Spielsucht: 10 typische Symptome von Glücksspiel-Sucht

Glücksspiel (Foto: Pixabay.com)
Glücksspiel (Foto: Pixabay.com)

Nur ein Spiel oder schon eine Sucht? In Deutschland gelten etwa 100.000 bis 170.000 Menschen als krankhaft spielsüchtig, schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Doch wann ist man noch ein „normaler Spieler“ und welche Zeichen deuten darauf hin, dass es sich bereits um eine krankhafte (pathologische) Glücksspiel-Sucht handelt? Erfahren Sie hier, welche zehn typischen Symptome auf eine Spielsucht hindeuten und was Sie tun können, wenn Sie oder ein Familienmitglied oder Freund von Glücksspiel-Sucht betroffen sind.

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Die Dunkelziffer an Spielsüchtigen ist vermutlich noch deutlich höher als die Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Denn viele Spielsüchtige spielen heimlich und suchen keine Hilfe oder erst sehr spät. Meist sind es Männer, die der Spielsucht verfallen, aber auch Frauen können spielsüchtig werden. Die Glücksspiel-Sucht betrifft Menschen jeden Alters: vom Jugendlichen bis zum Betagten. Gespielt wird nicht nur in Spielhallen und an Spielautomaten, sondern zunehmend auch im Internet. In Deutschland sind Online-Glücksspiele zwar bislang in fast allen Bundesländern verboten, aber die Anbieter sitzen meist im Ausland. Außerdem tritt ab Juli 2021 der neue Glücksspiel-Staatsvertrag in Kraft, wodurch erstmals auch Online-Casinos in Deutschland eine Lizenz beantragen können.

10 Symptome: So erkennen Sie eine Spielsucht

Spielsucht gilt, genau wie andere Süchte (Alkoholsucht, Drogensucht etc.), als psychische Krankheit. Damit ein Arzt oder eine Ärztin die medizinische Diagnose einer Spielsucht stellen kann, müssen nach den Kriterien des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM-IV) mindestens fünf der folgenden zehn Symptome erfüllt sein:

Wenn Sie glücksspielsüchtig sind,

  1. denken Sie ständig an das Glücksspiel.
  2. erhöhen Sie kontinuierlich Ihre Geldeinsätze.
  3. versuchen Sie immer wieder, Ihr Spiel unter Kontrolle zu bekommen oder ganz aufzuhören – ohne Erfolg.
  4. werden Sie unruhig oder gereizt, wenn Sie versuchen, nicht zu spielen.
  5. spielen Sie weiter, obwohl Sie immer mehr Geld verlieren oder bereits unter Geldproblemen durch das Glücksspiel leiden.
  6. spielen Sie oft heimlich und belügen Ihre Angehörigen, Freunde oder Arbeitgeber, um weiterspielen zu können.
  7. spielen Sie, um sich besser zu fühlen und sich von Ihren Problemen abzulenken.
  8. begehen Sie mitunter Straftaten, um Ihr Glücksspiel zu finanzieren.
  9. bitten Sie andere Menschen um Geld, um weiter zu spielen.
  10. nehmen Sie das Risiko in Kauf, Ihre Partnerschaft, Familie, Freunde, Ihre Arbeit oder Lebensperspektiven zu verlieren.

Neben der Glücksspiel-Sucht können weitere Süchte oder psychische Störungen auftreten. Mediziner sprechen dann von Komorbidität. So leiden Spielsüchtige häufig zusätzlich unter Angststörungen, Panikattacken, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen. Mehr als die Hälfte der Spielsüchtigen sind alkoholabhängig und viele krankhafte Spieler nehmen Drogen.

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Spielsucht verläuft in drei Phasen

Eine Glücksspiel-Sucht verläuft typischerweise in drei Phasen:

