Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)

Bauchspeicheldrüse und Arterien
© LifeART Wolters Kluwer Health, Inc.

Ursachen: Was sind die Ursachen von Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist ein sehr bösartiger Tumor, der in etwa 70 Prozent der Fälle im Pankreaskopf entsteht. Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt quer im Oberbauch. Sie produziert Verdauungssäfte, die sie in den Zwölffingerdarm abgibt, sowie die Hormone Glukagon und Insulin, die eine wichtige Rolle im Zuckerstoffwechsel spielen. Pankreaskarzinome sind neben Dickdarm- und Magenkrebs die häufigste Tumorart des Magen-Darm-Trakts und gelten als sehr gefährlich. Für Männer liegt das mittlere Erkrankungsalter bei 71 Jahren, für Frauen bei 75 Jahren. Bauchspeicheldrüsenkrebs macht zwar nur drei Prozent aller Krebsfälle aus, ist aber die vierthäufigste Todesursache von Krebserkrankungen.

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Wie bei vielen Krebserkrankungen, sind die Ursachen von Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht eindeutig geklärt. Einige Faktoren erhöhen jedoch das Risiko eines Pankreaskarzinoms. Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum begünstigen nachweislich die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Auch bei Kontakt mit bestimmten Chemikalien (zum Beispiel Lösungsmittel wie Naphthylamin und Benzidin) über einen längeren Zeitraum steigt die Wahrscheinlichkeit für ein Pankreaskarzinom. Starkes Übergewicht (Adipositas) sowie eine stark fetthaltige Ernährung gelten ebenso als Risikofaktor für Bauchspeicheldrüsenkrebs. In seltenen Fällen sind genetische Ursachen für die Entwicklung eines Pankreaskarzinoms verantwortlich. Wer an einer chronischen Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (Pankreatitis) oder an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) leidet, hat ebenfalls ein erhöhtes Risiko, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken.

Beschwerden: Wie äußert sich Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Bauchspeicheldrüsenkrebs bereitet kaum Beschwerden, was die Diagnose erheblich erschwert. Dadurch wird ein Pankreaskarzinom in der Regel sehr spät entdeckt. Meist suchen die Betroffenen erst dann einen Arzt auf, wenn sie Symptome einer fortgeschrittenen Erkrankung haben, zum Beispiel eine Gelbsucht (Ikterus) oder heftige Oberbauchschmerzen. Mehr als die Hälfte haben zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits Tochtergeschwulste des Tumors (Metastasen) in benachbarten Organen.

Das häufigste Symptom bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sind Schmerzen im Oberbauch (Epigastrium). Die Schmerzen können gürtelförmig auftreten und in den Rücken ausstrahlen. Weitere mögliche Symptome bei einem Pankreaskarzinom sind:

Diagnose: Wie wird Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert?

Um Bauchspeicheldrüsenkrebs zu diagnostizieren, sind mehrere Untersuchungen notwendig. Zunächst stellt der Arzt in einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) Fragen zu den Beschwerden, Vorerkrankungen und der Lebensweise (beispielsweise Nikotin- und Alkoholkonsum). Anschließend folgen eine gründliche körperliche Untersuchung und Blut-Untersuchungen. Mit der Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) des Oberbauchs und gegebenenfalls speziellen Röntgen-Untersuchungen, einer Computertomografie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT), lässt sich Bauchspeicheldrüsenkrebs und das Ausmaß der Erkrankung erkennen. Unter Umständen erfolgt im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) eine sogenannte Endosonografie (Ultraschall-Untersuchung von innen) sowie zur Untersuchung des Gallen- und Pankreasgangs eine Endoskopische Retrograde Cholangio-Pankreatikografie (ERCP) oder Magnet-Resonanz-Cholangiopankreatikografie (MRCP).

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Behandlung: Wie kann Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt werden?

Wenn sich der Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs bestätigt, wird unverzüglich mit der Therapie begonnen. Man unterscheidet kurative und palliative Behandlung. Die kurative Behandlung hat das Ziel, die Erkrankung zu heilen, während bei der palliativen Therapie die Symptomlinderung sowie die Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund stehen. Eine palliative Therapie erfolgt, wenn die eigentliche Erkrankung nicht mehr geheilt werden kann.

