Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)

Zigarette, Raucher, Hand
© Cheryl Holt / pixabay.de

Ursachen: Was sind die Ursachen von Lungenkrebs?

Unter Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) versteht man bösartige Tumoren des Lungengewebes. Ursachen für Lungenkrebs sind zumeist schädliche Substanzen, die über die Atemluft in die Lunge gelangen. Der wichtigste Risikofaktor, an einem Lungenkarzinom zu erkranken, ist das Rauchen. Rund 90 Prozent der Betroffenen sind oder waren Raucher. Auch Menschen, die regelmäßig Tabakrauch ausgesetzt sind ohne selbst Tabak zu konsumieren („Passivraucher“), haben ein deutlich erhöhtes Lungenkrebs-Risiko. Des Weiteren können Stoffe, die vermehrt an Arbeitsplätzen eingeatmet werden, das Risiko für Lungenkrebs erhöhen. Zu solchen Substanzen zählen zum Beispiel Asbest, Arsen, Berillium, Cadmium, Chrom, Nickel, Radon und Dieselabgase. Ebenso können Infektionen der Lunge (etwa Tuberkulose), eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) sowie Luftverunreinigungen (Feinstaub) eine Rolle bei der Entstehung von Lungenkrebs spielen. Man vermutet, dass auch eine erbliche Veranlagung (genetische Disposition) das Lungenkrebs-Risiko beeinflusst.

Anzeige

Es gibt verschiedene Arten von Lungenkrebs. Grundsätzlich wird zwischen dem weniger häufigen kleinzelligen Bronchialkarzinom und dem nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom unterschieden. Ungefähr 85 Prozent der Lungenkrebsfälle sind nicht-kleinzellige Karzinome, die weiterhin in Plattenepithelkarzinome (ca. 40 Prozent), Adenokarzinome (ca. 35 Prozent) und großzellige Karzinome (über 10 Prozent) aufgeteilt werden. Nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome breiten sich eher langsam in der Lunge aus, während kleinzellige Lungenkarzinome schnell wachsen. Tumoren der Lunge können Tochtergeschwülste (Metastasen) im Körper bilden.

In Deutschland erkranken jährlich rund 53.500 Menschen an Lungenkrebs. Damit sind Lungentumoren die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen und Männern in Deutschland. Männer sind jedoch doppelt so häufig betroffen wie Frauen – bei ihnen ist Lungenkrebs die häufigste Krebstod-Ursache. Die Neuerkrankungsrate (Inzidenz) bei Frauen ist in den letzten Jahren allerdings gestiegen, da verglichen mit früheren Jahren immer mehr Frauen rauchen. Bei Männern ist der Trend hingegen etwas rückläufig. Dennoch gehen Experten von einem weiteren Anstieg von Lungenkrebs-Erkrankungen für beide Geschlechter bis zum Jahr 2020 aus. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei 70 Jahren, bei Frauen bei 68 Jahren.

Beschwerden: Wie äußert sich Lungenkrebs?

Lungenkrebs verursacht zu Beginn der Erkrankung nur selten oder uncharakteristische Symptome. Husten kann ein erstes Signal für Lungenkrebs sein, vor allem wenn er trotz Behandlung länger anhält oder sich verändert. Weitere Symptome eines Bronchialkarzinoms können Atemnot, Heiserkeit und Schmerzen in der Brust sein. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Auswurf mit oder ohne Blutbeimengungen, Appetitlosigkeit, Fieberschüben, Abgeschlagenheit, Schwellungen von Hals und Kopf, starken Schmerzen und Lähmungen kommen.

Diagnose: Wie wird Lungenkrebs diagnostiziert?

Wenn der Verdacht auf Lungenkrebs besteht, ordnet der Arzt eine Röntgen-Untersuchung des Brustkorbs an. Anschließend folgt meist eine Computertomografie (CT). So kann der Arzt auch kleine Gewebsveränderungen erkennen und die Lage des Tumors besser einschätzen. Außerdem wird der Auswurf auf Krebszellen hin untersucht (Sputumzytologie). Mit einer Lungenspiegelung (Bronchoskopie) lässt sich Lungenkrebs meist sicher nachweisen. Während der Untersuchung kann der Arzt zusätzlich Gewebeproben entnehmen (Biopsie). Um weiteres Probenmaterial zu gewinnen, werden meist die Bronchien gespült (Bronchiallavage, BAL) und ein Bürstenabstrich der Atemwege entnommen. In der Mehrzahl der Fälle bringt eine mikroskopische Gewebeuntersuchung Gewissheit darüber, ob der Tumor gut- oder bösartig ist. Weniger wichtig für die Diagnose von Lungenkrebs ist die Bestimmung von sogenannten Tumormarkern im Blut. Tumormarker sind bestimmte Substanzen, die der Tumor entweder selbst produziert oder deren Produktion er anregt (zum Beispiel Calcitonin beim medullären Schilddrüsenkarzinom).

