Schau mir in die Augen – alles Wissenswerte zu Kontaktlinsen

Kontaktlinse
© FotoHiero / pixelio.de

In Deutschland gibt es etwa 3,4 Millionen Kontaktlinsen-Träger, etwa die Hälfte davon trägt regelmäßig Kontaktlinsen. Es gibt viele Gründe dafür, Kontaktlinsen zu tragen – allerdings sind sie nicht für jeden geeignet. Genau wie eine Brille dienen sie dazu, Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit, Stabsichtigkeit (Astigmatismus) und Alterssichtigkeit (Presbyopie) zu korrigieren.

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Außerdem kann man nachts sogenannte orthokeratologische Kontaktlinsen tragen, um im Schlaf die Form der Hornhaut zu korrigieren (Nachtlinsen). Diese Verformung ist zwar nicht dauerhaft, hält aber ein bis drei Tage an, sodass in dieser Zeit keine Sehhilfe nötig ist. Zudem können Kontaktlinsen bei Verletzungen der Hornhaut wie ein schützender Verband wirken (Verbandlinsen). Daneben gibt es auch kosmetische Kontaktlinsen (Motivlinsen) in verschiedenen Farben und Formen, die zu Karneval, Halloween und Motto-Partys beliebt sind. Wenn Sie Kontaktlinsen tragen möchten, sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt oder Optiker.

Kontaktlinsen liegen nicht direkt auf der Hornhaut (Kornea) auf, sondern schwimmen auf einem dünnen Tränenfilm. Besonders wichtig ist, dass die Kontaktlinse durchlässig für Sauerstoff ist. Wie jedes Organ des Körpers, benötigt auch das Auge Sauerstoff, doch in der Hornhaut gibt es keine Blutgefäße. Stattdessen bezieht die Hornhaut ihren Sauerstoff aus der Tränenflüssigkeit. Aus diesem Grund bestehen Kontaktlinsen nicht aus Glas, sondern aus speziellen Kunststoff-Mischungen, die sauerstoffdurchlässig sind.

Typische Kennzahlen für eine Kontaktlinse sind:

  • Durchmesser (mm)
  • Krümmung der Rückfläche (mm)
  • Geometrie der Rückfläche (sphärisch, asphärisch, multifokal, torisch, evtl. bitorisch)
  • Optische Stärke (Dioptrie, dpt)
  • Sauerstoff-Durchlässigkeit (DK)

Formstabile (harte) und weiche Kontaktlinsen

Bei Kontaktlinsen unterscheidet man grundsätzlich zwei Arten: formstabile (harte) und weiche Kontaktlinsen. Formstabile Kontaktlinsen behalten auch außerhalb des Auges ihre Form, während weiche Kontaktlinsen ihre Form verändern und in einer Flüssigkeit aufbewahrt werden müssen.

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Mehr als drei Viertel aller Kontaktlinsen-Träger verwendet weiche Kontaktlinsen, doch bestimmte Fehlsichtigkeiten wie Astigmatismus (Stabsichtigkeit durch Hornhaut-Verkrümmung) lassen sich nur durch formstabile Kontaktlinsen ausgleichen. Zudem sind formstabile Kontaktlinsen widerstandsfähiger und leichter zu pflegen.

Weiche Linsen sind dagegen besser verträglich, sie sind schon bei der ersten Verwendung nach kurzer Zeit kaum mehr im Auge zu spüren, während formstabile Kontaktlinsen eine Eingewöhnungszeit von mehreren Wochen haben. Außerdem sind weiche Kontaktlinsen einfacher zu wechseln und fallen nicht so leicht von selbst heraus, da sie größer sind und besser am Auge haften als formstabile Kontaktlinsen.

Tageslinsen, Wochenlinsen, Monatslinsen und Jahreslinsen

Je nachdem, wie lange die Kontaktlinsen getragen werden, unterscheidet man Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreslinsen. Tageslinsen trägt man nur wenige Stunden, nach spätestens einem Tag nimmt man sie aus dem Auge heraus und entsorgt sie. Wochen- bzw. Monatslinsen müssen nach ein bis zwei Wochen bzw. einem Monat ausgetauscht werden, Jahreslinsen sogar erst nach einem Jahr. Die meisten Kontaktlinsen werden nur tagsüber getragen, lediglich spezielle vT (verlängerte Tragedauer) Linsen können auch über Nacht getragen werden.

