Anthroposophische Medizin

Mistel
© Hans Braxmeier / pixabay.de

Die Anthroposophische Medizin ist eine auf dem anthroposophischen Weltbild basierende medizinische Richtung, bei welcher der Mensch als Individuum im Vordergrund steht. Sie umfasst u.a. naturphilosophische und religiöse Elemente und bezeichnet sich selbst als eine Ergänzung der Schulmedizin.

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Der österreichische Philosoph Rudolf Steiner (1865-1925) gilt als der Gründer der Anthroposophie, die man auch als „Wissenschaft vom Menschen“ bezeichnet. Die Anthroposophie betrachtet den Menschen nicht nur aus naturwissenschaftlicher Sicht, sondern berücksichtigt auch seelische und geistige Aspekte. Diese Grundlagen sind in den vier Wesensgliedern des Menschen zusammengefasst:

  • Physischer Leib: der anatomische Körper, auch „Stoffleib“ genannt
  • Ätherleib: alle lebenswichtigen Prozesse im Körper, z.B. Wachstum, Ernährung, Fortpflanzung oder Regeneration
  • Astralleib: das Gefühlsleben, z.B. Schmerz, Lust, Hunger
  • Ich: der Geist des Menschen; die Fähigkeit, Individualität, Persönlichkeit und Bewusstsein zu entwickeln und zu organisieren

Ab dem Jahr 1920 entwickelte Steiner – zusammen mit der Ärztin Ita Wegmann – die Anthroposophische Medizin. Sie beruht auf der Annahme, dass Erkrankungen dann entstehen, wenn die vier Wesensglieder nicht im Gleichgewicht sind. Analog zu den vier Wesensgliedern entstehen bei einem Ungleichgewicht vier unterschiedliche Krankheitstypen: Sklerose (physischer Leib), Geschwulst (Ätherleib), Entzündung (Astralleib) und Lähmung (Ich).

Wie wird Anthroposophische Medizin angewendet?

Um die Harmonie zwischen den einzelnen Bereichen wieder herzustellen, bedient sich die Anthroposophische Medizin verschiedener Naturheilmittel aus pflanzlichen, mineralischen, tierischen oder metallischen Substanzen. Diese Heilmittel sind häufig als homöopathische Arzneien, z.B. als Glukose-Kügelchen oder Tabletten, erhältlich. Neben diesen Substanzen umfasst eine medizinische Behandlung nach anthroposophischen Gesichtspunkten auch rhythmische Massagen, Ernährungslehre und Kunsttherapie. Ziel aller Ansätze ist es, die körpereigenen Selbstheilungskräfte so anzuregen, dass der Patient die Krankheit aus eigener Kraft heilt oder lindert.

Wofür wird Anthroposophische Medizin eingesetzt?

Vertreter der Anthroposophischen Medizin setzen diese Methode bei sämtlichen akuten und chronischen Beschwerden ein. Bei besonders schwerwiegenden Erkrankungen, etwa HIV und AIDS, Multiple Sklerose oder psychischen Störungen, lässt sich die Anthroposophische Medizin therapiebegleitend zur Schulmedizin anwenden.

Die Misteltherapie, eine eigene Therapieform der Anthroposophischen Medizin, spielt vor allem in der Behandlung von Krebspatienten eine besondere Rolle. Rudolf Steiner nutzte Extrakte der Schmarotzer-Pflanze, um Tumorerkrankungen entgegenzuwirken. Sie enthält u.a. Stoffe, die Krebszellen abtöten und zudem das Immunsystem anregen sollen.

Weitere Informationen

Autor: Miriam Lossau, Diplom-Fachjournalistin
Datum: Januar 2011
Letzte Aktualisierung: Januar 2015
Aktualisiert durch: Miriam Lossau, Diplom-Fachjournalistin
Quellen:
Bachmann, S., Längler, A.: Hausmittel in der modernen Medizin. Urban & Fischer, München 2005
Jänicke, Ch., Grünwald, J.: Alternativ heilen. Gräfe & Unzer, München 2006
Nickel, K., Velling, P., Mall, M.: Ganzheitliches Praxismarketing. Haug, Stuttgart 2005