Magersucht (Anorexie)

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(C) Vidmir Raic / pixabay.de

Magersucht (Anorexia nervosa, kurz: Anorexie) ist eine psychische Erkrankung aus der Gruppe der Essstörungen. Bereits 1873 beschrieben die Ärzte Ernest-Charles Lasègue und William Gull die Magersucht erstmals als Krankheit.

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Vor allem junge Frauen sind von der Magersucht betroffen. Man schätzt, dass ein bis zwei Prozent aller Mädchen während der Pubertät diese Form der Essstörung entwickeln. Die Krankheit kann auch darüber hinaus fortbestehen bzw. in späteren Lebensphasen vorkommen. Auch Männer können von Anorexie betroffen sein. Sie machen ca. 10 bis 15 Prozent aller Erkrankten aus, allerdings wird die Dunkelziffer wesentlich höher geschätzt. Bei einigen Berufsgruppen (wie Models, Balletttänzer/innen oder Skispringer/innen) weisen bis zu 20 Prozent der Frauen und Männer Anzeichen einer Magersucht auf.

Mediziner unterscheiden zwei Formen der Magersucht:

  • Bei der Anorexia nervosa vom restriktiven Typ verzichten die Betroffenen auf Nahrung.
  • Beim Purging Typ (to purge [engl.]: reinigen, abführen) ergreifen die Anorektiker zusätzlich aktive Maßnahmen um Gewicht zu verlieren, wie den Gebrauch von Abführmitteln (Laxanzien) und Entwässerungsmitteln (Diuretika), selbst herbeigeführtes Erbrechen und/oder exzessives Sporttreiben.

Eine Magersucht ist kein leicht zu nehmender „Schlankheits-Tick“ oder ein Phänomen des Zeitgeistes, sondern eine ernste psychische Erkrankung. Wird eine Anorexie aber frühzeitig erkannt, kann den Betroffenen mit vielen Maßnahmen geholfen werden.

Ursachen: Was sind die Ursachen von Magersucht (Anorexie)?

Eine Magersucht (Anorexie) entwickelt sich wahrscheinlich aus einer Vielzahl von Ursachen, die immer weiter erforscht werden. Meist sind an der Entstehung von Magersucht mehrere Faktoren beteiligt. Keinesfalls ist das in der westlichen Welt vorherrschende Schönheitsideal als alleinige Anorexie-Ursache anzusehen.

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Mögliche Gründe für eine Magersucht sind:

  • Genetische (erbliche) Faktoren: Zwillingsstudien zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Magersucht zu entwickeln, überdurchschnittlich hoch ist, wenn ein Zwilling ebenfalls erkrankt ist.
  • Organische Ursachen: Viele Magersüchtige zeigen Veränderungen im Hormonhaushalt und dem Nervensystem im Gehirn. Betroffen sind sogenannte Neurotransmitter wie z.B. Serotonin, Dopamin und Endorphine, die unter anderem Hunger und Sättigungsgefühle regulieren.
  • Psychologische Einflüsse: Oft finden sich in der Geschichte von Magersüchtigen bestimmte familiäre Konstellationen oder Konflikte, wie Überbehütung, Kontrollzwang, Leistungsorientiertheit, Konfliktvermeidung, aber auch Missbrauch. Hinzu können Schwierigkeiten kommen, die körperlichen Veränderungen der Pubertät anzunehmen.
  • Kulturelle Faktoren: Das Schönheitsideal in westlichen Industrieländern mit ihrem Überschuss an Nahrungsmitteln hat sich in den vergangenen Jahrzehnten hin zu immer schlankeren Frauen entwickelt, bis hin zu einem krankhaften Ideal („Heroin Chic“). Dies könnte eine Magersucht mit begünstigen.

Beschwerden: Wie äußert sich die Magersucht (Anorexie)?

Eine Magersucht (Anorexie) lässt sich sowohl an körperlichen Symptomen, als auch an typischen Verhaltensweisen erkennen. Folgende Symptome treten bei der Magersucht immer auf und werden offiziell zur Diagnose einer Anorexie verwendet:

  • Untergewicht: ein Body-Mass-Index (BMI) von 17,5 oder niedriger
  • Selbst herbeigeführter Gewichtsverlust, z.B. durch Hungern, übertriebene sportliche Aktivitäten, sowie die Einnahme von Appetitzüglern, Abführmitteln und entwässernden Mitteln
  • Körperschema-Störung: Betroffene nehmen sich selbst trotz starken Untergewichts subjektiv als dick wahr.
  • Störungen des Hormonsystems: Bei Frauen bleibt die Regel aus (Amenorrhoe), Männer leiden unter Potenzstörungen. Ebenso kommt es zu veränderten Werten von Wachstumshormonen, Insulin, Schilddrüsenhormonen und Kortisol im Blut.
  • Verzögerte oder gehemmte Pubertät

Darüber hinaus führt die Unterernährung, unter anderem durch hormonelle Störungen und den Abbau von Muskelgewebe, zu weiteren Magersucht-Symptomen. Diese können sein:

Typische Verhaltensweisen bei Magersucht sind:

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  • Zwanghaftes Befassen mit Essen (Kochen für andere, ohne selbst zu essen, Einteilen von Nahrungsmitteln in Kategorien wie „gut“, „böse“, „verboten“)
  • Übermäßiger Bewegungsdrang
  • Starker Kontrollzwang (v.a. in Bezug auf das Körpergewicht)
  • Erfinden von Begründungen, nicht essen zu müssen bzw. extrem langsames Essen
  • Leugnen der Magersucht nach außen
  • Extremer Perfektionismus, Versagensängste, Leistungsorientiertheit

Diagnose: Wie wird eine Magersucht (Anorexie) diagnostiziert?

