinderbetreuung, je nach Land erwartet die Gastfamilie aber auch die Übernahme von leichtem Arbeiten im Haushalt. Putzen, Kochen, Waschen und Bügeln sollten jedoch nicht mehr als 50 Prozent der Zeit eines Au-pairs ausmachen. Um Problemen vorzubeugen, wird oft in einem Vertrag geregelt, welche Rechte und Pflichten Au-pair und Gastfamilie haben. Spezielle Vermittlungsagenturen bringen das Au-pair und die Gastfamilie zusammen und sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Au-pair-Aufenthalts. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine seriöse und verlässliche Vermittlungsagentur auszuwählen. Gütesiegel können hierbei eine wichtige Entscheidungshilfe sein, beispielsweise das von der Gütegemeinschaft Au-pair e.V. vergebene „Au-pair Outgoing“ RAL-Gütezeichen.

Eine Variante des Au-pair Aufenthalts ist der Demi-pair. Hier kümmert man sich nur die Hälfte der Zeit um die Kinder der Gastfamilie, die andere Hälfte der Zeit nutzt man für den Besuch eines Sprachkurses. Der Sprachunterricht steht bei dieser Form des Auslandsaufenthalts immer im Vordergrund.

Beliebte Ziele für Au-pair- und Demi-pair-Aufenthalte sind die USA, Australien, Kanada, Neuseeland, Großbritannien, Irland und China. Für beide Formen des Auslandsaufenthalts ist es wichtig, dass einem die Arbeit mit Kindern Spaß macht, man nachweislich Erfahrung in der Kinderbetreuung hat, und dass man bereits grundlegende Sprachkenntnisse besitzt, um sich mit seiner Gastfamilie verständigen zu können. Häufig wird auch ein PKW-Führerschein verlangt, damit man zum Beispiel die Kinder zur Schule fahren kann.

Kurz und knackig: Sprachreisen

Wer nicht gleich mehrere Monate oder gar ein Jahr im Ausland verbringen will, aber trotzdem seine Sprachkenntnisse verbessern möchte, für den eignet sich eine Sprachreise. Diese dauert üblicherweise eine bis sechs Wochen. In dieser Zeit steht der Besuch einer Sprachschule im Vordergrund – Freizeitaktivitäten und Sightseeing kommen aber auch nicht zu kurz. Meist wohnt man bei einer Gastfamilie oder kommt bei Einheimischen unter, sodass man nicht nur die Landessprache lebt, sondern auch die Kultur und Mentalität vor Ort kennenlernt. Je nach Zielgruppe gibt es Sprachreisen speziell für Schüler, Studenten, Geschäftsleute, Aktiv-Sportler, die Generation 50+ und viele mehr.

Fünf Tipps für einen erfolgreichen Auslandsaufenthalt

  • Finanzierung: Wer sich frühzeitig über die Kosten seines Auslandsaufenthalts informiert, Preise vergleicht und offen für Alternativen bezüglich Zielland und Aufenthaltsform ist, kann auch bei kleinem Portemonnaie den großen Traum vom Ausland verwirklichen.
  • Lost in Translation? Grundlegende Kenntnisse der Landessprache sind bei jedem Auslandsaufenthalt wichtig. Es kann daher sinnvoll sein, im Vorfeld einen Sprachkurs zu besuchen.
  • Gut geplant ist halb verreist: Bereits im Vorfeld sollte man alle wichtigen Fragen klären, zum Beispiel bezüglich Fristen, Visa, Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen – so erspart man sich vor Ort unliebsame Überraschungen.
  • Wichtig ist auch, an einen ausreichenden Versicherungsschutz zu denken! Empfohlen werden eine private Haftpflichtversicherung sowie eine private Unfallversicherung.
  • Für den Fall, dass man im Ausland krank wird, benötigt man eine gültige Krankenversicherung. Es gelten unterschiedliche Regeln abhängig davon, ob der Auslandsaufenthalt innerhalb oder außerhalb der EU stattfindet. Die Krankenkasse gibt Auskunft darüber, ob eine Zusatzversicherung notwendig ist.

Weitere Informationen

Autor: Dr. Annukka Aho-Ritter
medproduction, www.medproduction.de
Datum: Januar 2015
Quellen:
Deutscher Akademischer Austauschdienst: https://www.daad.de/de/ (Abruf: 01/2015)
Bundesarbeitskreis Freiwilliges Ökologisches Jahr: http://www.foej.de/index.html (Abruf: 01/2015)
Bundesarbeitskreis Freiwilliges Soziales Jahr: http://www.pro-fsj.de/ (Abruf: 01/2015)
Ausland.org: http://www.ausland.org/de/ (Abruf: 01/2015)
Weltweiser.de: http://www.weltweiser.de/ (Abruf: 01/2015)