Eine Operation ist die einzige kurative Therapie und vor allem dann ratsam, wenn der Bauchspeicheldrüsenkrebs frühzeitig entdeckt wird und keine Fernmetastasen vorliegen. Wenn möglich, entfernt der Arzt nur einen Teil der Bauchspeicheldrüse. Bei fortgeschrittenen Tumoren kann es nötig sein, die komplette Bauchspeicheldrüse und gegebenenfalls weitere benachbarte Organe und Gewebe mit zu entfernen (totale Pankreatektomie). Ohne Bauchspeicheldrüse ist es notwendig, lebenslang sowohl Verdauungsenzyme als auch das Hormon Insulin künstlich zu ersetzen. Wenn Insulin fehlt, entsteht Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Bei einer Chemotherapie kommen Zellgifte, sogenannte Zytostatika, zum Einsatz. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs kann die Chemotherapie im Anschluss an die Operation erfolgen. Zytostatika finden auch Anwendung, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist und/oder sich Tochtergeschwulste gebildet haben sowie im Zuge einer palliativen Behandlung. Die Zytostatika wirken jedoch nicht spezifisch auf Tumorzellen, sondern schädigen auch gesunde Zellen des Körpers. Das verursacht zum Teil starke Nebenwirkungen, etwa Übelkeit oder Reizungen der Schleimhäute. Deshalb wird der Nutzen dieser Behandlung im Einzelfall abgewogen. In manchen Fällen kombinieren die behandelnden Ärzte die Chemotherapie mit einer Strahlenbehandlung. Die Erfolgsaussichten dieser Kombination werden zurzeit jedoch noch in klinischen Studien erprobt.

Neben Zytostatika gibt es neuartige Medikamente bei Bauchspeicheldüsenkrebs –sogenannte zielgerichtete Krebstherapien („targeted therapies“). Mithilfe dieser Behandlungsform versuchen Ärzte, gezielt Tumorzellen anzugreifen und gesunde Zellen zu schonen. Ein Wirkstoff, der bei Bauspeicheldrüsenkrebs bereits in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt wird, ist Erlotinib. Dieser Wirkstoff greift zielgenau in das Zellwachstum bestimmter Tumorzellen ein und hemmt somit die Zellvermehrung. Weitere zielgerichtete Substanzen werden erforscht.

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Prognose: Wie ist die Prognose von Bauchspeicheldrüsenkrebs?

In Deutschland steht Bauchspeicheldrüsenkrebs als Krebstodesursache an vierter Stelle. Der Grund dafür ist, dass ein Pankreaskarzinom in der Regel sehr spät entdeckt wird und die Behandlung meist schwierig ist. Grundsätzlich hängt die Prognose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs von der Art und dem Ausmaß des Tumors ab. Je fortgeschrittener Bauchspeicheldrüsenkrebs ist, desto schlechter ist die Prognose. Wird ein Pankreaskarzinom dagegen sehr früh festgestellt und behandelt, steigen die Heilungschancen.

Vorbeugung: Wie kann man Bauchspeicheldrüsenkrebs vorbeugen?

Um Bauchspeicheldrüsenkrebs vorzubeugen, empfiehlt es sich, mögliche Risikofaktoren zu meiden und auf eine gesunde Lebensweise zu achten. Dies bedeutet vor allem, auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten und sich fettarm und vitaminreich zu ernähren. Menschen mit familiärem (hereditärem) Bauchspeicheldrüsenkrebs sollten sich an ihren Arzt wenden und regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen in Anspruch nehmen.

Weitere Informationen

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Autor: Julia Alkan Demirel, Dr. med. M. Waitz
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Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Deutsche Krebshilfe: Krebs der Bauchspeicheldrüse. www.krebshilfe.de (Abruf: 10/2017)
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.: www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 10/2017)
Herold, G.: Herold Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten et al.: Exokrines Pankreaskarzinom. AWMF-Leitlinienregister Nr. 032/010 (Stand: 10/2013)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017