Vorteile und Nachteile von Kontaktlinsen

Kontaktlinse oder Brille? Diese Frage stellen sich viele der 40 Millionen Brillenträger in Deutschland. Es gibt viele Argumente für das Tragen von Kontaktlinsen: Kontaktlinsen sind im Gegensatz zu einer Brille unsichtbar, das heißt sie verändern das Aussehen des Trägers nicht. Mit einer Brille wirkt die Augen zudem – je nach Kurz- oder Weitsichtigkeit – kleiner oder größer als sie tatsächlich sind. Kurzsichtige sehen mit einer Brille alles verkleinert, folglich sieht ein Gegenstand kleiner aus als er sich anfühlt.

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Mit einer Kontaktlinse jedoch ist das auf der Netzhaut abgebildete Bild größer, daher ist auch die Sehschärfe besser als mit einer Brille. Außerdem folgt die Kontaktlinse den Bewegungen des Auges, sodass man in alle Richtungen scharf und ohne den typischen „Brillenrand“ sieht. Im Gegensatz zu einer Brille beschlagen Kontaktlinsen nicht, und Regentropfen behindern nicht länger die Sicht, was für bestimmte Berufsgruppen wie Seeleute, Schauspieler oder Köche wichtig ist. Und nicht nur Sportler profitieren von der größeren Bewegungsfreiheit bei Kontaktlinsen.

Allerdings vertragen nicht alle Menschen das ganztägige Tragen von Kontaktlinsen. Wer zittrige Hände hat oder feinmotorisch wenig geschickt ist, hat Probleme beim Einsetzen und Entfernen der Kontaktlinsen. Werden die Linsen nicht richtig gereinigt, können sich Keime vermehren und Hornhaut-Geschwüre verursachen. Minderwertige Kontaktlinsen aus wenig gasdurchlässigen Materialien beeinträchtigen den Stoffwechsel der Hornhaut, es kann zu Hornhauttrübungen, Schwellungen (Ödemen) und einer Verschlechterung der Sehleistung kommen. Weiche Kontaktlinsen können zudem zu einem Einwachsen von Blutgefäßen (Neovaskularisation) im Übergangsbereich von Hornhaut zu Lederhaut (Sklera) führen.

Insbesondere wenn sich Ablagerungen auf der Kontaktlinse befinden, kann die Linse das Auge mechanisch oder allergisch reizen, wodurch es zu einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) kommen kann. Auch der Preis spielt eine Rolle: Kontaktlinsen sind in der Regel teurer als Einstärken-Brillen, und durch die nötigen Pflegemittel entstehen Folgekosten. Staubige Luft kann zudem ein Problem darstellen, da Staubteilchen unter die Kontaktlinse gelangen und eine schmerzhafte Reizung hervorrufen können. Wer häufig unter trockenen Augen leidet, beispielsweise in klimatisierten Räumen oder durch lange Bildschirmarbeit, greift ebenfalls besser zur Brille statt zur Kontaktlinse.

Was man beim Tragen von Kontaktlinsen beachten sollte

Beim Tragen von Kontaktlinsen hilft es, die folgenden Tipps zu beachten:

  • Lassen Sie sich von Ihrem Augenarzt oder Optiker beraten. Kontaktlinsen müssen von einem Fachmann angepasst werden, um Schädigungen des Auges vorzubeugen. Mit einem einzigen Besuch ist es jedoch nicht getan: Gehen Sie regelmäßig zur Nachkontrolle.
  • Tragen Sie die Kontaktlinsen nicht länger als vom Augenarzt oder Optiker empfohlen. Zu lange Tragedauer führt zu einer Unterversorgung des Auges mit Sauerstoff, es drohen permanente Schäden.
  • Eine sorgfältige Pflege ist sowohl bei formstabilen als auch bei weichen Kontaktlinsen entscheidend. Beachten Sie die Hygiene- und Pflegehinweise des Herstellers.
  • Kaufen Sie nur Kontaktlinsen aus hochwertigen, gasdurchlässigen Materialien.
  • Es ist immer ratsam, eine Ersatzbrille dabei haben, falls mal eine Linse verloren geht. Beim Autofahren ist es sogar Pflicht, eine Ersatzbrille mitzuführen!
  • Für Schwimmer und Taucher, die formstabile Kontaktlinsen tragen, empfiehlt es sich, eine Taucherbrille zu verwenden, da die Haftung der Kontaktlinse auf der Hornhaut aufgehoben ist, wenn man die Augen unter Wasser öffnet.

Weitere Informationen

Kontaktlinsen.de: http://www.kontaktlinsen.de/tageslinsen.html

 

Autor: Dr. Annukka Aho-Ritter
medproduction, www.medproduction.de
Datum: Januar 2015
Quellen:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V.: http://cms.augeninfo.de/hauptmenu/startseite.html (Abruf: 01/2015)
Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer Medizin, Heidelberg 2008