Nesselsucht (Urtikaria)

Quaddeln
© Hans Braxmeier / pixabay.de

Ursachen: Was sind die Ursachen der Nesselsucht (Urtikaria)?

Die Nesselsucht (Urtikaria) bezeichnet eine Gruppe von Hautkrankheiten, die als Reaktion auf Infekte, Umwelteinflüsse oder im Rahmen von Allergien und Unverträglichkeiten auftreten. Charakteristisch bei der Nesselsucht sind blassrote oder rot umrandete Hauterhebungen – sogenannte Quaddeln (Urticae) – und ein starker Juckreiz.

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Man unterscheidet zwei Formen der Nesselsucht:

  • Akute Nesselsucht: Die Quaddeln erscheinen recht plötzlich auf der Haut. Auslöser sind häufig Infekte oder Medikamente, meist bleibt die Ursache aber unbekannt. Bei rund 15 bis 20 Prozent der Menschen tritt im Laufe ihres Lebens einmal eine akute Nesselsucht auf. Meist verschwinden Quaddeln und Juckreiz binnen ein bis zwei Tagen.
  • Chronische Nesselsucht: Der Hautausschlag besteht über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen. Die juckenden Quaddeln können sich entweder kontinuierlich neu bilden, oder kurzzeitig zurückgehen und wieder aufflammen (chronisch-rezidivierender Verlauf). Bei chronischen Formen der Nesselsucht ist es wichtig, auslösende Faktoren zu ermitteln, um die Symptomatik einzudämmen.

Die Ursache der Nesselsucht ist eine überempfindliche Reaktion auf einen oder mehrere Reize. Dies äußert sich darin, dass der Körper vermehrt Histamin und andere Mediatorstoffe ausschüttet, die auf der Haut Rötungen und kleine Wassereinlagerungen (Ödeme) auslösen. Die Folge sind juckende Erhebungen auf der Haut – die für die Nesselsucht typischen Quaddeln.

Für die Urtikaria kommt eine ganze Reihe von Auslösern infrage. Häufig reagieren Menschen, die zu Nesselsucht neigen, auf mehrere Auslöser. Folgende Faktoren spielen bei der Nesselsucht oft eine Rolle:

  • Nahrungsmittel, gegen die eine Allergie (zum Beispiel Nüsse) oder eine Unverträglichkeit (zum Beispiel Farb- oder Konservierungsstoffe) besteht
  • Medikamente, gegen die eine Allergie (zum Beispiel Penizillin) oder eine Unverträglichkeit (zum Beispiel Azetylsalizylsäure) besteht
  • Infektionen mit Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten
  • Autoimmunerkrankungen

Etwa 15 bis 20 Prozent der Nesselsucht-Betroffenen leiden unter einer sogenannten physikalischen Urtikaria. Das bedeutet, die Haut reagiert auf bestimmte physikalische Reize wie Wärme (Wärmeurtikaria), etwa beim Anfassen heißer Gegenstände oder Haare föhnen, oder Kälte (Kälteurtikaria), zum Beispiel bei kaltem Wind oder in kühlem Wasser.

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Eine bekannte Form der physikalischen Nesselsucht ist die Lichturtikaria, welche durch bestimmte Lichtfrequenzen ausgelöst wird. Im Volksmund wird das Phänomen, wenn sich nach einem Sonnenbad großflächige Quaddeln bilden, oft als „Sonnenallergie“ bezeichnet. Die Nesselsucht tritt auch oft in Form einer Urticaria factitia auf. Hier zeigt die Haut sich überempfindlich gegen Scherkräfte wie Kratzen, Reiben oder Scheuern. So bilden sich oft genau entlang von Kratzspuren linienförmige Quaddeln.

Eine Sonderform der Nesselsucht ist die Schwitzurtikaria (cholinergische Urtikaria), welche durch eine Erhöhung der Körperkerntemperatur ausgelöst wird. Die für diese Form der Nesselsucht typischen Quaddeln treten beispielsweise nach emotionalem Stress, körperlicher Anstrengung, Fieber, einem heißen Bad oder dem Verzehr scharfer Speisen auf.