  1. Gewinnphase: In dieser ersten Phase der Spielsucht „zockt“ der Betroffene in Gesellschaft oder alleine, er erfreut sich an kleinen Gewinnen und Erfolgen – und wird hierdurch angefixt, weiterzuspielen.
  2. Verlustphase: Immer wieder verliert der Spieler, doch er lässt sich davon nicht „entmutigen“ – im Gegenteil: Jetzt spielt er erst recht und spielt meist so lange, bis er wieder einmal gewinnt, auch wenn er mit der Zeit immer mehr verliert! Angestachelt durch zwischenzeitige Gewinnphasen oder den Versuch, verlorenes Geld durch Weiterspielen wieder reinzuholen, verliert er langsam aber sicher die Kontrolle über sein Spielverhalten und beginnt, die typischen Symptome eines Spielsüchtigen zu zeigen. Spielsüchtige entwickeln ein sogenanntes Chasing-Verhalten: Sie verlieren Geld und versuchen, dieses durch Weiterspielen mit noch höheren Geldeinsätzen wieder zurückzuholen.
  3. Verzweiflungsphase: Der Betroffene erkennt inzwischen, dass ihm sein Spielverhalten nachhaltige Probleme bereitet: Es kommt zum Beispiel zu Geldproblemen, Problemen mit der Familie, den Freunden, dem Arbeitgeber oder dem Gesetz. Trotzdem drehen sich seine Gedanken nur noch ums Spielen.

Was ist Sucht überhaupt?

Unter Sucht versteht man im Allgemeinen eine krankhafte Abhängigkeit von einer bestimmten Substanz oder von bestimmten Verhaltensweisen. Die Begriffe Sucht und Abhängigkeit werden häufig synonym verwendet. Bekannte Süchte in unserer Gesellschaft sind die Alkoholsucht, die Nikotinsucht oder die Abhängigkeit von bestimmten Drogen wie Cannabis (Haschisch, Marihuana), Heroin oder Crystal Meth, oder von Medikamenten wie Beruhigungsmitteln oder Schmerzmitteln. Mediziner und Therapeuten benutzen die offizielle Definition von Sucht gemäß der sogenannten ICD-10-Klassifizierung (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems), die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1954 herausgegeben wurde. Nach dieser WHO-Definition ist Sucht ein „Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge“. Im Falle der Glücksspiel-Sucht aber wird deutlich, dass man nicht nur von einer Droge abhängig werden kann. Dies berücksichtigen andere Definitionen von Sucht, wie beispielsweise die des Homburger Wissenschaftlers Klaus Wanke, die lautet: „Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und es zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen des Individuums“. Süchtige Menschen versuchen, durch ihr Verhalten bestimmte Lustgefühle herbeizuführen oder aber Unlustgefühle wie Angst, Trauer oder Wut zu unterdrücken oder zu vermeiden.

Süchtiges Verhalten ist gekennzeichnet durch:

  • Wiederholungszwang: Der Süchtige muss die Substanz immer wieder konsumieren oder das süchtige Verhalten immer wieder ausführen, obwohl er weiß, dass es ihm schadet.
  • Dosissteigerung: Wird die Droge kontinuierlich konsumiert bzw. wird die Verhaltensweise (wie Glücksspielen) immer wieder ausgeführt, gewöhnt sich der Körper an den Zustand. Es kommt zur Entwicklung einer sogenannten Toleranz, sodass schließlich immer größere Mengen der Droge bzw. des Verhaltens notwendig sind, um denselben Effekt zu erzeugen.
  • Psychische Abhängigkeit: Mit der Zeit gewöhnt sich der Betroffene so sehr an das regelmäßige Konsumieren der Droge bzw. das zwanghafte Glücksspielen, dass es zu einer psychischen Abhängigkeit kommt. Der Süchtige denkt nur noch an die Droge oder das Spiel. Bleibt diese „Belohnung“ aus, kann er unruhig, nervös und aggressiv werden.
  • Physische Abhängigkeit: Bei der physischen Abhängigkeit ist der Betroffene auch körperlich (physisch) süchtig. Es kommt zu Veränderungen im Gehirn-Stoffwechsel. Bleibt die Droge aus, kommt es nun auch zu körperlichen Entzugserscheinungen wie Schwitzen, Zittern oder Schmerzen.

