Haarwuchsmittel gegen Haarausfall – wie wirksam sind sie?

Mann mit Haarausfall (Foto: Pixabay.com)
Mann mit Haarausfall (Foto: Pixabay.com)

Haarausfall ist häufig – aber nur selten steckt eine Krankheit dahinter, die medizinisch behandelt werden muss. Dennoch stellt Haarausfall für viele Menschen ein kosmetisches Problem dar. Denn volles Jahr wird oft mit Vitalität, Jugend und Gesundheit in Verbindung gebracht – ein Haarverlust hingegen mit Alter und Krankheit. Welche Ursachen Haarausfall hat und wie wirksam Haarwuchsmittel gegen Haarausfall sind, erfahren Sie hier.

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In 95 Prozent ist Haarausfall erblich bedingt

Einem Menschen fallen normalerweise zwischen 70 und 100 Kopfhaare pro Tag aus, die wieder nachwachsen. Von Haarausfall (medizinisch: Effluvium) spricht man, wenn durchschnittlich mehr als 100 Haare pro Tag über mehrere Wochen ausfallen. Hält der Haarverlust an und werden die ausgefallenen Haare nicht ersetzt, kommt es zu einer fortschreitenden Kahlheit (medizinisch: Alopezie).

In den allermeisten Fällen ist Haarausfall erblich (genetisch) bedingt. Diese Form wird androgenetische Alopezie genannt. Es sind fast ausschließlich Männer betroffen, denn die Ursache des erblich bedingten Haarausfalls sind sogenannte Androgene, die zu den männlichen Geschlechtshormonen gehören. Über 80 Prozent aller Männer sind im Laufe ihres Lebens mehr oder weniger von androgenetischer Alopezie betroffen. Bei manchen zeigen sich nur „Geheimratsecken“, wenn die Haare im Stirn-Schläfen-Bereich zurücktreten, andere Männer haben eine komplette „Glatze“. Auch bei Frauen kann eine androgenetische Alopezie auftreten, meistens durch die Hormonumstellung nach den Wechseljahren. Auch wenn diese Form von Haarausfall aus medizinischer Sicht nicht als krankhaft eingestuft wird und nicht zwingend behandelt werden muss, kann sie das Selbstbewusstsein und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen.

Haarwuchsmittel bei erblich bedingtem Haarausfall

Eine Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall mit Haarwuchsmitteln ist, wie erwähnt, medizinisch nicht notwendig. Wer aber psychisch unter dem Haarverlust leidet, hat die Auswahl einer Reihe von Mitteln, die das Haarwachstum anregen oder den Haarausfall stoppen sollen. Darunter sind natürliche, pflanzliche Produkte ebenso wie Vitamin-Präparate sowie ärztlich verordnete Medikamente. Da einige Haarwuchsmittel Nebenwirkungen auf den gesamten Körper haben können, sollten Sie sich vor der Behandlung bei Ihrem Arzt oder Apotheker genau erkundigen, welche Wirkungen und möglichen gesundheitlichen Risiken zu erwarten sind. Zudem ist nicht alles, was in Drogerien und Apotheken erhältlich ist, auch in validen klinischen Studien untersucht worden: Die Wirkung der wenigsten Haarwuchsmittel ist wissenschaftlich belegt. Bedenken Sie auch, dass der Erfolg der Behandlung in großem Maße vom Stadium des Haarausfalls abhängt: Je früher Sie mit der Therapie beginnen, desto besser sind Ihre Chancen, den Haarausfall zu stoppen. Außerdem müssen Sie die Haarwuchsmittel in der Regel fortlaufend anwenden, da die Haare beim Absetzen des Haarwuchsmittels wieder ausfallen. Wirkstoffe, die in wissenschaftlichen Studien eine erfolgversprechende Wirkung gegen Haarausfall gezeigt haben, sind vor allem Minoxidil und Finasterid.

Minoxidil: Dieses Haarwuchsmittel kann den erblich bedingten Haarausfall in vielen Fällen stoppen und häufig auch zur Verdichtung der Haare führen. Wie genau Minoxidil wirkt, ist bislang nicht geklärt, aber vermutlich regt es die Durchblutung der Haarwurzeln an. Minoxidil wird als Lösung oder Schaum auf die Kopfhaut aufgetragen. Ursprünglich wurde Minoxidil als Medikament gegen Bluthochdruck entwickelt, später entdeckte man seine Wirkung gegen Haarausfall. Mögliche Nebenwirkungen von Minoxidil als Haarwuchsmittel sind unter anderem ein vorübergehender verstärkter Haarverlust, Juckreiz, Hautrötungen, allergische Reaktionen sowie ein vermehrtes Haarwachstum außerhalb des behaarten Kopfs, zum Beispiel im Gesicht und auf der Stirn. Wird die Behandlung mit Minoxidil gestoppt, können die Haare wieder ausfallen.

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Finasterid: Bei Finasterid handelt es sich um einen Wirkstoff, der ausschließlich für erwachsene Männer bestimmt ist – Frauen, Kinder und Jugendliche dürfen das Medikament nicht einnehmen. Denn Finasterid greift in den Hormonhaushalt ein: Es hemmt im Körper die Umwandlung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron in Dihydrotestosteron, welches stärker auf die Haarwurzeln wirkt. In niedriger Dosierung wird Finasterid als Haarwuchsmittel angewendet, in höherer Dosierung zur Behandlung der gutartigen Prostata-Vergrößerung (benigne Prostatahyperplasie). Als Nebenwirkungen können unter anderem Erektionsprobleme und Libidoverlust auftreten. Finasterid wirkt nur während der Anwendungszeit: Wenn es abgesetzt wird, fallen die Haare wieder aus.

Andere Formen von Haarausfall: Helfen hier Haarwuchsmittel?

Neben dem erblich bedingten Haarausfall gibt es eine Reihe weiterer Formen von Haarverlust. Beim sogenannten kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) beispielsweise treten runde, kahle Stellen im Kopfbereich, bei Männern auch im Bartbereich, auf. Der kreisrunde Haarausfall lässt sich ursächlich nicht heilen, oft bessern sich die Symptome aber von alleine. Tritt dies nicht ein, verordnen Ärzte Medikamente, zum Beispiel die Wirkstoffe DCP, Zink oder Kortison.

Bei einem diffusen Haarausfall (diffuse Alopezie) werden die Haare auf dem ganzen Kopf dünner. Dieser Form von Haarausfall können verschiedene Ursachen zugrunde liegen, zum Beispiel Schilddrüsen-Erkrankungen, Hormonstörungen, Stoffwechsel-Störungen, Medikamenten-Nebenwirkungen oder Stress. Der Arzt muss die Ursache herausfinden und behandeln. Unterstützend kann das Haarwuchsmittel Minoxidil angewendet werden.

 

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Weitere Informationen

Autor: Dr. med. Martin Waitz, Redaktion medproduction
Datum: April 2020
Quellen:
Edenext: Mittel gegen Haarausfall Test, Erfahrungen, Bewertung & Vergleich 2020: https://www.edenext.eu/haarausfall/mittel-gegen-haarausfall/ (Abruf: April 2020)
Gelbe Liste Pharmindex: Alopezie. https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/alopezie (Abruf: April 2020)