Leukämie bei Erwachsenen

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© Michael Bührke / pixelio.de

Ursachen: Was sind die Ursachen einer Leukämie?

Unter Leukämie versteht man eine Krebserkrankung der blutbildenden Zellen („Blutkrebs“). Dabei kommt es zu unkontrolliertem Wachstum von unreifen Vorstufen der Blutzellen („Leukämiezellen“) im Knochenmark und häufig auch im lymphatischen System (zum Beispiel Lymphknoten). In der Folge verteilen sich die Leukämiezellen im gesamten Körper, die gesunden Blutzellen werden in ihrer Funktion beeinträchtigt und zunehmend aus dem Knochenmark verdrängt. Bei vielen Betroffenen lagern sich die unreifen Vorstufen in anderen Organen ab.

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Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 10.000 Menschen an Leukämie und – darunter etwa 500 bis 600 Kinder. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei 70 Jahren und bei Frauen bei 72 Jahren. Es gibt verschiedene Leukämie-Formen: Die sogenannte chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Leukämie in den westlichen Ländern. Darüber hinaus zählen die akute myeloische Leukämie (AML), die chronische myeloische Leukämie (CML) und die akute lymphatische Leukämie (ALL) zu den häufigsten Leukämien. Während im Kindesalter nur akute Formen der Leukämie auftreten, finden sich bei Erwachsenen auch chronische Formen, die langsamer verlaufen und häufig ohne Beschwerden beginnen.

Die genauen Ursachen einer Leukämie sind unbekannt. Eine Rolle spielen:

  • Genetische Faktoren: Es kann zur Häufung von Leukämieerkrankungen innerhalb einer Familie kommen, was für eine genetische Veranlagung spricht. Menschen, die an einem Down-Syndrom leiden, haben ein erhöhtes Risiko für Leukämie.
  • Radioaktive Strahlung und Röntgenstrahlen: Durch radioaktive Strahlung kann das Erbmaterial von Zellen geschädigt werden. Als Folge können sich die bestrahlten Zellen zu Krebszellen entwickeln.
  • Chemische Substanzen: Besonders Benzol und seine Abkömmlinge werden mit der Entstehung von Leukämie in Verbindung gebracht. Die Substanz findet sich unter anderem in Zigaretten. In der Krebstherapie eingesetzte Substanzen (Zytostatika) können das Risiko einer Leukämie ebenfalls erhöhen, ebenso wie Pflanzenschutzmittel (Herbizide), Insektenschutzmittel (Insektizide) und andere biologische Stoffe (Biozide).
  • Viren: Bestimmte Leukämieformen können unter Umständen durch eine Viruserkrankung gefördert werden.

Beschwerden: Wie äußert sich die Leukämie?

Die Beschwerden einer akuten Leukämie entstehen meist plötzlich innerhalb weniger Wochen durch die Verdrängung der normalen Blutzellen. Mögliche Symptome bei Leukämie sind:

  • Blutarmut (Anämie)
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Knochenschmerzen
  • Blässe
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Schwindel
  • Nachtschweiß
  • Atemnot auch bei leichter Belastung
  • Blutungsneigung (zum Beispiel häufige blaue Flecken, Nasenbluten)
  • Häufige Infekte mit Fieber
  • Schwellung der Lymphknoten
  • Vergrößerung der Leber und der Milz

Eine chronische Leukämie verläuft bei vielen Betroffenen zunächst schleichend, es bestehen meist wenig oder nur sehr unspezifische Symptome. Die Erkrankung wird daher häufig zufällig entdeckt. Oft bestehen zudem insbesondere bei älteren Menschen Begleiterkrankungen, welche die Diagnose erschweren.

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Diagnose: Wie wird eine Leukämie diagnostiziert?

Der erste Verdacht auf Leukämie ergibt sich durch die Symptome. Um die Diagnose zu bestätigen, sind Blut-Untersuchungen und eine Knochenmark-Untersuchung notwendig. Damit lässt sich feststellen, welche Blutzellen oder Knochenmarkzellen verändert sind und somit, um welche Leukämie-Form es sich handelt. Mit speziellen Labormethoden wird das Erbgut der Blutzellen geprüft (Zytogenetik, Molekularbiologie) und nach genetischen Veränderungen gefahndet. Der Nachweis des sogenannten Philadelphia-Chromosoms findet sich beispielsweise bei über 90 Prozent der Betroffenen einer chronischen myeloischen Leukämie (CML) und häufig auch bei anderen Leukämien. An die Basisdiagnostik schließen sich häufig weitere Untersuchungen an, um den Befall anderer Organe beurteilen zu können.

