Dekubitus (Wundliegen)

Alte Frau, Bett
© Gerd Altmann / pixabay.com

Ursachen: Was sind die Ursachen von Dekubitus?

Als Dekubitus oder Wundliegen bezeichnet man eine chronische Wunde (Druckgeschwür), die zum Beispiel durch langes Liegen oder Sitzen entstehen kann. Häufig sind bettlägerige oder auf einen Rollstuhl angewiesene Personen von einem Dekubitus betroffen. Bei ihnen bewirkt die oft einseitige Körperhaltung, dass bestimmte Hautpartien dauerhaftem Druck ausgesetzt sind. Auch schlecht sitzende Prothesen oder zu enge Gipsverbände können einen Dekubitus verursachen. Der ständige Druck schädigt die Hautzellen selbst und presst zudem die darin verlaufenden Blutgefäße zusammen, wodurch die Haut nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Dies beeinträchtigt den Stoffwechsel und das Hautgewebe stirbt langsam ab. In schweren Fällen geht auch das unter der Haut liegende Bindegewebe zugrunde.

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Folgende Personengruppen haben ein erhöhtes Dekubitus-Risiko:

Feuchtigkeit, Bewegungsmangel und ein gestörtes Schmerzempfinden tragen zusätzlich zu einem erhöhten Risiko für Druckgeschwüre bei.

Beschwerden: Wie äußert sich Dekubitus?

Man unterscheidet bei Dekubitus vier Schweregrade, die unterschiedliche Symptome aufweisen:

  • Kategorie I: An den betroffenen Hautpartien tritt eine Rötung auf, die auch bei Entlastung bestehen bleibt. Der Bereich kann schmerzhaft sein und im Vergleich zum umgebenen gesunden Gewebe wärmer oder auch kälter.
  • Kategorie II: Die oberen Hautschichten sind geschädigt, man kann eine Blase, eine Abschürfung der Haut oder eine oberflächliche Wunde erkennen.
  • Kategorie III: Haut und Bindegewebe sind vollständig zerstört. Es besteht eine tiefe Wunde.
  • Kategorie IV: Die Wunde ist so tief, dass Muskel- beziehungsweise Knochengewebe freiliegt. Die Entzündung greift auf das unter der Haut liegende Gewebe über.

Diagnose: Wie wird Dekubitus diagnostiziert?

Der Arzt untersucht die Haut zunächst optisch auf Anzeichen für einen Dekubitus. Hautrötungen, die sowohl bei Entlastung als auch bei gezieltem Druck bestehen bleiben, weisen auf Wundliegen ersten Grades hin. Häufig sind diese Stellen erwärmt. Druckgeschwüre späterer Grade erkennt der Arzt meist an der Art der Wunde. Die Krankengeschichte sowie Risikofaktoren wie Bewegungseinschränkungen oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) geben dem Arzt weitere Hinweise, ob ein Dekubitus vorliegt.

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Bereiche, an denen die Haut direkt auf dem Knochen aufliegt, sind besonders gefährdet, zum Beispiel:

Durch die Untersuchung eines Abstriches aus der Wunde sowie diverse Blut-Untersuchungen stellt der Arzt fest, ob und inwieweit sich die Wunde infiziert hat.

Behandlung: Wie kann Dekubitus behandelt werden?

Als erste und wichtigste Maßnahme bei einem Dekubitus empfiehlt es sich, den betroffenen Bereich vollständig zu entlasten. Bei bettlägerigen Personen geschieht dies durch eine an die Beschwerden angepasste Lagerung und regelmäßiges Umlagern. Spezielle Kissen und Matratzen helfen, den Druck zu mildern. Das weitere Vorgehen richtet sich nach der Schwere des Dekubitus.