Sonderform der Spielsucht: Computer-Spielsucht und Internet-Sucht

In den letzten Jahren hat eine weitere Form der Spielsucht für besondere Aufmerksamkeit in den Medien – aber auch bei Medizinern – gesorgt: die Computer-Spielsucht oder Internet-Sucht. So gibt es bereits spezielle Therapieangebote und sogar Kliniken für Computer-Spielsüchtige. Diese Form der Spielsucht ist ein Problem, das insbesondere Kinder und Jugendliche betrifft, aber auch Erwachsene sind betroffen. Besonders gefährdet für eine Computer-Spielsucht sind Kinder und Jugendliche, die uneingeschränkten Zugang zu Computerspielen haben, weil ihre Eltern dies nicht kontrollieren können oder wollen. Die Betroffenen spielen dann täglich mehrere Stunden am Computer, Tablet oder Smartphone. Sie spielen dann entweder Computerspiele oder surfen stundenlang im Internet und schauen sich beispielsweise Videos an, ohne ein Ende finden zu können. Viele Betroffene versuchen, über das exzessive Computerspielen Probleme in der Schule, mit den Eltern oder Freunden zu kompensieren und Stress abzubauen. Vor allem für Heranwachsende kann dieses Flüchten vor der Auseinandersetzung mit Problemen und deren Bewältigung schwere Folgen haben, zumal ihr Gehirn sich noch in der Entwicklung befindet.

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Wissenschaftler vermuten, dass exzessives Computerspielen gleiche Gehirnstrukturen aktiviert wie stoffliche Drogen. Die Mechanismen, die zur Sucht führen, seien demnach vergleichbar mit denen, die eine Alkoholsucht oder Cannabis-Abhängigkeit auslösen können. Studien zufolge besteht bei jedem zehnten Computer-Spieler das Risiko, eine Computer-Spielsucht zu entwickeln. Wie bei der Glücksspiel-Sucht, wird auch bei der Computer-Spielsucht das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert und Erfolge beim Spielen werden in einer Art Suchtgedächtnis gespeichert. Der Körper gewöhnt sich daran, Stress nur noch durch das Spielen zu regulieren. Für Eltern ist es wichtig, frühe Anzeichen einer Computer-Spielsucht zu erkennen. Wie bei anderen Süchten, sind typische Symptome, dass das Computer-Spielen eine zentrale Rolle im Leben des Kindes einnimmt und das Spielverhalten nach und nach zu erheblichen Problemen führt.

Dies sind mögliche Anzeichen einer Computer-Spielsucht:

  • Das Kind spielt täglich mehrere Stunden am Computer.
  • Es denkt andauernd an das Spielen.
  • Es kann nicht aufhören zu spielen (Kontrollverlust) und muss immer wieder spielen (Wiederholungszwang).
  • Es kommt zu Entzugssymptomen und Rückfällen bei dem Versuch zu pausieren (Abstinenzunfähigkeit).
  • Das Kind zieht sich immer mehr zurück und bricht zum Beispiel den Kontakt zu Freunden ab.
  • Bisher gerne ausgeübte Hobbys werden aufgegeben.
  • Es kommt zu mitunter massiven Konflikten in der Familie, mit Freunden oder in der Schule – trotzdem kann das Kind nicht aufhören, weiter am Computer zu spielen.

Das können Eltern bei Verdacht auf Computer-Spielsucht tun

Trotz der typischen Anzeichen einer Computer-Spielsucht, ist es für Eltern oft nicht einfach zu erkennen, ob ihr Kind tatsächlich betroffen ist oder ob es „einfach zu viel am Computer spielt“, dieses Verhalten sich aber noch im gesunden Rahmen bewegt. Als Elternteil ist es für Sie deshalb wichtig, frühzeitig darauf zu achten, dass Ihr Kind lernt, bewusst und kontrolliert mit dem Computer, dem Tablet oder Smartphone – sowie mit dem Medium Internet – umzugehen.

Folgende Tipps können dabei helfen:

