Kinderkrankheiten

© Dieter Schütz / pixelio.de

Ursachen: Was sind die Ursachen von Kinderkrankheiten?

Kinderkrankheiten sind Infektionskrankheiten, die vorwiegend und typischerweise im Säuglings-, Kleinkind- und Kindesalter auftreten. Sie werden durch Viren und Bakterien, selten auch durch andere Erreger hervorgerufen und meist über Tröpfcheninfektion (durch Speichel oder Nasensekret beim Sprechen, Husten oder Niesen) übertragen. Die Kinder stecken sich oftmals in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten oder Schule an. Kinderkrankheiten können auch noch bei Erwachsenen auftreten. Dies ist jedoch seltener der Fall.

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Häufige Kinderkrankheiten und ihre Erreger sind:

  • Masern (Morbilli): Masernvirus
  • Mumps (Parotitis epidemica, „Ziegenpeter“): Mumpsvirus
  • Röteln: Rötelnvirus
  • Scharlach: Streptokokken der Gruppe A (Scharlach-Bakterien)
  • Windpocken (Varizellen): Varicella-Zoster-Virus
  • Diphtherie: Corynebacterium diphtheriae (Diphtherie-Bakterien)
  • Keuchhusten (Pertussis): Bordetella pertussis (Keuchhusten-Bakterien)

Beschwerden: Wie äußern sich Kinderkrankheiten?

Kinderkrankheiten machen sich meist durch typische Symptome bemerkbar. Je nach Erkrankung treten nach einer kurzen Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) Allgemeinbeschwerden wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Bauchschmerzen, Husten, Schnupfen (Rhinitis) und Fieber sowie ein charakteristischer Hautausschlag auf.

Typische Symptome der einzelnen Kinderkrankheiten sind:

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  • Masern: Dunkelroter, großfleckiger, unregelmäßig begrenzter Hautausschlag, der hinter den Ohren beginnt und sich über den ganzen Körper ausbreitet, außerdem sogenannte Koplik-Flecken (weiße, kalkspritzerartige Flecken in der Wangenschleimhaut)
  • Mumps: Schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüse, „Hamsterbacken“, Gefahr von Hirnhautentzündung (Meningitis) und Hodenentzündung (Orchitis)
  • Röteln: Kleinfleckiger Hautausschlag, der hinter den Ohren beginnt und sich über Gesicht und Hals auf den ganzen Körper ausbreitet, zudem vergrößerte, schmerzhafte Lymphknoten im Nacken und hinter den Ohren sowie häufig Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und vergrößerte Milz
  • Scharlach: Hohes Fieber, Mandelentzündung (Tonsillitis), rote Zunge („Himbeerzunge“), Hautausschlag, der in der Leiste beginnt und sich über den gesamten Körper – außer der Region um den Mund („periorale Aussparung“) – ausbreitet
  • Windpocken (Varizellen): Bläschenartiger Hautausschlag sowie kleine, runde, rote Flecken über Rumpf, Kopf, Gesicht, Armen und Beinen, oft verschiedene Formen von Ausschlag zur gleichen Zeit (Sternenhimmel) und starker Juckreiz
  • Diphtherie: Je nach Ausbreitung Rachen- und Mandeldiphtherie, Nasendiphtherie, Kehlkopfdiphtherie, Hautdiphtherie: Unter anderem mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Mandelentzündung, Rachenentzündung, Heiserkeit und Lymphknotenschwellungen
  • Keuchhusten (Pertussis): Zunächst Symptome ähnlich einer Grippe (Influenza) mit Husten, Schnupfen, Fieber, dann anfallsartige Hustenattacken (Stakkatohusten).

Diagnose: Wie werden Kinderkrankheiten diagnostiziert?

Kinderkrankheiten lassen sich meist bereits anhand ihrer typischen Symptome erkennen. Vor allem, wenn andere Kinder aus der unmittelbaren Umgebung (zum Beispiel im Kindergarten oder in der Schule) ebenfalls erkrankt sind, liegt der Verdacht auf eine ansteckende Kinderkrankheit wie Masern, Mumps, Röteln, Scharlach, Windpocken, Diphtherie oder Keuchhusten nah.