Behandlung: Wie kann die Leukämie behandelt werden?

Je nach Leukämie-Form und Krankheitsstadium kommen unterschiedliche Therapien zum Einsatz. Eine Chemotherapie mit sogenannten Zytostatika ist in den meisten Fällen die wichtigste Behandlung der Leukämie. Dazu stehen verschiedene Zytostatika zur Verfügung, welche häufig in Kombinationen eingesetzt werden. Sie unterdrücken die Zellteilung und hemmen damit die Vermehrung von Krebszellen. Eine Therapie mit Zytostatika wirkt teilweise auch auf gesunde Körperzellen, sodass es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen kann. Vor allem bei älteren Leukämie-Patienten müssen Wirkungen und Nebenwirkungen der Leukämie-Therapie sorgfältig abgewogen werden.

In den letzten Jahren wurden Medikamente entwickelt, die gezielt an den Leukämie-auslösenden Krankheitsprozess angreifen und gesunde Zellen weitgehend schonen. Diese Medikamente sind Bestandteil der sogenannten zielgerichteten Krebstherapie („targeted therapy“). Imatinib ist ein solches Medikament. Es hemmt das Wachstum von bestimmten Tumorzellen und wird bei der chronischen myeloischen Leukämie sehr erfolgreich eingesetzt. Rituximab ist ein weiterer, zielgerichteter Wirkstoff und kommt bei der chronisch lymphatischen Leukämie bei jüngeren Patienten ohne andere Vorerkrankungen zum Einsatz. Welches Medikament sich im Einzelnen zur Leukämie-Behandlung eignet, hängt von der jeweiligen Leukämie-Form, aber auch vom Alter und allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.

Auch eine Interferon-Therapie kommt bei bestimmten Leukämie-Formen zum Einsatz. Bei Interferonen handelt es sich um körpereigene Botenstoffe des Immunsystems, welche die Abwehrzellen beim Kampf gegen Krankheitserreger und auch Tumoren ausschütten, um diese zu bekämpfen.

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Neben der Chemotherapie kann bei einer Leukämie eine Stammzellen-Transplantation erwogen werden. Häufig wird sie vor allem dann durchgeführt, wenn die medikamentöse Therapie nicht erfolgreich war oder es zu einem Rückfall der Erkrankung gekommen ist.

Prognose: Wie ist die Prognose der Leukämie?

Die Prognose hängt von der Leukämie-Form, dem Ansprechen der Therapie sowie den Komplikationen unter der Behandlung ab. Die Chance einer vollständigen Heilung ist durch die Möglichkeit der Stammzellen-Transplantation gestiegen. Auch die heute angewendeten Chemotherapien und zielgerichteten Krebstherapien („targeted therapies“) sind sehr effektiv. Durch die meist vorliegenden Begleiterkrankungen und den schlechteren Allgemeinzustand liegt die Prognose älterer Menschen meist unter der von jüngeren Betroffenen. Es kommt seltener zur Heilung beziehungsweise häufiger zu einem Rückfall der Leukämie.

Vorbeugung: Wie kann man einer Leukämie vorbeugen?

Maßnahmen, die eine Leukämie sicher verhindern können, sind nicht bekannt. Das Erkrankungsrisiko lässt sich durch das Meiden der Risikofaktoren (wie radioaktive Strahlung, chemische Substanzen und Viren) vermindern. Vor allem auf das Rauchen sollte man verzichten.

Weitere Informationen

Web-Tipps:
Kompetenznetz Leukämie: www.kompetenznetz-leukaemie.de
Deutsches Krebsforschungszentrum: www.krebsinformationsdienst.de
Deutsche Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de
Buch-Tipps:
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Autor: Dr. med. Maximilian Eckerland
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Datum der letzten Aktualisierung: Dezember 2017
Quellen:
Bühling, K.J. et al.: Intensivkurs: Allgemeine und spezielle Pathologie. Urban & Fischer, München 2008
Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V.: Chronische Lymphatische Leukämie (CLL) Leitlinie (Stand: 01/2017)
Deutsche Krebsgesellschaft: Therapie akuter Leukämien. www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 12/2017)
Deutsche Krebsgesellschaft: Therapie chronischer Leukämien. www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 12/2017)
Deutsche Krebshilfe: Leukämie bei Erwachsenen. www.krebshilfe.de ((Abruf: 12/2017)
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Leischner, H.: Basics Onkologie. Urban & Fischer, München 2013
Kompetenznetz Leukämie: www.kompetenznetz-leukaemie.de (Abruf: 12/2017)
Robert Koch-Institut (Hrsg.): Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Robert Koch-Institut, Berlin 2016