Beschwerden: Wie äußert sich die Nesselsucht (Urtikaria)?

Die erste Beschwerde bei der Nesselsucht ist ein starker Juckreiz, gefolgt von geröteten Erhebungen auf der Haut – den für Nesselsucht typischen Quaddeln. Eine häufige Begleiterscheinung sind tiefe Hautschwellungen (Angioödeme).

Die Quaddeln können klein oder großflächig verteilt sein und in verschiedenen Formen und Mustern vorkommen. Oft sind sie rosa oder weiß und besitzen eine rote Umrandung. In ihrem Aussehen und der Schwellung erinnert die Nesselsucht an den Ausschlag, der bei Berührung einer Brennnessel entsteht. Daher leitet sich die Bezeichnung Urtikaria von dem lateinischen Wort urtica (= Brennnessel) ab.

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Als besonders belastendes Symptom der Nesselsucht empfinden viele Betroffene den intensiven Juckreiz. Anders als bei den meisten Hauterkrankungen reiben Menschen mit Nesselsucht eher die juckenden Hautstellen, statt sie zu kratzen.

Tiefe Hautschwellungen begleiten in etwa der Hälfte der Fälle die Nesselsucht. Nur zu zehn Prozent treten diese sogenannten Angioödeme allein auf. Lippen, Augenlider, Kinn, Zunge oder Genitalien schwellen binnen Minuten stark an und rufen eventuell Spannungsschmerzen hervor.

Diagnose: Wie wird die Nesselsucht (Urtikaria) diagnostiziert?

Die Nesselsucht selbst kann ein Arzt anhand des Hautbilds und der beschriebenen Symptome relativ schnell und sicher diagnostizieren. Schwieriger ist es, die Auslöser und somit die genaue Form der Nesselsucht herauszufinden.

Wichtig ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt, in dem geklärt wird, in welchem Zeitraum welche Urtikaria-Symptome auftreten. Bei der chronischen Nesselsucht spielt es eine große Rolle, ob Quaddeln und Angioödeme im Tages- oder Wochenverlauf unterschiedlich stark erscheinen und ob es schon zuvor Urtikaria-Phasen gegeben hat. Oft ist es sinnvoll, ein Tagebuch zu führen, in dem man die Symptome und mögliche Auslöser wie Ernährung und Medikamente dokumentiert.

Besteht über längere Zeit ein Nesselsucht-typischer Ausschlag ohne erkennbare Ursache, ist es ratsam, dass der Arzt neben der körperlichen Untersuchung verschiedene Laborwerte prüfen lässt. Bei einer Blut-Untersuchung kann er Hinweise auf Infektionskrankheiten und bestimmte Immunreaktionen finden. Auch ein Allergietest kann bei einer chronischen Nesselsucht sinnvoll sein.

Besteht der Verdacht, dass eine Unverträglichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel oder deren Bestandteile die Nesselsucht auslöst, ist es ratsam, für einige Wochen eine spezielle Diät einzuhalten. Dabei werden typische Auslöser – sogenannte Pseudoallergene – vorerst vom Speiseplan gestrichen. Bessern sich die Urtikaria-Symptome, kann man sie nach und nach wieder einführen. So lässt sich der Auslöser der Nesselsucht in der Regel gut diagnostizieren.

Physikalische Formen der Nesselsucht diagnostiziert der Arzt mit sogenannten Provokationstests. Beim Verdacht auf eine Kälteurtikaria wird die Haut zum Beispiel mit kaltem Wasser oder Eiswürfeln in Kontakt gebracht. Bei einer möglichen cholinergischen Urtikaria unterzieht sich der Betroffene dagegen einem Anstrengungstest oder nimmt unter medizinischer Aufsicht ein heißes Bad.

In einigen Fällen bleibt der Auslöser der Nesselsucht trotz allem unklar. In diesem Fall spricht man von einer idiopathischen Urtikaria.

Behandlung: Wie kann die Nesselsucht (Urtikaria) behandelt werden?

