Intervallfasten – ohne Frühstück die Gewichtsprobleme lösen?

Intervallfasten. Foto: pixabay.com
Intervallfasten. Foto: pixabay.com

Worum handelt es sich beim Intervallfasten? Was erhoffen sich die Leute davon und ist es wirksam? Eine dieser Fragen haben Sie sich vielleicht auch schon gestellt. Besonders in der Frühlingszeit versuchen viele Menschen, durch eine Diät oder Intervallfasten abzunehmen. Wir haben uns gefragt, was dran ist und unsere Ergebnisse hier zusammengetragen.

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Intervallfasten ist eine Form von Fasten, bei der man tage- oder stundenweise auf Nahrung verzichtet. Dabei ist der Zeitraum, in dem gefastet wird, von Methode zu Methode unterschiedlich. Im Gegensatz zu anderen Diäten, verspricht Intervallfasten einen Gewichtsverlust, ohne zu hungern. Den „Jo-Jo-Effekt„, bei dem es nach dem Ende der Diät wieder zu einer Gewichtszunahme kommt, soll es auch nicht geben. Zudem behaupten viele Ratgeber, dass Intervallfasten als Vorsorge für Krebs, Entzündungen und Diabetes mellitus Typ 2 dient.

Beliebteste Formen von Intervallfasten

  1. 16:8-Methode
  • 16 Stunden essen Sie am Tag gar nichts.
  • Eine Mahlzeit des Tages fällt aus. Dabei handelt es sich um die erste oder letzte des Tages, um die 16 Stunden einzuhalten (Frühstück oder Abendessen).
  1. 5:2-Methode
  • Fünf Tage die Woche bleibt die Ernährung ohne Einschränkungen.
  • An den zwei verbleibenden Tagen reduzieren Sie die Nahrungszufuhr. Dabei können Sie selbst entscheiden, an welchen Tagen Sie die Nahrungszufuhr reduzieren.
  1. „Alternate Day Fasten“
  • Normale Tage ohne Einschränkung und Fastentage wechseln sich ab.
  • An den Fastentagen dürfen Sie die Energiemenge (Kalorien), die nur 25 Prozent des Normalverbrauchs betragen darf, nicht überschreiten.

Intervallfasten: Wissenschaftliche Erkenntnisse

Tierversuche mit Mäusen zeigten tatsächlich einen Schutz vor Diabetes Typ 2, zudem stieg die Lebenserwartung krebskranker Tiere. Auch das Risiko für chronische Krankheiten wurde durch das Intervallfasten deutlich gesenkt.

Außerdem hat ein US-Amerikanisches Mediziner-Team 2012 ein Experiment durchgeführt. Sie haben zwei Mäusen aus der gleichen Zuchtlinie immer die gleiche Menge fettreiches Futter gegeben und darauf geachtet, dass sie sich gleich viel bewegen. Der einzige Unterschied zwischen den beiden waren die Essenszeiten. Die eine Maus durfte essen, wann sie wollte, und die andere hatte festgelegte Zeiten. Das Ergebnis ist erstaunlich: Die Maus ohne festgelegte Zeiten ist dick und die mit Zeiten dünn geworden.

Eine Humanstudie des Krebsforschungszentrums in Heidelberg zeigte jedoch keine Unterschiede zwischen Teilnehmenden, die in Intervall fasteten und denen, die eine herkömmliche Diät durchführten. Für die Studie wurden die Probanden in drei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe hat nach dem 5:2-Prinzip gefastet. Die zweite Gruppe wendete eine „kontinuierliche Kalorienrestriktion“, also eine dauerhafte Senkung der Energieaufnahme durch Lebensmittel (Diät) an. Für beide Gruppen legten die Wissenschaftler*innen ein wöchentliches Kaloriendefizit von circa 20 Prozent fest. Die dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe, für die es keine Beschränkung oder Ernährungsempfehlung gab.

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Nach zwölf Wochen Studienzeit haben die Probanden der Intervallfasten-Gruppe im Durchschnitt 1,9 Prozent mehr Gewicht verloren. Im Vergleich zu der Diät-Gruppe, die im Durchschnitt 5,2 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts verloren, hat die Intervall-Gruppe im durchschnittlich 7,1 Prozent abgenommen. ­­Die Studie zeigte jedoch, dass nach einem Jahr kein bedeutender Unterschied mehr zwischen den zwei Gruppen vorhanden war.  Zwei weitere Studien aus Norwegen und Australien kamen mit ähnlichen Untersuchungen zum Intervallfasten zu vergleichbaren Ergebnissen.

Man könnte die Ergebnisse der Studie in Bezug auf die 5:2-Methode nun als Nachteil sehen, da zumindest diese Methode nicht hält, was das Intervallfasten verspricht. Trotzdem sehen manche Mediziner*innen die Aussage der Studie eher positiv. Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung für Naturheilkunde an der Charité-Universität in Berlin, sagte in Bezug auf die Studie: „Das Intervallfasten hatte den gleichen Effekt wie eine herkömmliche Reduktionsdiät, die im Alltag seltener durchgehalten wird.“

Weitere Untersuchungen zum Intervallfasten sind notwendig

Da es momentan immer noch zu wenige Humanstudien zum Intervallfasten gibt, lassen sich eventuelle negative Effekte, wie das Auslösen einer Essstörung oder andere Langzeitfolgen, nicht sicher beurteilen. Für fast alle anderen Methoden stuft die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. die Aussagen der wenigen Studien als unklar ein. Generell ist es ratsam, im Vorfeld mit einer Ärztin oder einem Arzt abzuklären, ob sich die jeweilige angestrebte Diät, wie auch das Intervallfasten, für den individuellen Fall eignet.

Intervallfasten: Fazit

Studien an Tieren haben gezeigt, dass Intervallfasten einen positiven Effekt haben kann. Aufgrund der unzureichenden Studienlage sind die meisten angegebenen Effekte für den Menschen bislang jedoch nicht erwiesen oder belegt. Es ist außerdem wichtig zu beachten, dass jeder Mensch anders auf eine Diät oder Intervallfasten reagiert, weshalb Sie zuvor unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen sollten.

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Bestehen ärztlicherseits keine Einwände, spricht nichts dagegen, das Intervallfasten für sich auszuprobieren. Ein möglicher Vorteil des Intervallfastens ist, dass es sich im Vergleich zu anderen Diäten auch langfristig umsetzen lässt. Damit könnte der Erfolg, Gewicht zu verlieren oder zu halten, wahrscheinlicher sein.

 

Weitere Informationen

Autorin: Mila von Rabenau, medproduction GmbH
Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Martin Waitz
Datum: April 2022
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/diaeten-fasten/intervallfasten/?L=0 (Abruf: 04/2022)
Die Techniker (TK, Krankenversicherung): https://www.tk.de/techniker/magazin/ernaehrung/ernaehrungstrends/fasten-intervallfasten-2031984?tkcm=ab (Abruf: 04/2022)
Deutsches Ärzteblatt (Deutscher Ärzteverlag GmbH): Intervallfasten-Essen mit Blick auf die Uhr. https://www.aerzteblatt.de/archiv/205110/Intervallfasten-Essen-mit-Blick-auf-die-Uhr (Abruf: 04/2022)