Leberkrebs (Leberkarzinom)

Das Organ Leber
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Ursachen: Was sind die Ursachen von Leberkrebs?

Leberkrebs ist eine Sammelbezeichnung für bösartige Tumoren der Leber. Im engeren Sinne versteht man unter Leberkrebs das primäre Leberzellkarzinom (hepatozelluläres Karzinom). Dieser Tumor entwickelt sich direkt aus entarteten Leberzellen (Hepatozyten). Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 8.300 Menschen neu an Leberkrebs, Männer sind mehr als doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Eine Prognose des Robert Koch-Instituts geht davon aus, dass die Anzahl der Krebsfälle bei beiden Geschlechtern bis zum Jahr 2020 weiter ansteigen wird. Besonders häufig ist Leberkrebs in Südostasien und Afrika, da dort das Hepatitis-B-Virus – ein wichtiger Risikofaktor für Leberkrebs – weit verbreitet ist. In Deutschland liegt das mittlere Erkrankungsalter für Leberkrebs bei Männern bei 70 Jahren, bei Frauen bei 72 Jahren.

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Ist Tumorgewebe dadurch entstanden, dass eine andere Krebsart (zum Beispiel Darmkrebs (kolorektales Karzinom)) in die Leber gestreut hat, liegt eine Lebermetastase und damit kein primärer, sondern ein sekundärer Leberkrebs vor. Lebermetastasen sind die häufigste Krebsform der Leber. Auch aus Zellen der Gallengänge, die das Lebergewebe durchziehen, können sich Krebsgeschwulste in der Leber entwickeln. Diese Tumoren werden dann als intrahepatische (innerhalb der Leber gelegene) Gallengangkarzinome oder Cholangiokarzinome bezeichnet.

Wie jeder Krebs entsteht auch Leberkrebs, wenn sich maligne (bösartig) entartete Zellen unkontrolliert vermehren und dabei immer mehr gesundes Gewebe schädigen. Was beim Leberkrebs genau zu dieser Zellentartung führt, ist häufig nicht eindeutig nachvollziehbar. Allerdings sind bestimmte Risikofaktoren für die Entstehung eines Leberzellkarzinoms bekannt. Dazu zählt die chronische Vernarbung der Leber, die Leberzirrhose, die häufig aufgrund von Alkoholmissbrauch entsteht. Auch eine Leberentzündung (Hepatitis) kann zu einer Leberzirrhose führen und damit die Entstehung von Leberkrebs begünstigen.

Eine Infektion mit dem Hepatitis B- oder C-Virus stellt auch ohne das Auftreten einer Leberzirrhose einen Risikofaktor für Leberkrebs dar. Manche erblichen Stoffwechsel-Erkrankungen wie die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) schädigen das Lebergewebe und erhöhen ebenfalls das Risiko für Leberkrebs. Außerdem fördert der Giftstoff Aflatoxin die Entstehung des primären Leberzellkarzinoms. Dieses Gift stammt von einer Schimmelpilzart, die in feuchtwarmen Klimazonen vor allem Getreide, Reis und Erdnüsse befällt.

Beschwerden: Wie äußert sich Leberkrebs?

Die Anzeichen für Leberkrebs entsprechen oft denen einer bereits vorliegenden Leberzirrhose oder Hepatitis. In diesen Fällen kann ein primäres Leberzellkarzinom durch eine plötzliche Verschlechterung der Beschwerden auffallen. Häufig verläuft eine Leberkrebs-Erkrankung aber ohne charakteristische Symptome. Dieser Umstand erschwert eine frühzeitige Diagnose. Sind Symptome vorhanden, gehören Schmerzen im rechten Oberbauch ebenso zum Krankheitsbild wie allgemeine Schwäche und Müdigkeit. Oft kommt es zu Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Auch Fieber kann bei Leberkrebs auftreten.

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Die krankhaften Gewebeveränderungen durch den Leberkrebs vermindern die Leberfunktion oder können zu einem Blutrückstau in der Lebervene (Pfortader-Hochdruck) führen. Als Folge davon kann es zur Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum (Bauchwassersucht, Aszites) und zu Blutungen im Magen-Darm-Trakt kommen, die sich als schwarz verfärbter Stuhl oder Bluterbrechen bemerkbar machen. Außerdem kann der Abbau des Gallenfarbstoffs (Bilirubin) beeinträchtigt sein. Eine Gelbverfärbung der Haut – insbesondere der Augenbindehäute – tritt dann als typisches Symptom auf (Gelbsucht, Ikterus). Zusätzlich sind dabei auch dunkel verfärbter Urin, aufgehellter Stuhl und Juckreiz möglich.

