Lipödem

Manuelle Therapie (Foto: Pixabay.com)
Manuelle Therapie (Foto: Pixabay.com)

Ursachen: Welche Ursachen hat ein Lipödem?

Ein Lipödem ist eine chronische, fortschreitende Krankheit, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Sie ist durch eine gestörte Fettverteilung an den Armen und/oder Beinen gekennzeichnet. Die genaue Ursache für die zum Teil massive Vermehrung des Unterhaut-Fettgewebes ist unbekannt. Eine erbliche (genetische) Veranlagung für ein Lipödem ist wahrscheinlich, da in bis zu 60 Prozent der Fälle das Lipödem in der Familie gehäuft auftritt.

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Eine wichtige Rolle bei der Ursache des Lipödems spielen die Hormone: So entwickelt sich das Lipödem in der Regel während einer Phase hormoneller Umstellung, zum Beispiel in der Pubertät, in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren (Klimakterium). Bei Männern ist ein Lipödem extrem selten und meist auf eine Hormonbehandlung, eine Hormonstörung (z.B. Hypogonadismus) oder eine Leberzirrhose zurückzuführen.

Gefäßschäden sind eine weitere mögliche Ursache von Lipödemen. Nach dieser Theorie sollen die Blutgefäße im Unterhaut-Fettgewebe der Betroffenen entzündlich verändert und somit durchlässiger sein. Dies begünstigt den Übertritt von Flüssigkeit ins Gewebe und wäre auch eine Erklärung für die höhere Anfälligkeit für Blutergüsse.

Übrigens: Lipödeme können auch bei schlanken Frauen auftreten – das Vorurteil, dass das Lipödem eine Folge von Übergewicht ist, ist falsch. Starkes Übergewicht (Adipositas) und Bewegungsmangel können allerdings die Symptome beim Lipödem verstärken.

Beschwerden: Wie äußert sich ein Lipödem?

Typisch für ein Lipödem ist die massive Vermehrung von Fettgewebe, und zwar meist symmetrisch an beiden Armen und/oder Beinen. Auffällig ist der Kalibersprung des Umfangs zur angrenzenden gesunden Körperregion, was umgangssprachlich als „Fettkragen“ und an den Beinen als „Reiterhosen“ bezeichnet wird. Neben der Zunahme des Unterhaut-Fettgewebes bilden sich Ödeme, dies sind Wassereinlagerungen im Gewebe. Zusätzlich kommt es beim Lipödem häufig zu Blutergüssen (Hämatomen) nach leichten Bagatellverletzungen. Ein Lipödem bereitet meist Schmerzen, vor allem Druck-, Spontan- und Spannungsschmerzen.

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Das Lipödem verläuft progredient, das heißt, es schreitet unbehandelt fort. Es können dann weitere Symptome auftreten, wie Wülste (Wammen), Knoten und Hautentzündungen (chronisch irritative Dermatitis). Auch sind orthopädische Probleme sowie seelische Probleme durch die Belastung des Lipödems möglich.

Diagnose: Wie wird ein Lipödem diagnostiziert?

Es ist wichtig, frühzeitig die Diagnose „Lipödem“ zu stellen, um es behandeln zu können, bevor es weiter fortschreitet. Außerdem ist es wichtig, andere Ursachen auszuschließen, zum Beispiel ein Lymphödem, ein Lipom oder eine generelle Adipositas. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der durch eine gezielte Befragung (Anamnese), Begutachtung (Inspektion) und Abtasten (Palpation) einen ersten Eindruck von der Ursache der Umfangsvermehrung an den Armen und/oder Beinen bekommt. Im Verlauf der Diagnostik des Lipödems werden das Gewicht, der Body-Mass-Index (BMI) und weitere Parameter wie die sogenannte Waist-Hip-Ratio (WHR), die Waist-Height-Ratio (WTR) sowie Umfangs- und Volumenmessungen an den Armen und Beinen vorgenommen.

Für die Diagnose eines Lipödems gelten folgende klinische Kriterien:

  • Es beginnt in der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause.
  • Es kommt zu einer unverhältnismäßigen (disproportionalen) Vermehrung von Fettgewebe in den Armen und/oder Beinen (Extremitäten).
  • Es zeigt sich ein typischer Kalibersprung des Umfangs zur angrenzenden gesunden Körperregion.
  • Die Hände und Füße sind nicht betroffen.
  • Die betroffenen Extremitäten fühlen sich schwer und gespannt an.
  • Das Abtasten der betroffenen Arme und/oder Beine ist schmerzhaft.
  • Im Tagesverlauf nehmen die Ödeme und die Neigung zu Blutergüssen zu.
  • Ein Lymphödem kann ausgeschlossen werden (Stemmer-Zeichen negativ).

