Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)

Ultraschall
© Christoph Droste / pixelio.de

Definition: Was sind Individuelle Gesundheitsleistungen?

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind ärztliche Dienstleistungen, die nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gehören, aber im Einzelfall nützlich und sinnvoll sein können. Nehmen gesetzlich versicherte Patienten („Kassen-Patienten“) diese Leistungen in Anspruch, müssen sie dafür selber aufkommen, das heißt die anfallenden Kosten selber zahlen – es besteht kein Erstattungsanspruch gegenüber der Krankenkasse. Die Selbstzahlerleistungen lassen sich allgemein in drei Kategorien einteilen:

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  • Erforderliche Leistungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenversicherungen (Krankenkassen) gezahlt werden
  • Ärztlich empfehlenswerte Leistungen außerhalb des Leistungskatalogs der GKV
  • Auf eigene Initiative basierende und ausdrücklich erwünschte Leistungen, die ärztlich vertretbar sind

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) umfassen verschiedene Verfahren, Untersuchungs- und Behandlungsmethoden aus unterschiedlichen Gebieten. Eine einheitliche Liste für IGeL existiert nicht. Im Gegensatz dazu handelt es sich beim Leistungskatalog der GKV um eine Liste, die je nach Stand der Wissenschaft geändert wird.

Ob eine ärztliche Leistung in den Katalog der GKV aufgenommen wird oder nicht, hängt davon ab, ob diese sich in verschiedenen wissenschaftlichen Studien als medizinisch sinnvoll erwiesen hat, in ihrer Wirkungsweise den Kriterien der Effektivität und Effizienz gerecht wird und es für zumutbar erachtet wird, die anfallenden Kosten auf die Solidargemeinschaft der GKV-Versicherten (in Form des Krankenkassenbeitrags) zu übertragen.

Durchführung: Wie werden Individuelle Gesundheitsleistungen durchgeführt?

Die Durchführung einer Individuellen Gesundheitsleistung hängt vom Fachgebiet und der konkreten Dienstleistung ab. Häufige Selbstzahlerleistungen sind zum Beispiel die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt, die Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) beim Frauenarzt und die Glaukom-Früherkennungs-Untersuchung beim Augenarzt.

Individuelle Gesundheitsleistungen werden nur nach schriftlicher Vereinbarung durchgeführt. Vor jeder durchgeführten IGeL ist es die Pflicht des Arztes oder seiner Mitarbeiter, den Patienten über die Kosten und die Leistung ausreichend zu informieren. Die Informationspflicht sollte weder die Form eines klassischen Verkaufsgesprächs annehmen noch Angst oder Unsicherheit beim Patienten hervorrufen. Bei der Inanspruchnahme Individueller Gesundheitsleistungen ist es ratsam, auf die Einhaltung folgender Grundsätze zu achten:

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  • Aufklärung über Nutzen und Kosten der Leistung (sachliche und unaufdringliche Information)
  • Freie Entscheidung
  • Ordnungsgemäße Rechnungsstellung entsprechend der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)
  • Schriftliche Zustimmung (Einwilligungserklärung) vor Behandlungsbeginn

Anwendungsgebiete: Was sind die Anwendungsgebiete von Individuellen Gesundheitsleistungen?

Individuelle Gesundheitsleistungen finden auf jedem Gebiet ihre Anwendung. Das Spektrum reicht von den klassischen Bereichen der Schulmedizin wie Zahnmedizin, Gynäkologie, Dermatologie über Sport- und Ernährungsmedizin bis hin zu Formen der Alternativmedizin wie Homöopathie, Ayurveda und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Mögliche Individuelle Gesundheitsleistungen sind zum Beispiel:

  • Früherkennungs-Untersuchungen: zusätzliche jährliche Gesundheitsuntersuchung („Intervall-Check“), Ultraschall-Check-Up von Organen („Sono-Check“), Bestimmung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA-Test) als zusätzliche Prostata-Untersuchung zur Prostatakrebs-Früherkennung
  • Medizinisch-kosmetische Leistungen: ästhetische Operationen (Facelifting, Lidkorrektur oder Fettabsaugung) oder das Entfernen von Tätowierungen
  • Reisemedizinische Beratung: inklusive Impfberatung und Impfungen
  • Sportmedizinische Untersuchungen: etwa Tauchtauglichkeitsbescheinigung
  • Labordiagnostische Leistungen: zum Beispiel Bestimmung der Blutgruppe
  • Psychotherapeutische Leistungen: beispielsweise Stressbewältigungs- oder Paartherapie

Insbesondere im Bereich der Vorsorge- und Früherkennungs-Untersuchungen werden häufig IGeL angeboten. Dazu zählen unter anderem aufwändige Früherkennungs-Tests auf Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) oder Schlaganfall-Risiko, Gen-Analysen und Untersuchungen auf Erbkrankheiten. Die Kosten eines sogenannten Hautkrebs-Screenings als Bestandteil der Hautkrebs-Früherkennung müssen von gesetzlich Versicherten unter 35 Jahren in der Regel selbst getragen werden. Erst ab dem 35. Lebensjahr zählt diese zum Gesundheits-Check-Up und kann alle zwei Jahre kostenlos in Anspruch genommen werden.

Risiken und Komplikationen: Welche Risiken bergen Individuelle Gesundheitsleistungen?

Das Risiko bei der Inanspruchnahme Individueller Gesundheitsleistungen besteht darin, dass sie der wissenschaftlichen Qualitätssicherung der Krankenkassen (noch) nicht genügen oder die Studien noch nicht abgeschlossen sind und somit der medizinische Nutzen der IGeL nicht eindeutig geklärt ist.

Bei den IGeL spielt ganz offensichtlich auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Hat beispielsweise die jeweilige Behandlung nicht den gewünschten Effekt herbeigeführt (insbesondere bei ästhetisch-chirurgischen Eingriffen), trägt man neben dem finanziellen Risiko auch das gesundheitliche.

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Datum der letzten Aktualisierung: April 2020
Aktualisiert durch: Dr. P. Zimmermann
Quellen:
Bundesärztekammer: www.bundesaerztekammer.de (Abruf: 04/2020)
Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein: Selbst zahlen? Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) – ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten. Herausgegeben von der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.  https://www.kbv.de/media/sp/igel_checkliste.pdf (Abruf: 04/2020)
Medizinischer Dienst des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen: Individuelle Gesundheitsleistungen. www.mds-ev.de (Abruf: 04/2020)
Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS). www.igel-monitor.de (Abruf: 04/2020)