Eine akute Nesselsucht klingt meistens von alleine noch am selben Tag oder binnen weniger Tage ab. In diesem Fall ist keine weitere Behandlung notwendig. Liegt ein erkennbarer Auslöser vor, sollte man diesen entfernen beziehungsweise weglassen. Wenn Quaddeln und Juckreiz länger als einen Tag bestehen, können Medikamente wie Antihistaminika gegen die Symptome der Nesselsucht eingesetzt werden, in schweren Fällen mit tiefen Schwellungen verschreibt der Arzt Glukokortikoide wie Kortison.

Für die Behandlung einer chronischen Nesselsucht ist es ratsam, die genaue Form der Urtikaria zu diagnostizieren, um den individuellen Auslöser vermeiden zu können. So kann man trotz Nesselsucht dauerhaft beschwerdefrei leben, wenn man eine bestimmte Diät einhält (z.B. ohne Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln) oder den Wirkstoff eines Medikaments meidet, der die Urtikaria auslöst. Bestehende Infektionen sollten diagnostiziert und behandelt werden.

Wenn die Ursache der Nesselsucht unbekannt bleibt oder nicht zu vermeiden ist, helfen meist Medikamente aus der Klasse der Antihistaminika, um die Symptome zu bekämpfen. Diese Wirkstoffe werden häufig gegen Allergien eingesetzt; sie blockieren das körpereigene Histamin, den Hauptauslöser für Quaddeln, Juckreiz und Angioödeme. Meist sind moderne Antihistaminika das Mittel der Wahl, da sie nicht so müde machen wie die älteren Generationen.

Ergänzend können spezielle Cremes und Salben, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Polidocanol, bei Nesselsucht Linderung verschaffen. Glukokortikoide wie Prednison werden bei der chronischen Nesselsucht nur kurzfristig eingesetzt. Ist eine Allergie Auslöser der Nesselsucht, kann auch eine Hyposensibilisierung sinnvoll sein.

Prognose: Wie ist die Prognose der Nesselsucht (Urtikaria)?

In den meisten Fällen handelt es sich um die akute Form der Nesselsucht. Diese hat eine gute Prognose: Innerhalb weniger Stunden oder Tage, spätestens allerdings nach sechs Wochen klingen Juckreiz und Quaddeln ab. Oft führt der individuelle Auslöser später nicht mehr zu Urtikaria-Symptomen.

In einigen Fällen geht die akute Nesselsucht in eine chronische Form über, das heißt, sie besteht länger als sechs Wochen. Hier hängt die Prognose stark davon ab, ob ein Auslöser auffindbar ist. Kann dieser vermieden werden, bleiben auch die Symptome aus. Ist eine Infektion die Ursache der Nesselsucht, zum Beispiel ein Befall mit dem Magenkeim Helicobacter pylori, klingen wenige Tage oder Wochen nach dessen Behandlung auch die Urtikaria-Symptome ab.

Vor allem aber bei unbekanntem Auslöser (idiopathische Urtikaria) kann es über Monate und Jahre hinweg immer wieder zu Nesselsucht-Schüben mit Quaddeln kommen. Im Durchschnitt dauert die chronische Nesselsucht drei bis fünf Jahre an, die aber von symptomfreien Tagen und Wochen unterbrochen werden.

Vorbeugung: Wie kann man der Nesselsucht (Urtikaria) vorbeugen?

Grundsätzlich lässt sich der Nesselsucht nur schwer vorbeugen. Die Auslöser sind vielfältig und individuell sehr verschieden. Somit ist nicht vorhersehbar, ob die Haut auf einen bestimmten Reiz mit Urtikaria-Symptomen reagiert.

Bei einer bestehenden chronischen Nesselsucht kann der Betroffene neuen Schüben vorbeugen, indem er die diagnostizierten Auslöser vermeidet. Dazu kann der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder Medikamente gehören. Bei physikalischer Urtikaria sollte man sich vor UV-Strahlung, kaltem Wind oder anderen Auslösern schützen, damit die Nesselsucht nicht erneut ausbricht.

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Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) et al.: S3-Leitlinie Urtikaria. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/028 (Stand: 04/2011)
Plewig, G. et al.: Braun Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Berlin Heidelberg 2012
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017