Bei einem Dekubitus der Kategorie I ist es ratsam, die betroffene Region vorsichtig zu säubern. Dazu eignet sich zum Beispiel eine Spülung mit Kochsalzlösung. Im Anschluss erfolgt eine Druckentlastung, sodass sich das betroffene Gewebe erholen kann. Ein Dekubitus der Kategorie I erfordert in der Regel keine besondere Hautpflege. Menschen mit einer empfindlichen Haut oder ältere Menschen können jedoch von einer leichten Pflege profitieren, etwa mit D-Panthenol oder harnstoffhaltigen Salben.

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Für einen Kategorie II-Dekubitus empfehlen sich neben der vorsichtigen Reinigung der Wunde zudem feuchte Verbände, die ein- bis zweimal täglich gewechselt werden, sowie spezielle Gelverbände. Dies unterstützt die Wundheilung. Für Dekubitus der dritten und vierten Kategorie hat sich die chirurgische Entfernung abgestorbenen Gewebes bewährt, um eine Infektion der Wunde zu vermeiden. Tiefe Wunden können mit Salbe gefüllt und mit speziellen Wundauflagen abgedeckt werden. Des Weiteren verschreiben Ärzte nach Bedarf Antibiotika, zur Eindämmung einer bakteriellen Entzündung, sowie Schmerzmittel.

Prognose: Wie ist die Prognose von Dekubitus?

Bei fachgerechter Behandlung ist ein Dekubitus in der Regel gut therapierbar. Die Behandlungsdauer hängt unter anderem davon ab, welche Kategorie vorliegt und wie der allgemeine Körperzustand ist. Bis ein Dekubitus vollständig ausgeheilt ist, können jedoch mehrere Monate vergehen. Nachdem die Symptome abgeklungen sind, weist die betroffene Stelle noch lange ein erhöhtes Risiko auf, erneut einen Dekubitus zu entwickeln. Deshalb muss die kritische Region auch im Anschluss an die Therapie beobachtet werden, um einen Rückfall zu vermeiden.

Grundsätzlich besteht bei einem Dekubitus die Gefahr einer bakteriellen Infektion des abgestorbenen Gewebes. Im ungünstigsten Fall kommt es zu einer Blutvergiftung (Sepsis), die sich auf den ganzen Körper ausbreiten kann.

Vorbeugung: Wie kann man Dekubitus vorbeugen?

Bei Risikogruppen für einen Dekubitus, wie bettlägerigen oder auf den Rollstuhl angewiesenen Personen, ist regelmäßiges Umlagern beziehungsweise Umsetzen wichtig. Auf diese Weise beugt man der einseitigen Belastung einzelner Körperpartien vor. Spezielle Kissen und Matratzen können zusätzlich helfen, einem Dekubitus vorzubeugen oder verhindern, dass sich ein bestehender Dekubitus verschlimmert. Zudem ist Bewegung sinnvoll, soweit dies den betroffenen Personen möglich ist. Dadurch wird die Haut insgesamt besser durchblutet. Schweiß, Wundsekret oder Urin (bei Blasenschwäche) machen die Haut empfindlicher und anfälliger für Wundliegen. Deshalb hilft auch eine konsequente Haut- und Körperpflege, um die Widerstandsfähigkeit der Haut zu stärken und einem Dekubitus vorzubeugen.

Weitere Informationen

Autor: Torben Riener, Dr. med. M. Waitz
medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum der letzten Aktualisierung: April 2020
Aktualisiert durch: Dr. Brit Neuhaus, Dipl. Biol.
Quellen:
Leitlinie des European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) und des National Pressure Ulcer Advisory Panel (NPUAP): Leitlinie Dekubitus Prävention. Eine Kurzanleitung. Stand: 2014. www.epuap.org (Abruf: 04/2020)
Protz, K. et al.: Moderne Wundversorgung. Urban & Fischer, München 2019
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017
Institut für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung e.V. Dekubitus-Ratgeber. https://www.dekubitus.de/ratgeber/dekubitustherapie (Abruf: 04/2020)