Diagnose: Wie wird Leberkrebs diagnostiziert?

Ein wichtiger Schritt in der Leberkrebs-Diagnose ist ein ausführliches Gespräch zwischen dem Arzt und dem Betroffenen. Der Arzt fragt hier insbesondere nach vorliegenden Symptomen und möglichen Grunderkrankungen wie zum Beispiel einer virusbedingten Hepatitis. Die körperliche Untersuchung gibt weitere Hinweise auf Leberkrebs. Neben sichtbaren Zeichen einer Lebererkrankung kann der untersuchende Arzt durch Abtasten der Leberregion im rechten Oberbauch versuchen, eine Verhärtung des Lebergewebes, eine Organvergrößerung oder Tumoren festzustellen.

Eine Blut-Untersuchung zeigt, ob eine Funktionsstörung der Leber vorliegt. Außerdem unterstützt die Bestimmung von Alpha-Fetoprotein (AFP) im Blut die Diagnose eines primären Leberzellkarzinoms. Ein erhöhter Wert dieses sogenannten Tumormarkers beweist zwar nicht das Vorliegen von Leberkrebs, lässt aber besonders bei gleichzeitig bestehenden typischen Symptomen auf Leberkrebs schließen. Vor allem in der Tumornachsorge ist die regelmäßige Kontrolle dieses Werts hilfreich.

Besonders wichtig, um Leberkrebs festzustellen und ihn von anderen möglichen Erkrankungen abzugrenzen, sind folgende Untersuchungsverfahren:

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Ultraschall-Untersuchung (Sonografie):

Der Arzt kann das Lebergewebe beurteilen und dabei oft Leberzellkarzinome von Lebermetastasen unterscheiden. Hat der Leberkrebs selbst schon Metastasen in die Baucheingeweide gestreut, sind diese gegebenenfalls im Ultraschall erkennbar.

Computertomografie (CT) und Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) des Bauchraums:

Bei Verdacht auf Leberkrebs ermöglichen diese Verfahren eine genauere Beurteilung der Leber. Der Einsatz von Kontrastmittel gibt zusätzlich Aufschlüsse über die Blutversorgung von Tumoren. Hierfür kann auch eine spezielle Gefäßuntersuchung (Angiografie) eingesetzt werden.

Röntgen-Untersuchung des Brustkorbs:

Hier zeigt sich, ob ein Leberkrebs bereits Metastasen in der Lunge oder in Lymphknoten des Brustraums gebildet hat. Gegebenenfalls wird hierfür auch eine Computertomografie (CT) des Brustkorbs herangezogen.

Darmspiegelung (Koloskopie) und Magenspiegelung (Gastroskopie):

Besteht der Verdacht, dass es sich bei Tumoren der Leber um Lebermetastasen handelt, muss mit diesen Methoden nach einem streuenden Krebsherd im Magen-Darm-Trakt gesucht werden.

Biopsie:

Sollten noch Zweifel bestehen, ob es sich wirklich um Leberkrebs handelt, entnimmt der Arzt mit einer Biopsie-Nadel durch die Bauchhaut etwas Tumorgewebe aus der Leber. Die mikroskopische Untersuchung der entnommenen Zellen liefert dann ein eindeutiges Ergebnis.

Behandlung: Wie kann Leberkrebs behandelt werden?

Man kann die Leberkrebs-Therapie in zwei Gruppen einteilen:

  • Kurative Behandlungsmethoden, welche die vollständige Heilung zum Ziel haben (Operation)
  • Palliative Therapieformen, die nicht zur Heilung führen, aber die Lebenserwartung des Patienten erhöhen und seine Lebensqualität verbessern (lokale und systemische Methoden)

Die Leberkrebs-Therapie richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung: In frühen Stadien kann Leberkrebs durch eine Operation und andere Behandlungsmethoden geheilt werden. Bei einem sehr weit fortgeschrittenen Leberkarzinom, das bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gestreut hat, ist eine Heilung oft nicht mehr möglich. Auch kann bei einer ausgeprägten Leberzirrhose oder für sehr geschwächte Patienten eine Leberkrebs-Operation zu belastend sein.

Operation bei Leberkrebs

  • Leberteilresektion: Bei dieser Methode wird der Teil der Leber operativ entfernt, der von dem Leberkrebs befallen ist. Wichtig ist dabei, dass kein Tumorrest, dafür aber genügend gesundes Lebergewebe im Körper verbleibt.
  • Lebertransplantation: Bei jungen und ansonsten gesunden Patienten mit Leberkrebs bietet die Entnahme der erkrankten Leber und die Verpflanzung einer Spenderleber eine Möglichkeit, die Krebserkrankung zu heilen.

