Autoimmunerkrankungen

DNA, Erbgut
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Ursachen: Was sind die Ursachen für Autoimmunerkrankungen?

Das menschliche Immunsystem dient der Abwehr von körperfremden Substanzen und Erregern wie Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten. Wenn das Immunsystem auch körpereigenes Gewebe fälschlicherweise als fremd ansieht und daher eine überschießende Immunreaktion gegen dieses Gewebe herbeiführt, spricht man von einer Autoimmunerkrankung. Die Immunreaktion setzt einen Entzündungsprozess in Gang, der die Funktion des betroffenen Gewebes schädigt.

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Die krankheitsauslösenden Mechanismen von Autoimmunerkrankungen sind noch nicht endgültig aufgeklärt. Man geht aber davon aus, dass eine Autoimmunerkrankung vor allem durch die Kombination von ererbter Bereitschaft (sogenannter genetischer Prädisposition) und bestimmten äußeren Einflüssen entsteht. Hierzu zählen zum Beispiel Infektionen mit Viren oder Bakterien, Umweltbelastungen oder Medikamente. In solchen Fällen kann es passieren, dass das Immunsystem aufgrund von Ähnlichkeiten zwischen den fremden und körpereigenen Substanzen eine Reaktion gegen körpereigenes Gewebe hervorruft.

Ein Erbgang konnte für Autoimmunerkrankungen zwar bisher nicht nachgewiesen werden, allerdings gibt die familiäre Häufung Hinweise auf genetische Faktoren. So erkranken Geschwister von Betroffenen wesentlich häufiger an einer Autoimmunerkrankung als der Rest der Bevölkerung. Darüber hinaus können Stress, Schwangerschaften oder Veränderungen des Hormonhaushaltes die Entstehung und den Verlauf einer Autoimmunerkrankung beeinflussen.

Beschwerden: Wie äußert sich eine Autoimmunerkrankung?

Eine Autoimmunerkrankung kann jedes Organ und jedes Gewebe betreffen. Häufig äußern sich Immunerkrankungen über den Funktionsausfall des betroffenen Gewebes. Die genauen Symptome hängen von der Art der jeweiligen Erkrankung ab. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer organspezifischen und einer systemischen Autoimmunerkrankung. Bei einer organspezifischen Autoimmunerkrankung treten Krankheitssymptome des entsprechenden Organsystems in den Vordergrund, während bei systemischen Autoimmunerkrankungen mehrere Organe betroffen sein können.

Beispiele für Autoimmunerkrankungen und das betroffene Organ sind:

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Diagnose: Wie wird eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert?

Die Symptome und Blutwerte können einen ersten Hinweis auf eine Autoimmunerkrankung geben. Zudem finden sich häufig erhöhte Entzündungswerte im Blut. Als unspezifischer Suchtest für eine Autoimmunerkrankung kann der Nachweis sogenannter antinukleärer Antikörper (ANA) wertvoll sein. Die Diagnose kann bei vielen Autoimmunerkrankungen durch den Nachweis spezieller, für die jeweilige Krankheit typischer Autoantikörper oder Immunkomplexe gestellt werden. Diese lassen sich in der sogenannten Immunfluoreszenz spezifisch anfärben. Weitere Blutuntersuchungen können die Diagnose einer Autoimmunerkrankung unter Umständen erhärten.

Behandlung: Wie kann eine Autoimmunerkrankung behandelt werden?

Eine ursächliche Behandlung einer Autoimmunerkrankung ist bisher nicht möglich. Die Dämpfung des Immunsystems zur Unterdrückung der körpereigenen Abwehr ist daher bei vielen Autoimmunerkrankungen das vorrangige Therapieziel. Verschiedene Substanzen kommen dafür infrage, je nach Erkrankung auch in Kombination.

Bei Autoimmunerkrankungen häufig eingesetzte Medikamente sind:

  • Kortison
  • Immunsuppressiva und Zytostatika (Methotrexat, Azathioprin, Cyclophosphamid, Cyclosporin A)
  • Nicht-steroidale Antiphlogistika (zum Beispiel Azulfidine)

Bei bestimmten Autoimmunerkrankungen wie dem systemischen Lupus Erythematodes (SLE) kann eine Stammzell-Transplantation mit eigenen Blut-Stammzellen erfolgen. Ziel dieser Methode ist es, das Immunsystem praktisch „neu zu starten“. Neben der Unterdrückung der Immunreaktion ist es außerdem sehr wichtig, gegebenenfalls den Funktionsverlust des betroffenen Gewebes auszugleichen (zum Beispiel unterstützende Gabe von Hormonen bei Schilddrüsen- oder Nebennierenbeteiligung).

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Prognose: Wie ist die Prognose bei einer Autoimmunerkrankung?

Die Prognose einer Autoimmunerkrankung hängt stark vom betroffenen Organsystem und dem Zeitpunkt der Diagnosestellung ab. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser ist in vielen Fällen die Prognose.

Organspezifische Autoimmunerkrankungen lassen sich durch symptomatische Therapie häufig gut behandeln und gehen nicht immer mit einer Verringerung der Lebensqualität einher. Bei einer systemischen Autoimmunerkrankung bestimmen die Art des Organbefalls und die Aktivität der Erkrankung die Prognose. Sie ist meist sehr ernst, wenn es zum Befall des zentralen Nervensystems oder der Nieren kommt.

Vorbeugung: Wie kann man einer Autoimmunerkrankung vorbeugen?

Da bei Betroffenen meist eine genetische Prädisposition für eine Autoimmunerkrankung vorhanden ist, ist eine Vorbeugung nicht möglich. Es empfiehlt sich aber grundsätzlich, durch eine gesunde Lebensweise (ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse, viel Bewegung, wenig Stress) das Immunsystem zu stärken.

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Weitere Informationen

Autor: Dr. med. Maximilian Eckerland
medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Burt, R.K. et al.: Nonmyeloablative Hematopoietic Stem Cell Transplantation for Systemic Lupus Erythematosus. The Journal of the American Medical Association 2006; 295: 527-535
Deutsche Gesellschaft für Autoimmunerkrankungen: www.autoimmun.org (Abruf: 10/2017)
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017