Der Kinderarzt wird, um die Diagnose zu sichern, eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen und dabei vor allem auf einen möglicherweise typischen Hautausschlag und auf vergrößerte Lymphknoten achten. Unter Umständen ist eine weitere Diagnostik, wie Blut-Untersuchungen und Abstriche (zum Beispiel von der Wangenschleimhaut) sinnvoll, um die Kinderkrankheit festzustellen.

Behandlung: Wie können Kinderkrankheiten behandelt werden?

Die meisten Kinderkrankheiten werden nicht ursächlich, sondern symptomatisch behandelt. Körperliche Schonung, Maßnahmen gegen die Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und Husten, sowie kühlende Umschläge bei juckendem Hautausschlag unterstützen den Heilungsprozess und helfen, dass sich das Kind erholt. Der Kinderarzt berät die Eltern, welche Medikamente jeweils infrage kommen und in welcher Dosierung das Kind diese einnehmen soll. Bei Scharlach, einer durch Bakterien verursachten Kinderkrankheit, kommen Antibiotika (Penizillin) zum Einsatz. Diese werden vom Kinderarzt verordnet.

Prognose: Wie ist die Prognose von Kinderkrankheiten?

Die meisten Kinderkrankheiten verlaufen bei Kindern ohne Komplikationen, sodass diese nach einigen Tagen wieder völlig gesund sind. Häufig resultiert nach einmaliger Krankheit sogar eine lebenslange Immunität, das heißt, man erkrankt nicht ein zweites Mal an der jeweiligen Kinderkrankheit. In einigen Fällen können jedoch Komplikationen auftreten, zum Beispiel Folgeerkrankungen wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Hodenentzündung (Orchitis) bei Mumps. Bei der Diphtherie werden häufig schwere Verläufe beobachtet, deshalb ist hier eine vorbeugende Impfung besonders wichtig.

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Vorbeugung: Wie kann man Kinderkrankheiten vorbeugen?

Zunächst gilt es, den Kontakt zu erkrankten Kindern – wenn möglich – zu vermeiden. Falls ein Kind an einer Kinderkrankheit wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken leidet, darf es in der Regel in dieser Zeit nicht in den Kindergarten oder die Schule, damit es andere Kinder nicht ansteckt. Gegen viele Kinderkrankheiten steht außerdem eine Schutzimpfung zur Verfügung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut spricht regelmäßige Impfempfehlungen aus.

Ferner rät die STIKO für Erwachsene, die nach dem Jahr 1970 geboren wurden, zu einer Masern-Impfung, wenn noch keine Impfung vorliegt, der Impfstatus unbekannt ist oder die Impfung bereits mehrere Jahre zurückliegt. Diese Impfung erfolgt zumeist mit einem kombinierten Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff. Zusätzlich sollten Frauen im gebärfähigen Alter ihren Impfstatus in Bezug auf Röteln überprüfen lassen – eine Rötelninfektion während der Schwangerschaft kann zu Fehlentwicklungen des ungeborenen Kinds führen. Die Kosten für viele dieser Schutzimpfungen, zum Beispiel gegen Masern, Mumps und Röteln, werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

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Autor: Dipl.-Biologin Ulrike Pickert, Dr. med. M. Waitz
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Datum der letzten Aktualisierung: Oktober 2017
Quellen:
Robert Koch-Institut: Diphterie. www.rki.de (Abruf: 10/2017)
Robert Koch-Institut: Masern. www.rki.de (Abruf: 10/2017)
Robert Koch-Institut: Mumps. www.rki.de (Abruf: 10/2017)
Robert Koch-Institut: Pertussis. www.rki.de (Abruf: 10/2017)
Robert Koch-Institut: Röteln. www.rki.de (Abruf: 10/2017)
Robert Koch-Institut: Varizellen. www.rki.de (Abruf: 10/2017)
Thomas, C.: Atlas der Infektionskrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2010