Zur Diagnose einer Magersucht (Anorexie) geben oftmals besorgte Angehörige den ersten Anstoß für einen Arztbesuch. Neben der Feststellung der körperlichen Anzeichen einer Magersucht (z.B. Bestimmung des Untergewichts anhand des BMI) führt der Arzt ein einfühlsames Gespräch. Kommt er zu der Einschätzung, dass eine Magersucht vorliegt, wird er eine Behandlung empfehlen.

Behandlung: Wie kann eine Magersucht (Anorexie) behandelt werden?

Die Entscheidung, welche Behandlungsschritte bei einer Magersucht (Anorexie) zuerst erfolgen, richtet sich nach dem Schweregrad der körperlichen Symptome des Betroffenen.

In jedem Fall sollte eine psychologische Behandlung erfolgen. Grundlage hierfür ist allerdings die Einsicht des Betroffenen, dass eine solche Therapie sinnvoll ist.

Je nach Schweregrad der Magersucht ist zusätzlich zur Psychotherapie (meist Verhaltenstherapie) die Gabe von Medikamenten sinnvoll. In manchen Fällen ist die Behandlung einer Anorexie in einer Spezialklinik ratsam. Hier erlernen die Betroffenen auch wieder einen normalen Umgang mit Nahrungsmitteln. Ergänzt wird die Therapie durch Gruppen-, Kunst-, und Ergotherapien. Idealerweise ist das Umfeld, z.B. in Form einer Familientherapie, mit in die Magersucht-Behandlung einbezogen.

Liegt sehr starkes Untergewicht vor, steht bei der Magersucht die Behandlung der körperlichen Folgen im Vordergrund, das heißt es erfolgt eine Aufnahme ins Krankenhaus mit dem Ziel der Gewichtszunahme. Diese muss eventuell langsam erfolgen, um Organschädigungen zu vermeiden. In sehr schweren Fällen von Magersucht kann eine Zwangsernährung nötig sein.

Prognose: Wie ist die Prognose der Magersucht (Anorexie)?

Insgesamt können 50 bis 60 Prozent der Menschen mit Magersucht (Anorexie) geheilt werden, die Prognose ist also grundsätzlich gut. Allerdings kann eine erfolgreiche Magersucht-Behandlung fünf Jahre oder länger dauern, da die Auslöser der Krankheit gefunden und diese Strukturen verändert werden müssen, um eine dauerhafte Heilung zu ermöglichen.

Nach wie vor sterben durchschnittlich zehn Prozent aller Magersüchtigen an den Folgen ihrer Krankheit. Die Magersucht hat damit die höchste Sterblichkeitsrate aller psychischen Erkrankungen. Die Ursachen sind meist Herzversagen oder Infektionen der Lunge als Folge des starken Untergewichts, zum Teil kommt es aber auch zu Selbstmord (Suizid) aufgrund einer Depression.

Die Sterblichkeit hängt direkt mit der Dauer der Magersucht zusammen. Je früher die Magersucht erkannt wird, desto besser ist also die Prognose.

Vorbeugung: Wie kann man einer Magersucht (Anorexie) vorbeugen?

Da eine Magersucht (Anorexie) viele Ursachen hat, sind allgemeine Empfehlungen zur Vorbeugung schwierig. Die wichtigste Maßnahme greift bereits in der Kindheit: Durch das Vermitteln eines guten Körpergefühls und eines starken Selbstbewusstseins können Familien hier einen entscheidenden Grundstein legen. Darüber hinaus ist es wichtig, im Alltag ein gesundes Essverhalten vorzuleben. Nicht zuletzt sollte man versuchen, gerade in der Pubertät einen kritischen Umgang mit dem vorherrschenden Schönheitsideal zu vermitteln.

 

Weitere Informationen zur Magersucht (Anorexie)

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: http://www.bzga-essstoerungen.de/index.php?id=55
Wissenschaftsjournalistisches Projekt: http://www.anorexie-heute.de/
Buch-Tipps:
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Autor: Dr. Katja Brennan, Diplom-Biologin
Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: http://www.bzga-essstoerungen.de/index.php?id=55 (Abruf: 10/2017)
Lernplattform „Spomedial“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: http://vmrz0100.vm.ruhr-uni-bochum.de/spomedial/content/e866/e2442/e9012/e9405/e9414/e9437/index_ger.html (Abruf: 10/2017)
Deutsche Suchhilfestatistik des Bundesministeriums für Gesundheit: http://www.suchthilfestatistik.de/cms/content/view/199/ (Abruf: 10/2017)
Machleidt, W. et al., Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 1999
Pro Psychotherapie e.V.: Therapeutensuche. http://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/essstoerungen/entstehung-und-vorbeugung/ (Abruf: 10/2017)
Universität Heidelberg: https://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca3_2000/zipfel-herzog.html (Abruf: 10/2017)
Wissenschaftsjournalistisches Projekt: http://www.anorexie-heute.de/koerper/ (Abruf: 10/2017)