Anzeige

Wenn sich der Verdacht auf Lungenkrebs bestätigt hat, bestimmt der Arzt zunächst die Art des Karzinoms anhand von Gewebeproben (histologische Untersuchung). Im Anschluss daran muss geklärt werden, ob sich der Tumor über die Lunge hinaus ausgebreitet hat. Hierzu erfolgt eine Untersuchung der Organe, in denen sich Zellen von Bronchialkarzinomen vermehrt ausbreiten. Dazu gehören Leber, Nebennieren, Gehirn, das Skelettsystem und das Lymphsystem, besonders im Bereich zwischen den Lungenflügeln (Mediastinum) und im hinteren Bauchraum. Um Tochtergeschwulste (Metastasen) aufzuspüren, kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz, zum Beispiel Computertomografie (CT), Ultraschall (Sonografie), Positronen-Emissions-Tomografie (PET), Knochenszintigrafie und Knochenmarksbiopsie.

Behandlung: Wie kann Lungenkrebs behandelt werden?

Die Therapie bei Lungenkrebs orientiert sich sowohl am Gesundheitszustand des Betroffenen als auch am Stadium der Erkrankung sowie an der jeweiligen Art des Bronchialkarzinoms. Bei nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen ohne Metastasen entfernt der Arzt den Tumor operativ. Sind die Lymphknoten bereits befallen, werden auch sie vollständig herausoperiert. In fortgeschrittenen Stadien erfolgen zusätzlich Strahlentherapie und Chemotherapie. Bei Betroffenen, deren Tumorzellen bestimmte Merkmale aufweisen, können auch sogenannte zielgerichtete Krebstherapien („targeted therapies“) zum Einsatz kommen. Bei diesen Therapieansätzen verabreicht der Arzt Wirkstoffe, die gezielt Tumorzellen angreifen und deren Wachstum hemmen – gesunde Zellen werden dabei weitgehend geschont. Bislang sind folgende Wirkstoffe für die zielgerichtete Therapie des fortgeschrittenen, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms zugelassen: Bevacizumab, Erlotinib, Afatinib und Gefinitib (auch in früheren Erkrankungsstadien).

Da kleinzellige Lungenkarzinome häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden, in dem der Tumor bereits Tochtergeschwulste gebildet hat, steht bei dieser Lungenkrebsart die Chemotherapie – teilweise in Kombination mit einer Strahlentherapie – im Vordergrund. Zur Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms ist keine zielgerichtete Therapie zugelassen.

Ist der Lungenkrebs zu weit fortgeschritten, konzentriert sich die Therapie nicht mehr auf die Heilung der Erkrankung (kurative Therapie), sondern auf die Linderung der Beschwerden (palliative Therapie), etwa mithilfe von Schmerzmitteln.

Leser dieses Artikels interessierten sich auch für:

Prognose: Wie ist die Prognose von Lungenkrebs?

Die Heilungschancen bei Lungenkrebs hängen von Stadium, Typ und Ausbreitung des Tumors ab, ebenso vom allgemeinen Gesundheitszustand des Betroffenen. Wenn der Lungenkrebs frühzeitig entdeckt wird und noch keine Metastasen vorliegen, ist in den meisten Fällen eine Operation möglich. Bei fast zwei Drittel der Betroffenen kann der Tumor jedoch bereits bei der Diagnosestellung nicht mehr operativ entfernt werden, sodass sich die Prognose verschlechtert.

Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome haben generell eine günstigere Prognose als kleinzellige Tumoren. So leben etwa 40 bis 50 Prozent der Menschen mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom im frühen Stadium bei entsprechender Therapie noch länger als fünf Jahre. Ohne Behandlung beträgt die Lebenserwartung bei einem kleinzelligen Lungenkrebs hingegen nur wenige Monate.

Vorbeugung: Wie kann man Lungenkrebs vorbeugen?

Der Verzicht auf das Rauchen ist die effektivste Methode, um Lungenkrebs vorzubeugen. Fast 90 Prozent der bösartigen Lungentumoren sind dem Tabakkonsum zuzuschreiben. Jeder zehnte Raucher entwickelt im Laufe seines Lebens ein Lungenkarzinom. Dabei nimmt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ab, je länger man auf Tabak verzichtet: Bereits nach fünf Jahren ist das Risiko um etwa 60 Prozent gesunken. Wer jeden Tag ausreichend Obst und Gemüse isst und regelmäßig Sport treibt, hat außerdem ein geringeres Lungenkrebs-Risiko.

Buch-Tipps:
Diese Bücher können Sie direkt bei Amazon bestellen (Anzeige):

Weitere Informationen

Autor: Marie-Luise Lemberg, Dr. med. M. Waitz
medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum der letzten Aktualisierung: Dezember 2017
Quellen:
Baenkler, H.W.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015
Deutsches Krebsforschungszentrum. Krebsinformationsdienst: Lungenkrebs. www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 12/2017)
Deutsche Krebsgesellschaft: Wie wird Lungenkrebs behandelt? www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 12/2017)
Deutsche Krebshilfe: Lungenkrebs. www.krebshilfe.de (Abruf: 12/2017)
Goeckenjan, G. et al.: Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Interdisziplinäre S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Krebsgesellschaft. Pneumologie 2010; 64, Supplement 2: e1-e164
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Leischner, H.: Onkologie. Urban & Fischer, München 2013
Robert Koch-Institut (Hrsg.): Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Robert Koch-Institut, Berlin 2016