Alternative Schmerztherapien: CBD gegen chronische Schmerzen

Kopfschmerzen (Foto: Pixabay.com)
Kopfschmerzen (Foto: Pixabay.com)

Chronische Schmerzen lassen sich mit Medikamenten sowie mit nicht-medikamentösen Verfahren behandeln. Als chronisch stufen Mediziner Schmerzen ein, die länger als drei Monate anhalten, obwohl die Ursache abgeheilt ist. Unter den alternativen Schmerztherapien bei chronischen Schmerzen sind in den letzten Jahren zunehmend Cannabis-Präparate in den Fokus gerückt. Welche Wirkungen Cannabidiol (CBD) und THC haben, und bei welchen Arten von Schmerzen Cannabis eingesetzt werden kann, erfahren Sie hier.

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Cannabis (Hanf) ist eine der ältesten Pflanzen der Erde. Sie enthält mehrere Wirkstoffe, darunter Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC). Als nicht legales Genuss- und Rauschmittel kennt man Cannabis insbesondere als Marihuana, das sind die getrockneten Blätter und Blütenstände der Pflanze, sowie als Haschisch, welches das Harz der Blütenhaare der weiblichen Hanfpflanze bezeichnet. Die berauschende Wirkung von Cannabis beruht auf dem hohen Anteil an THC, wohingegen CBD keine berauschende Wirkung hat.

Immer mehr Studien und Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass Cannabis gegen Schmerzen helfen und positive gesundheitliche Wirkungen haben kann. Deshalb wird Cannabis zunehmend in der Medizin eingesetzt. Frei verkäuflich und ohne ärztliches Rezept erhältlich sind nur CBD-Präparate, zum Beispiel CBD-Öl. Für sie gilt ein Grenzwert für THC, die sogenannte Akute Referenzdosis (ARfD), von 0,001 Milligramm THC pro Kilogramm Körpergewicht. Dieser Wert darf nicht überschritten werden. Wenn die Menge an THC größer oder gleich 2,5 Milligramm pro Person und Tag ist, gilt das Cannabis-Präparat als Arzneimittel und muss vom Arzt verordnet werden („Cannabis auf Rezept“).

Cannabis in der Schmerztherapie

Gegen chronische Schmerzen werden häufig Schmerzmittel eingesetzt, zum Beispiel sogenannte Nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID, wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen) oder – bei starken Schmerzen – sogenannte Opioid-Analgetika wie Tramadol oder Morphin. Sie helfen gegen die Schmerzen, haben aber – vor allem bei langfristiger Anwendung – zum Teil starke Nebenwirkungen. Als Alternative oder Ergänzung zu Schmerzmitteln werden daher oft Verfahren wie Akupunktur, Wärme- und Kälteanwendungen oder Entspannungsmethoden gegen chronische Schmerzen angewandt.

In vielen Kulturen gilt zudem Cannabis seit langem als Heil- und Schmerzmittel, und auch hierzulande rücken Cannabis-Präparate immer stärker in den Fokus der alternativmedizinischen Schmerzbehandlung. Ohne ärztliches Rezept ist der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) zur Linderung von Schmerzen erhältlich. Auch wenn die Studienlage derzeit noch recht dünn ist, gibt es erste positive Erfahrungen über CBD-Produkte wie CBD-Öl zur Schmerztherapie. Demnach könnten CBD-Produkte in der Lage sein, Schmerz und Entzündungen zu lindern. CBD hat keine berauschende Wirkung und es sind kaum Nebenwirkungen bekannt. In wenigen Fällen wurden nach der Anwendung von CBD-Ölen leichte Nebenwirkungen wie Durchfall, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust beobachtet.

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Im Gegensatz zu CBD muss medizinisch aufbereitetes THC vom Arzt verordnet werden. THC hat eine stärkere Wirkung und ist zudem psychoaktiv, das heißt, es hat eine berauschende Wirkung. In Studien gut belegt ist die Wirkung von THC bei sogenannten neuropathischen Schmerzen, die durch Schädigungen oder Erkrankungen des Nervensystems entstehen. So kann beispielsweise der Wirkstoff Dronabinol die Übertragung von Schmerzreizen hemmen. Dronabinol ist ein aus der Cannabis-Pflanze gewonnenes THC. Studien zufolge erleben Patienten mit neuropathischen Schmerzen sowohl objektiv als auch subjektiv eine Verbesserung der Schmerzen und der Lebensqualität durch die Behandlung mit THC-Cannabinoiden. Die Behandlung erfolgt in den Studien allerdings nie mit Cannabinoiden alleine, sondern nur begleitend zur klassischen Schmerztherapie mit Schmerzmitteln und anderen Verfahren. Cannabinoide werden auch nur dann eingesetzt, wenn andere Schmerzmittel nicht oder nur unzureichend helfen.

Bei welchen Schmerzen werden Cannabinoide angewandt?

Cannabinoide werden vor allem bei Schmerzen angewandt, die sich mit einer klassischen Schmerztherapie nicht ausreichend lindern lassen. Schmerzen, die länger als drei Monate andauern, bezeichnen Mediziner als chronische Schmerzen. Schmerzforscher gehen davon aus, dass sie häufig die Folge eines überempfindlich gewordenen Nervensystems sind. In Deutschland verordnen Ärzte Schmerzpatienten seit 2018 vermehrt medizinisches Cannabis mit THC. Viele Patienten greifen aber auch zu frei verkäuflichen CBD-Präparaten gegen Schmerzen, wie CBD-Öl.

Häufige chronische Schmerzen sind:

Neben der Schmerzlinderung und Entzündungshemmung sind weitere mögliche gesundheitliche Wirkungen von Cannabinoiden:

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Autor: Redaktion medproduction
Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Martin Waitz
Datum: Juli 2020
Quellen:
Bundesinstitut für Risikobewertung: THC. www.bfr.bund.de (Abruf: 07/2020)
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.: https://www.dgschmerzmedizin.de/ (Abruf: 07/2020) Hemppedia: CBD in der Schmerztherapie: https://hemppedia.org/de/cbd-gegen-chronische-schmerzen/ (Abruf: 07/2020)
Rahn, E. et al.: Cannabinoids as pharmacotherapies for neuropathic pain: From the bench to the bedside. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2755639/ (Abruf: 07/2020)
Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Chronische Schmerzen verstehen. https://www.gesundheitsinformation.de/chronische-schmerzen-verstehen.2607.de.html?part=ursachen-n7 (Abruf: 07/2020)