Zahnzusatzversicherungen im Test

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Die meisten privaten Krankenversicherungen (PKV) bieten als spezielle Form der Krankenzusatzversicherung eine Zahnzusatzversicherung an. Sie deckt zahnmedizinische Leistungen ab, deren Kosten von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht oder nur teilweise übernommen werden. Doch Zahnzusatzversicherung ist nicht gleich Zahnzusatzversicherung – die Leistungen und Preise der einzelnen Angebote unterscheiden sich zum Teil deutlich.

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Abhängig vom jeweiligen Versicherungstarif sichert eine Zahnzusatzversicherung verschiedene Risikobereiche ab. Dies umfasst insbesondere die Übernahme der Kosten für zahnärztliche Leistungen wie Vorbeugung (Prophylaxe), Zahnersatz und Zahnfüllungen, Zahnbehandlungen und Kieferorthopädie. Bevor Sie eine Zahnzusatzversicherung abschließen, lohnt sich daher ein Vergleich der Anbieter sowie der angebotenen Tarife und den darin enthaltenen Leistungen.

Welche Leistungen übernehmen gesetzliche Krankenkassen und private Zahnzusatz-Versicherungen?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei zahnmedizinischen Behandlungen nur die anteiligen Kosten für die sogenannte Regelversorgung. Wie hoch die Zuzahlung, also der Zuschuss oder Festzuschuss, der gesetzlichen Krankenkasse ausfällt, richtet sich nach dem zahnärztlichen Befund. Die Krankenkasse muss die Kosten an der Regelversorgung bei zahnärztlichen Leistungen zu mindestens 50 Prozent (ab Oktober 2020 zu 60 Prozent) übernehmen.

Wenn Sie jedoch eine andere Behandlung als die Standardversorgung im Sinne einer privatärztlichen Versorgung wünschen, müssen Sie die Differenz zum Festzuschuss der Krankenkasse aus eigener Tasche bezahlen. Zum Beispiel, wenn Sie eine Krone aus Keramik oder ein Inlay aus Gold wünschen. Der Festzuschuss, den die gesetzlichen Krankenkassen gewähren, bleibt nämlich gleich und deckt die Kosten für Zahnersatz und Zahnfüllungen, wie Zahnkronen, Brücken, Implantate oder Inlays (z.B. Goldinlays), nur zu einem kleineren Teil ab.

Außerdem rechnen Zahnärzte den von Ihnen privat zu zahlenden Anteil an der Zahnbehandlung nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) ab und können hier höhere Honorare verlangen als bei der Abrechnung mit den Krankenkassen. Hinzu kommen Labor- und Materialkosten, die oft mehr als die Hälfte der zahnärztlichen Rechnung ausmachen. Die Rechnung des Zahnarztes kann sich somit schnell auf mehrere Tausend Euro belaufen.

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Haben Sie allerdings eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen, die diese Mehrkosten abdeckt, mindert dies entsprechend den Anteil Ihrer zahnärztlichen Rechnung. Je nach Tarif der Zahnzusatzversicherung, werden die Kosten sogar komplett übernommen. Viele Zahnzusatzversicherungen decken außerdem vorbeugende Zahnarzt-Leistungen wie die Professionelle Zahnreinigung (PZR) als Prophylaxe-Maßnahme mit ab, die etwa 100 Euro kostet und von Zahnärzten ein- bis zweimal pro Jahr empfohlen wird.

Über 300 Tarife im Vergleich – worauf muss ich achten?

In Deutschland gibt es über 300 unterschiedliche Tarife an Zahnzusatzversicherungen. Die Ausgestaltung dieser Versicherungstarife ist so verschieden, dass es nicht nur für Laien, sondern auch für Versicherungsmakler oft schwierig ist, die einzelnen Preise und Leistungen miteinander zu vergleichen.

