Morbus Gaucher (Gaucher-Syndrom)

DNA, Erbgut
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Ursachen: Was sind die Ursachen von Morbus Gaucher?

Bei Morbus Gaucher (auch bekannt als Gaucher-Syndrom) handelt es sich um eine erblich bedingte Stoffwechselerkrankung, bei der die Funktion des Enzyms Glukozerebrosidase eingeschränkt ist. Dieses Enzym spaltet normalerweise Glukozerebroside in Zucker (Glukose) und Fett (Ceramid). Glukozerebroside sind ein wichtiger Baustein der Zellwand und spielen im Fettstoffwechsel eine bedeutende Rolle. Das Enzym Glukozerebrosidase kommt hauptsächlich in Lysosomen vor. Dies sind spezielle Bläschen innerhalb der Zelle, die Verdauungsenzyme enthalten, um komplexe Moleküle in ihre einzelnen Bausteine zu zerlegen.

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Da sich bei dieser Erkrankung Glukozerebroside in den Lysosomen der Zelle anreichern, zählen Ärzte Morbus Gaucher zu den lysosomalen Speicherkrankheiten. Hierzu gehören rund 50 weitere Krankheiten, darunter auch Morbus Fabry, Morbus Hunter und Morbus Pompe. Morbus Gaucher ist jedoch die häufigste lysosomale Speicherkrankheit. Die betroffenen Zellen nennt man Gaucher-Zellen; sie finden sich vor allem in der Leber, der Milz, den Knochen, der Lunge und im Gehirn. Mit fortschreitender Erkrankung verlieren diese Organe deshalb zunehmend ihre Funktion.

Die häufigste Form von Morbus Gaucher (viszerale Form, Typ I) tritt bei einem von 57.000 Neugeborenen auf – die Gaucher-Krankheit gehört daher zu den seltenen Erkrankungen. Da es sich bei Morbus Gaucher um eine autosomal-rezessive Erbkrankheit handelt, bedeutet dies, dass beide Elternteile einen schadhaften genetischen Bauplan für das Enzym vererben müssen, damit das Kind erkrankt. Das Gen, welches den Bauplan für die Glukozerebrosidase kodiert, liegt nicht auf einem Geschlechtschromosom, sondern auf einem sogenannten Autosom. Aus diesem Grund tritt die Krankheit bei Männern und Frauen gleich häufig auf. Jüdisch- und türkisch-stämmige Menschen haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an Morbus Gaucher zu erkranken.

Beschwerden: Wie äußert sich Morbus Gaucher?

Man unterscheidet drei Typen von Morbus Gaucher, die sich in der Schwere der Symptome deutlich unterscheiden. Bei der viszeralen Form (Typ 1) handelt es sich um die leichteste Gaucher-Form, die erst im Erwachsenenalter auftritt. Die Symptome umfassen Knochenbeschwerden, eine Vergrößerung von Milz und Leber, sowie eine Störung der blutbildenden Zellen, was zu Blutarmut (Anämie) und einem Mangel an Blutplättchen (Thrombopenie) führt. Typisch für die viszerale Form von Morbus Gaucher ist, dass neurologische – also die Nerven betreffende – Symptome fehlen.

Die zweite Gaucher-Form, die sogenannte akut neuronopathische Form von Morbus Gaucher (Typ II), tritt bereits bei Säuglingen im Alter von zwei bis drei Monaten auf. Zu Beginn kommt es zu Fütterungs- und Entwicklungsstörungen sowie zu Atemwegsinfekten. Außerdem ist der Bauch durch die Vergrößerung von Milz und Leber deutlich hervorgewölbt. Später treten neurologische Symptome wie Muskelkrämpfe, beispielsweise der Rückenmuskulatur, Schluckstörungen, Atemprobleme, Lähmungen der Augenmuskeln und schließlich eine starke Abmagerung, Gelenksteife und Infekte auf.

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Die chronisch neuronopathische Form von Morbus Gaucher (Typ III) tritt meist erst im Alter von zwei bis drei Jahren auf. Erste Symptome sind Fieber-Schübe unklarer Ursache und die verstärkte Neigung zu Blutungen. Da Milz und Leber deutlich vergrößert sind, kommt es zu starken Bauchschmerzen. Zudem sind bei dieser Gaucher-Form ein Mangel an Blutzellen, eine Blicklähmung, eine geistige Behinderung verbunden mit Verhaltensauffälligkeiten, Bewegungsstörungen und Krampfanfälle typisch.

