Erkältung, Grippe oder COVID-19?

Viren (Foto: Pixabay.com)
Viren (Foto: Pixabay.com)

Husten, Schnupfen, Fieber: Nur eine banale Erkältung oder steckt womöglich eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 – dem Erreger von COVID-19 – hinter den Symptomen? Diese Frage stellen sich derzeit viele Menschen. Zudem sind sie verunsichert hinsichtlich der Berichterstattung über die zunehmende Ausbreitung des Virus und die schweren, zum Teil tödlichen Verläufe. Dabei unterscheiden sich Erkältung, Grippe und COVID-19 durchaus in ihren Symptomen. Sicherheit bringt letztlich jedoch nur ein Labortest.

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Erkältung: die harmloseste unter den Infektionen

Eine Erkältung bezeichnen Mediziner auch als grippalen Infekt. Sie kommt recht häufig vor: Viele Erwachsene sind zwei- bis viermal pro Jahr erkältet, Kinder sogar sechs- bis achtmal. Die Erkältung unterscheidet sich hinsichtlich ihrer Ursache, ihrer Symptome und ihres Verlaufs von der „echten“ Grippe, der Influenza. Eine Erkältung wird meistens durch Viren ausgelöst, vor allem Adenoviren, Rhinoviren, Parainfluenza-Viren, Coxsackie-Viren und RS-Viren. Begünstigt wird die Infektion durch das nasskalte Wetter im Herbst und Winter. Zu dieser Jahreszeit ist man oft durchgefroren und hält sich häufiger in geschlossenen, überheizten Räumen mit vielen Menschen auf. Die Ansteckung erfolgt über die sogenannte Tröpfcheninfektion: Wenn jemand, der erkältet ist, niest oder hustet, gelangen die Erreger in die Luft und können eingeatmet werden. Auch über eine Schmierinfektion können Erkältungserreger übertragen werden, zum Beispiel über kontaminierte Türklinken oder wenn der Erkältete in seine Hand niest und die Erreger danach beim Händeschütteln weitergibt.

Typische Symptome einer Erkältung sind Halsschmerzen, Husten und Schnupfen. Zusätzlich sind leichtes Fieber, Abgeschlagenheit und mäßige Kopfschmerzen möglich. Die Symptome der Erkältung treten meist schleichend über mehrere Tage auf und verlaufen milder als bei einer Grippe. Nach drei bis sieben Tagen bessern sich die Beschwerden meist und die Erkältung heilt folgenlos aus. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen sich Erkältungen über mehrere Wochen hinziehen, vor allem, wenn Komplikationen auftreten: So kann es zum Beispiel zu einer sogenannten Superinfektion mit Bakterien kommen. Eine Mittelohr-Entzündung, Nasennebenhöhlen-Entzündung, Lungenentzündung oder Herzmuskel-Entzündung sind mögliche Folgen. Denn obwohl die Erkältung per se harmloser ist als eine Grippe, ist es wichtig, sich zu schonen, um Komplikationen zu vermeiden.

Influenza, die „echte“ Grippe

Die „echte“ Grippe, medizinisch als Influenza bezeichnet, wird durch Influenza-Viren verursacht. Es gibt verschiedene Typen von Influenza-Viren (A, B und C), am häufigsten ist jedoch das Influenza-Virus Typ A. Die Symptome der Grippe treten, im Unterschied zur Erkältung, meist ganz plötzlich und sehr heftig auf. Es kommt häufig zu starken Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, hohem Fieber, Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Schnupfen wird hingegen bei der Grippe seltener beobachtet. Aber nicht immer bereitet die Grippe auch tatsächlich Beschwerden: In rund 80 Prozent der Fälle verläuft die Influenza-Infektion völlig unbemerkt oder nur wie eine leichte Erkältung.