Bei der Wahl der richtigen Zahnzusatzversicherung ist es im ersten Schritt wichtig, seine individuellen Bedürfnisse zu hinterfragen: Benötige ich überhaupt eine Zahnzusatzversicherung und wenn ja, wofür? Machen Sie sich bewusst, dass sich Zahnzusatzversicherungen hauptsächlich auf hochwertigen Zahnersatz beziehen. Wenn Ihnen eine normale zahnärztliche Versorgung ausreicht, ist eine Zahnzusatzversicherung nicht unbedingt nötig. Denken Sie auch daran, dass Sie bei Vertragsabschluss einige Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten müssen. Eine Zahnzusatzversicherung ist daher bei einem noch „relativ gesunden“ Gebiss zu empfehlen: Zähne, mit denen Sie bereits in zahnärztlicher Behandlung sind, lassen sich meist nicht oder nur gegen Aufpreis versichern.

Achten Sie bei der Wahl des Tarifs unter anderem auf diese Punkte:

  • Welche Leistungen sind in dem Tarif enthalten, z.B. Kunststoff-Füllungen, eine Professionelle Zahnreinigung etc.?
  • Ist die Anzahl der Implantate oder zahnärztlichen Behandlungen pro Jahr begrenzt? Sind evtl. Leistungen bei den Material- und Laborkosten begrenzt?
  • Bezieht sich die Leistung der Zahnzusatzversicherung auf den privaten Rechnungsbetrag oder lediglich auf den Zuschuss der Krankenkasse?
  • Welche Summe deckt der Leistungsumfang ab? Erstattet die Zahnzusatzversicherung 80, 95 oder gar 100 Prozent des Rechnungsbetrags?
  • Wie hoch ist Ihr Eigenanteil?
  • Betrachten Sie die Beitragshöhen über die gesamte Laufzeit: Steigt der Beitrag regelmäßig mit dem Alter an? Gibt es Altersrückstellungen? Bedenken Sie, dass der Beitrag Ihrer Zahnzusatzversicherung aufgrund steigender Gesundheitskosten ohnehin mit zunehmender Vertragsdauer teurer wird.
  • Wie ist die Kündigung geregelt? Kann der Versicherer den Vertrag unter bestimmten Voraussetzungen oder ordnungsgemäß mit einer Frist aufheben?

Orientierung bieten Verbraucherzentralen und Testberichte

Im Jahr 2018 betrug die Zahl der Verträge an privaten Zahnzusatzversicherungen über 16 Millionen. Nicht nur das Angebot an unterschiedlichen Tarifen für Zahnzusatzversicherungen ist groß, auch die preislichen Unterschiede sind zum Teil enorm. Pauschal lässt sich sagen, dass je hochwertiger und umfangreicher ein Tarif ausgestaltet ist, desto teurer ist der Beitrag. Doch die Preise und Leistungen im Detail zu vergleichen und die Versicherungs- und Tarifbedingungen zu verstehen, ist nicht einfach.

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Neben klassischen Versicherungsmaklern bieten auch einige Verbraucherzentralen individuelle Beratung zu Zahnzusatzversicherungen an. Außerdem hat die Stiftung Warentest in den letzten Jahren mehrfach Zahnzusatzversicherungen getestet. Sie kommt zu dem Schluss, dass sich die Qualität und Leistungen der Zahnversicherungen kontinuierlich verbessert haben. Die Testsieger finden sich im Heft Finanzen der Stiftung Warentest. Des Weiteren bietet die Stiftung Warentest im Internet ein kostenpflichtiges Tool an, mit dem sich Tarife der Zahnzusatzversicherungen vergleichen lassen.

Weitere Informationen

Autor: Dr. med. Martin Waitz, Redaktion medproduction
medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: Februar 2020
Quellen:
Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/krankenversicherung/zahnzusatzversicherung-fuer-jeden-zu-empfehlen-41293 (Abruf: 02/2020)
Finanzen.de: https://www.finanzen.de/krankenversicherung/krankenzusatzversicherung/zahnzusatzversicherung (Abruf: 02/2020)
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz – VVG): https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/BJNR263110007.html (Abruf: 02/2020)
Stiftung Warentest: https://www.test.de/thema/zahnzusatzversicherungen/ (Abruf: 02/2020)