Weitere Untersuchungen, wie eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie), Computertomografie (CT), Kernspintomografie (MRT) oder Untersuchungen des Lymphsystems (Lymphografie) sind in bestimmten Fällen sinnvoll, müssen in der Routine-Diagnostik des Lymphödems aber nicht erfolgen.

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Behandlung: Wie kann ein Lipödem behandelt werden?

Ein Lipödem ist nicht heilbar, aber eine Behandlung kann die Beschwerden deutlich bessern und Komplikationen vermeiden. Welche Behandlung durchgeführt wird, hängt vor allem vom Stadium und von den Symptomen des Lipödems ab. Um die Ödeme zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern, eignet sich die sogenannte kombinierte physikalische Entstauungstherapie (KPE). Sie besteht aus vier Therapien:

  1. manuelle Lymphdrainage
  2. Kompressionstherapie
  3. Bewegungstherapie
  4. Hautpflege

Um eine dauerhafte Reduktion des krankhaften Unterhaut-Fettgewebes an den Beinen und Armen zu erreichen, kann beim Lipödem eine Fettabsaugung (Liposuktion) durchgeführt werden. Dieser Eingriff verbessert die Schmerzen und die Neigung zu Blutergüssen deutlich. Die Fettabsaugung ist allerdings keine Methode zur Gewichtsabnahme. Medikamente, wie entwässernde Mittel (Diuretika) gegen die Ödeme, werden beim Lipödem nicht empfohlen.

Die Ernährung spielt beim Lipödem eine Rolle, wenngleich es keine Lipödem-spezifische Diät gibt. Eine Ernährungsumstellung ist vor allem bei gleichzeitig bestehendem Übergewicht ratsam. Dies gilt auch für körperliche Aktivität und Sport. Besonders effektiv beim Lipödem sind Sportarten im Wasser, zum Beispiel Schwimmen, Aqua-Jogging, Aqua-Aerobic und Aqua-Cycling, weil durch den Auftrieb die Gelenke entlastet werden, durch die Bewegung gegen den Wasserwiderstand Kalorien verbraucht werden und durch den Wasserdruck eine Lymphdrainage bewirkt wird.

Eine Psychotherapie kann beim Lipödem sinnvoll sein, zum einen, weil viele Betroffene unter der Krankheit leiden und ein vermindertes Selbstwertgefühl oder sogar Depressionen entwickeln. Zum anderen kann eine Psychotherapie Menschen helfen, die neben dem Lipödem unter starkem Übergewicht leiden, das durch eine Essstörung bedingt ist.

Prognose: Wie ist die Prognose des Lipödems?

Die Prognose eines Lipödems ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Heilbar ist das Lipödem nicht, aber die Symptome lassen sich durch eine Behandlung deutlich lindern. Prognostisch ungünstig ist, wenn zusätzlich zum Lipödem starkes Übergewicht vorliegt und der Betroffene sich wenig bewegt. Die kombinierte physikalische Entstauungstherapie (KPE), eine Fettabsaugung (Liposuktion) sowie regelmäßige Bewegung tragen dazu bei, die Beschwerden und das Risiko von Komplikationen beim Lipödem zu vermindern.

Vorbeugung: Wie kann man einem Lipödem vorbeugen?

Da die Ursache des Lipödems weitgehend unbekannt ist und vermutlich unter anderem durch erbliche Veranlagung bedingt ist, lässt sich einem Lipödem nicht vorbeugen. Wer aber bereits unter einem Lipödem leidet, kann weiteren Komplikationen vorbeugen, indem er sich frühzeitig behandeln lässt und sich regelmäßig ausreichend bewegt.

Weitere Informationen

Autor: Redaktion medproduction, www.medproduction.de
Datum: Juli 2020
Quellen:
AWMF: S1-Leitlinie Lipödem: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/037-012l_S1_Lipoedem_2016-01.pdf (Abruf: 07/2020)
Arteo: Fettabsaugung. https://m-akbas.de/fettabsaugung/ (Abruf: 07/2020)
Lymphologischer Informationsdienst: www.lipoedemportal.de (Abruf: 07/2020)