Die Zeitspanne von der Ansteckung mit den Influenza-Viren bis zum Ausbruch der ersten Symptome – die sogenannte Inkubationszeit – ist bei der Grippe recht kurz. Sie beträgt nur ein bis zwei Tage. Der Grippekranke ist dann etwa eine Woche lang ansteckend und kann die Viren insbesondere über Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Husten oder Niesen übertragen. Treten keine Komplikationen auf, dauert die Grippe ungefähr eine Woche. Um Komplikationen (wie z.B. eine Lungenentzündung) zu vermeiden und die Heilung zu fördern, sind bei der Grippe körperliche Schonung und Bettruhe wichtig. Patienten mit Vorerkrankungen oder einer Immunschwäche können innerhalb von 48 Stunden nach dem Auftreten der ersten Grippe-Symptome außerdem sogenannte Virostatika, also gegen Viren wirkende Medikamente, einnehmen. Die Wirkstoffe Oseltamivir und Zanamivir können laut Studien die Dauer der Grippe verkürzen, die Schwere vermindern und das Risiko einer bakteriellen Superinfektion verringern. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu sterben, liegt nach Aussage des Robert Koch-Instituts bei 0,1 bis 0,2 Prozent und betrifft vor allem Risikopersonen. Bestimmten Risikogruppen, zum Beispiel Menschen über 60 Jahren, empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut daher eine jährliche vorbeugende Impfung gegen Grippe.

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COVID-19, die große Unbekannte

Eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 kann zu COVID-19 führen. Doch die Krankheit verläuft nach derzeitigem Kenntnisstand von Person zu Person sehr unterschiedlich – einen typischen COVID-19-Verlauf gibt es daher nicht. Die meisten Infizierten, darunter vor allem Kinder, scheinen gar keine Symptome zu entwickeln. Sie können das Virus jedoch weitergeben, weshalb man von „stummen Überträgern“ spricht. Andere hingegen, die sich mit SARS-CoV-2 angesteckt haben, erkranken schwer. Insbesondere ältere und alte Menschen, sowie Personen mit Immunschwäche und Vorerkrankungen, erleiden zum Teil lebensbedrohliche Lungenentzündungen bis hin zum Lungenversagen. Häufige Symptome von COVID-19 sind Husten und Fieber, ähnlich wie bei der Grippe (Influenza). Hinzu können Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall und Abgeschlagenheit kommen. Auffällig ist auch das Symptom vieler COVID-19-Patienten, die einen mehrtägigen Verlust ihres Geschmacks- und Geruchssinns beklagten.

Die Zeitspanne von der Ansteckung bis zum Ausbruch von COVID-19 (Inkubationszeit) beträgt nach derzeitiger Schätzung im Durchschnitt fünf bis sechs Tage. Wie lange eine mit SARS-CoV-2 infizierte Person ansteckend ist, ist allerdings weitestgehend unbekannt. Klarheit, ob man sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt hat, gibt nur ein spezieller Test. Falls Sie an Erkältungssymptomen leiden, empfiehlt das Robert Koch-Institut telefonisch den Rat Ihres Hausarztes oder Ihrer Hausärztin einzuholen, zum Beispiel wenn Sie:

  • in den letzten zwei Wochen Kontakt zu einem COVID-19-Erkrankten hatten.
  • unter Vorerkrankungen leiden (z.B. Asthma bronchiale, COPD, Immunschwäche).
  • sich Ihre Beschwerden deutlich verschlimmern (z.B. starke Atemnot, hohes Fieber).

Bis das Testergebnis vorliegt, sollten Sie zu Hause bleiben und mindestens eineinhalb Meter Abstand zu anderen Menschen halten. Achten Sie außerdem auf eine sorgfältige Händehygiene mit Seife und tragen Sie, wenn Sie mit anderen Menschen in Kontakt kommen sollten, einen Mund-Nasen-Schutz.

Weitere Informationen

Autor: Dr. med. Martin Waitz
Datum: Juni 2020
Quellen:
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Aktuelle Hinweise zum Coronavirus. https://www.116117.de/de/coronavirus.php (Abruf: Juni 2020)
Montavit: Atemwegsinfekte – Ursachen und Behandlung von Atemwegsinfekten. https://www.montavit.com/de/therapiegebiet/atemwegsinfekte (Abruf: Juni 2020)
Robert Koch-Institut (RKI): Aktueller Lage-/Situationsbericht des RKI zu COVID-19. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Gesamt.html (Abruf: Juni 2020)
Robert Koch-Institut (RKI): Influenza. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/IPV/Influenza.html?cms_box=1&cms_current=Influenza&cms_lv2=2961756 (Abruf: Juni 2020)

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