Diagnose: Wie wird Morbus Gaucher diagnostiziert?

Für die Diagnose von Morbus Gaucher ist es zunächst wichtig, dass die Ärzte an diese seltene Erkrankung denken, wenn Symptome auftreten. Wenn der Verdacht besteht, lässt sich Morbus Gaucher leicht diagnostizieren, indem die Aktivität des betroffenen Enzyms, der Glukozerebrosidase, gemessen wird. Dafür entnimmt der Arzt weiße Blutkörperchen (Leukozyten) oder Bindegewebszellen (Fibroblasten). Hierfür reichen eine Blut-Untersuchung oder eine Gewebeentnahme aus der Haut (Haut-Biopsie). Um zu kontrollieren, ob die Behandlung anschlägt, kann die Menge an Chitotriosidase, einem von Gaucher-Zellen gebildeten Enzym, im Blut bestimmt werden.

Behandlung: Wie kann Morbus Gaucher behandelt werden?

Da bei Morbus Gaucher das Enzym Glukozerebrosidase nicht ausreichend vorhanden ist, wird zur Behandlung gentechnisch hergestelltes Enzym (Imiglucerase) durch regelmäßige Infusionen verabreicht. Patienten, bei denen diese Enzym-Ersatz-Therapie nicht möglich ist, können durch eine sogenannte Substrat-Reduktions-Therapie behandelt werden. Bei dieser Form der Gaucher-Behandlung wird das Enzym Glukosylceramid-Synthase, welches Glukozerebroside herstellt, gehemmt. Der Wirkstoff (Miglustat oder Eliglustat) wird in Form einer Tablette (oral) eingenommen.

Zur Behandlung von Knochenschmerzen, die bei manchen erwachsenen Gaucher-Betroffenen auftreten, können Kortikoide (wie Kortison) eingesetzt werden. Um nicht nur die Symptome zu lindern, sondern diese Erbkrankheit vollständig zu heilen, arbeiten Forscher an der Entwicklung einer Gentherapie. Außerdem könnte Morbus Gaucher in Zukunft möglicherweise durch die Transplantation von blutbildenden Stammzellen geheilt werden.

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Prognose: Wie ist die Prognose von Morbus Gaucher?

Die Prognose von Morbus Gaucher hängt stark davon ab, um welchen Typ der Erkrankung es sich handelt. Mit der Enzym-Ersatz-Therapie lässt sich die viszerale Form (Typ I) gut behandeln. Bei der akut neuronopathischen Form (Typ II) ist die Prognose trotz Enzym-Ersatz-Therapie schlecht; die Krankheit führt meist im Alter von zwei bis drei Jahren zum Tod. Die chronisch neuronopathische Form (Typ III) ist zwar durch die Enzym-Ersatz-Therapie behandelbar, es kann jedoch trotz Therapie zu einer deutlichen geistigen Beeinträchtigung kommen.

Vorbeugung: Wie kann man Morbus Gaucher vorbeugen?

Da es sich bei Morbus Gaucher um eine Erbkrankheit handelt, ist eine Vorbeugung nicht möglich. Personen, die selbst nicht erkrankt sind, können trotzdem genetische Überträger der Erkrankung sein. Sind beide Elternteile Überträger, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 25 Prozent, dass jedes Elternteil seine defekte Kopie des Glukozerebrosidase-Gens weitervererbt und das Kind somit an Morbus Gaucher erkrankt. Ist bei Paaren mit Kinderwunsch Morbus Gaucher in der Familie aufgetreten, empfiehlt sich eine genetische Beratung.

Weitere Informationen

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Web-Tipps:
Gaucher Gesellschaft Deutschland e.V.: http://www.ggd-ev.de/
European Gaucher Alliance: http://www.eurogaucher.org/

Autor: Dr. Annukka Aho-Ritter
medproduction, www.medproduction.de

Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Futerman, A.H.: Gaucher Disease, CRC Taylor & Francis, Boca Raton 2007
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Pharmazeutische Zeitung: Morbus Gaucher – Kapsel statt Infusion. www.pharmazeutische-zeitung.de (Stand: März 2015)