Lokale Methoden bei Leberkrebs

Diese Behandlungsformen kommen direkt an der Stelle des Leberzellkarzinoms (lokal) zum Einsatz:

  • Wärmeverödung: Das Einbringen einer Sonde in den Tumor verödet das bösartige Gewebe durch lokale Hitzeentwicklung. Ebenso kann über einen Laser Hitze im Leberkrebs erzeugt werden. Dieses Verfahren bezeichnen Ärzte auch als Radiofrequenz-Ablation (RFA).
  • Interne Radiotherapie: Bei dieser „Bestrahlung von innen“ wird radioaktives Material verabreicht, das sich dann in den Zellen des Leberzellkarzinoms ansammelt. Dort führt die radioaktive Strahlung zum Absterben des Tumors.
  • Chemoembolisation: Direkt eingespritztes Material (zum Beispiel Kunststoffkügelchen) verstopft den Ast einer Leberarterie, die den Tumor mit Blut versorgt. Dadurch gehen die Leberkrebs-Zellen zugrunde. Zusätzlich bewirken in die Leberarterie eingespritzte Medikamente (Chemotherapeutika, Zytostatika) ein Absterben des Leberkrebs-Gewebes. Daher wird dieses Verfahren auch lokale Chemotherapie genannt.

Systemische Methoden

Neben lokalen Methoden wird bei vielen Krebsarten oft eine systemische (= den ganzen Organismus betreffende) Chemotherapie eingesetzt. Beim primären Leberzellkarzinom führt diese Behandlungsform allerdings nicht zum gewünschten Erfolg. Jedoch steht mit dem Wirkstoff Sorafenib mittlerweile ein neues Medikament für eine systemische Behandlung zur Verfügung. Dieser Wirkstoff hemmt gezielt das Wachstum von bestimmten Tumorzellen. Therapieansätze, die zielgenau Tumorzellen angreifen, fasst man unter dem Überbegriff zielgerichtete Krebstherapien („targeted therapies“) zusammen.

Prognose: Wie ist die Prognose bei Leberkrebs?

Früh erkannt, ist Leberkrebs heilbar. Jedoch wird Leberkrebs in den meisten Fällen bereits in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Spät erkannt und unbehandelt führt das primäre Leberzellkarzinom im Durchschnitt nach wenigen Monaten zum Tode. Insbesondere, wenn es gelingt, den Tumor vollständig zu entfernen, verlängert sich die Überlebenszeit deutlich.

Eine Tumornachsorge ist sehr wichtig, damit ein Zurückkehren des Leberkrebses (Leberkrebs-Rezidiv) frühzeitig erkannt wird: Daher ist es wichtig, dass der Arzt in regelmäßigen Abständen Ultraschall-Untersuchungen (Sonografie) durchführt und den AFP-Blutwert kontrolliert.

Vorbeugung: Wie kann man Leberkrebs vorbeugen?

Eine Hepatitis-B-Impfung und der Verzicht auf Alkohol können eine Leberzirrhose verhindern und stellen somit einen guten Schutz gegen Leberkrebs dar. Außerdem sollte man darauf achten, keine verschimmelten Nahrungsmittel zu verzehren.

Sind Erkrankungen, die eine Leberzirrhose und damit Leberkrebs fördern, bereits aufgetreten, sollte frühzeitig eine geeignete Behandlung dieser Krankheiten erfolgen. Liegt bereits eine Leberzirrhose, eine chronische Hepatitis B oder eine Fettleber-Hepatitis vor, sind die halbjährliche Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) sowie die Kontrolle des Tumormarkers AFP empfehlenswert.

Weitere Informationen

Web-Tipps:
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.: www.krebsgesellschaft.de
Deutsche Krebshilfe e.V.: www.krebshilfe.de
Deutsche Leberhilfe e.V.: www.leberhilfe.org

Buch-Tipps:
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Autor: Torsten Stiewe (Arzt)
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Datum der letzten Aktualisierung: Dezember 2017
Quellen:
Fauci, A.S. et al.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlag, Berlin 2012
Deutsche Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 12/2017)
Deutsche Krebshilfe: Krebs der Leber und Gallenwege. www.krebshilfe.de (Abruf: 12/2017)
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) et al.: Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/053 (Stand: 05/2013)
Robert Koch-Institut (Hrsg.): Krebs in Deutschland 2009/2010. Häufigkeiten und Trends. 9. Auflage. Robert Koch-Institut, Berlin 2013