  • Lassen Sie Ihr Kind nicht unbeaufsichtigt am Computer spielen und nehmen Sie sich die Zeit zu schauen, welche Spiele Ihr Kind spielt oder welche Videos es sich anschaut. Wählen Sie diese Spiele und Videos gezielt aus und schauen Sie sie sich auch selbst an. Lassen Sie Ihr Kind nicht frei im Internet „daddeln“.
  • Stellen Sie klare Regeln auf: Legen Sie zum Beispiel feste Computer- bzw. Spielzeiten und die Spieldauer fest. Ihr Kind sollte, je nach Alter, nicht länger als eine halbe bis maximal eineinhalb Stunden pro Tag am Computer spielen. Sorgen Sie auch dafür, dass zwischen diesen Spieltagen auch Computerspiel-freie Tage liegen.
  • Beachten Sie die Altersfreigabe des Spiels: Ist das Computerspiel für das Alter Ihres Kindes geeignet und zugelassen?
  • Zeigen Sie Interesse, auch wenn Sie dem Computerspiel zunächst skeptisch gegenüberstehen: Spielen Sie das Computerspiel zusammen mit Ihrem Kind und machen Sie sich ein Bild – von dem Spiel, aber auch vom Spielverhalten Ihres Kindes. Fragen Sie Ihr Kind, was ihm an dem Computerspiel gefällt und warum es so gerne und häufig spielt.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht heimlich spielt, sondern nur, wenn es mit Ihnen abgesprochen ist. Achten Sie außerdem darauf, dass es nur Computerspiele spielt, die Sie ihm vorher erlaubt haben und die Sie kennen.
  • Abwechslung ist wichtig: Damit Ihr Kind nicht nur am Computer oder Smartphone spielt, ist es wichtig, ihm Alternativen für die Freizeitgestaltung aufzuzeigen. Ermuntern Sie es, ein Hobby zu pflegen, Freunde zu treffen, Sport zu treiben oder Musik zu machen. Unternehmen Sie auch etwas gemeinsam mit Ihrem Kind!
  • Falls Sie Anzeichen einer Computer-Spielsucht bei Ihrem Kind bemerken, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe anzunehmen. Dies kann eine Suchtberatungsstelle in Ihrer Stadt sein oder auch die Kinderärztin oder der Kinderarzt als erste Anlaufstelle.

Spielsucht-Therapie wird von den Krankenkassen bezahlt

Die klassische Glücksspiel-Sucht ist als psychische Krankheit anerkannt. Deshalb werden die Kosten der Therapie einer Spielsucht, wie bei vielen anderen Süchten, von den Krankenkassen übernommen. Wichtigste Voraussetzung für den Erfolg der Spielsucht-Therapie ist, dass sich der Betroffene sein Suchtverhalten eingesteht und bereit ist, sich behandeln zu lassen. Bevor sich Spielsüchtige für eine professionelle Therapie entscheiden, liegen oftmals viele erfolglose Versuche, aus eigener Kraft mit dem Spielen aufzuhören, hinter ihnen. Oft sind es auch finanzielle und familiäre Gründe, die zur Entscheidung für eine Spielsucht-Therapie führen, zum Beispiel die Androhung der Trennung des Partners oder der Partnerin, die Verarmung oder die Kündigung der Arbeitsstelle. Dennoch werden viele Spielsüchtige immer wieder rückfällig und spielen weiter – was sie aber nicht entmutigen sollte, die Therapie fortzusetzen. Die Behandlung der Glücksspiel-Sucht ist ein langer Prozess und besteht vor allem aus einer Psychotherapie, die ambulant oder – in schweren Fällen – auch stationär in einer Klinik erfolgt.

Testen Sie sich: Sind Sie spielsüchtig?

Wenn Sie selbst das Gefühl haben, möglicherweise spielsüchtig zu sein, oder jemandem nahestehen, der eine Spielsucht hat, gibt es zahlreiche Stellen, die beim Ausstieg aus der Spielsucht helfen können. Beratung und Hilfe bekommen Sie zum Beispiel bei der Online- und Telefonberatung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Auf deren Website „Check Dein Spiel“ können Sie auch testen, ob Sie bereits Anzeichen einer Spielsucht haben und hierzu diesen Selbsttest machen: https://www.check-dein-spiel.de/infos-tests/selbsttest/.

Weitere Informationen

Autor: Redaktion medproduction
Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Martin Waitz
Datum: November 2020
Quellen:
Aktion Mensch: Hilfe bei Spielsucht. https://www.aktion-mensch.de/lotterie/hilfe-bei-spielsucht (Abruf: November 2020)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Check Dein Spiel. https://www.check-dein-spiel.de/ (Abruf: November 2020)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Spielen mit Verantwortung.
https://www.spielen-mit-verantwortung.de/ (Abruf: November 2020)
Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW: Computerspielsucht erkennen und verstehen. https://www.spieleratgeber-nrw.de (Abruf: November 2020)
Online Casinos Deutschland: Spielsucht: Gewinn, Verlust, Verzweiflung. https://www.onlinecasinosdeutschland.com/news/spielsucht-gewinn-verlust-verzweiflung.html (Abruf: November 2020)
Tagesschau: Online-Glücksspiel Bislang verboten, künftig erlaubt. https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/gluecksspiel-111.html (Abruf: November 2020)