Polyzystisches Ovarsyndrom (PCO-Syndrom)

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© Robert Babiak jun. / pixelio.de

Ursachen: Was sind die Ursachen des Polyzystischen Ovarsyndroms?

Das Polyzystische Ovarsyndrom (PCO-Syndrom, PCOS), früher auch Stein-Leventhal-Syndrom genannt, ist die häufigste hormonelle Erkrankung junger Frauen. Sie kann der Grund für Unfruchtbarkeit und einen unerfüllten Kinderwunsch der Frau sein. Beschrieben wurde das PCO-Syndrom erstmals 1990 als Erkrankung, die mit fehlendem Eisprung (Anovulation) und fehlender Regelblutung (Amenorrhö) sowie einem erhöhten Androgenspiegel im Blut (Hyperandrogenismus) einhergeht. Androgene sind männliche Geschlechtshormone, die auch bei Frauen in geringer Menge in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde (NNR) gebildet werden. Sind sie jedoch erhöht, kommt es zur „Vermännlichung“ (Virilisierung).

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Der Name Polyzystisches Ovarsyndrom bedeutet übersetzt soviel wie „viele Zysten im Eierstock“ (poly = viel, zystisch = Zysten, Ovar = Eierstock). Dennoch finden sich tatsächlich nur bei etwa 75 Prozent aller Frauen mit PCO-Syndrom vermehrt ovarielle Zysten. Die genaue Ursache des PCOS ist bislang nicht bekannt. Man vermutet genetische Gründe, da das Syndrom familiär gehäuft auftritt. Auch Umwelteinflüsse können eine Rolle spielen. Das PCO-Syndrom ist eine Hormonstörung, bei der typischerweise das Verhältnis des luteinisierenden Hormons (LH) und des follikelstimulierenden Hormons (FSH) verändert ist.

Beschwerden: Wie äußert sich das Polyzystische Ovarsyndrom?

Polyzystische Ovarien, also Zysten im Eierstock, finden sich bei etwa 75 Prozent aller Frauen mit PCOS. Zysten sind flüssigkeitsgefüllte gutartige Hohlräume, die dem Syndrom seinen Namen gegeben haben.

Je nach Ausprägung treten folgende Beschwerden bei Frauen mit PCO-Syndrom auf:

Diagnose: Wie wird ein Polyzystisches Ovarsyndrom diagnostiziert?

Wenn Erkrankungen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), der Nebennieren und der Eierstöcke ausgeschlossen und zwei der folgenden Kriterien erfüllt sind, handelt es sich laut Definition um ein Polyzystisches Ovarsyndrom:

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  1. Polyzystische Ovarien (Eierstockzysten)
  2. Fehlender oder seltener Eisprung (Oligo- oder Anovulation)
  3. Erhöhter Androgenspiegel („männliche Geschlechtshormone“) im Blut (Hyperandrogenismus)

Zunächst erfragt der Gynäkologe bei Verdacht auf ein PCOS in einem ausführlichen Gespräch die Symptome (wie Menstruationsstörungen, unerfüllter Kinderwunsch, Übergewicht (Adipositas) etc.). Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung richtet er besonderes Augenmerk auf die Haut (mögliche Akne, vermehrte Behaarung?).

Mittels Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) lassen sich Eierstockzysten erkennen. Eine Blut-Untersuchung ist notwendig, um eventuelle Hormonveränderungen festzustellen. Es werden unter anderem die Geschlechtshormone LH, FSH, Östradiol, Testosteron, Androstendion, DHEAS (Dehydro-Epiandrosteron-Sulfat) und Progesteron sowie gegebenenfalls die Schilddrüsen-Hormone bestimmt. Beim Polyzystischen Ovarsyndrom sind typischerweise die Testosteron-, Androstendion-, DHEAS-Werte sowie der LH/FSH-Quotient (Verhältnis von LH und FSH zueinander) erhöht.

Manchmal sind weitere Untersuchungen notwendig, um andere Erkrankungen als das PCO als Ursache für die Beschwerden auszuschließen (zum Beispiel eine Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose), eine Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose) oder ein Tumor der Nebenniere, des Eierstocks oder der Hypophyse).

Behandlung: Wie kann das Polyzystische Ovarsyndrom behandelt werden?

Bei der medikamentösen Behandlung des PCO-Syndroms muss berücksichtigt werden, ob ein Kinderwunsch besteht oder nicht. Ist dies nicht der Fall, wird eine Anti-Baby-Pille, welche die Hormone Östrogen und Gestagen enthält, verordnet. Hierdurch normalisiert sich in vielen Fällen der Hormonspiegel und die PCOS-Symptome bessern sich. Zusätzlich können in einzelnen Fällen Glukokortikoide (wie Kortison) helfen.

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Bei Frauen, die an einem PCO-Syndrom und unerfülltem Kinderwunsch leiden, werden die Wirkstoffe Metformin oder Clomifen eingesetzt. Diese Medikamente erhöhen die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden. Als letzte Möglichkeit kommt eine künstliche Befruchtung (In-Vitro-Fertilisation, IVF) in Betracht.

Prognose: Wie ist die Prognose des Polyzystischen Ovarsyndroms?

Die Prognose des Polyzystischen Ovarsyndroms richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden und dem Ansprechen der Therapie. Die Symptome wie Übergewicht (Adipositas), hohe Androgen- und Insulinspiegel im Blut gehen mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und KHK (Koronare Herzkrankheit) einher. Es ist daher empfehlenswert, das PCO-Syndrom frühzeitig zu behandeln.

Vorbeugung: Wie kann man dem Polyzystischen Ovarsyndrom vorbeugen?

Gezielt vorbeugen lässt sich dem Polyzystischen Ovarsyndrom nicht, da die Ursachen nicht genau bekannt sind. Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist es wichtig, das PCO-Syndrom frühzeitig zu behandeln. Bei Übergewicht (Adipositas) empfiehlt sich auf jeden Fall eine Gewichtsreduktion (durch Bewegung und Ernährungsumstellung); dies verbessert nachweislich die PCOS-Symptome und vermindert das Risiko für Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Weitere Informationen

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Autor: Dr. med. M. Waitz
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Datum der letzten Aktualisierung: November 2017
Quellen:
Schöfl, C. et al.: Polyzystisches Ovarialsyndrom und Insulinresistenz.. Dtsch Arztebl 2004; 101(6): A-346
Stauber, M. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
Tan, S.: Minimaldiagnostik und Therapieansätze beim PCOS. Thieme Magazin. www.thieme.de (Abruf: 11/2017)
Universitätsklinikum Essen: www.pco-syndrom.de (Abruf: 11/2017)
Universitätsklinikum Würzburg: www.frauenklinik.uni-wuerzburg.de (Abruf: 11/2017)